Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Vielfalt unter einem Dach

Kategorie: Aus dem Verband, Pflege, Rundbrief

Das neue Haus der Parität in Biesdorf bietet soziale Infrastruktur im Stadtteil Marzahn-Hellersdorf

Außenansicht des neuen Hauses der Parität in Biesdorf, Foto: Kathrin Zauter

„Rosamunde, schenk mir dein Sparkassenbuch!“, klingt es beschwingt aus dem Erdgeschoss. Hier ist die Tages- und Nachtpflege „El-Jana“ der Erfülltes Leben gGmbH untergebracht. Zehn Frauen und Männer, darunter zwei Betreuerinnen, sitzen am Tisch und singen. 40 Plätze gibt es in der Tagespflege und acht in der Nachtpflege. Dieses Angebot ist einmalig in Berlin. Hier werden zwischen 19 Uhr abends und 7.30 Uhr früh die betreut, bei denen der Tag-Nacht-Rhythmus durcheinandergeraten ist.

„Sehr viele Pflegebedürftige werden ja zu Hause von Angehörigen betreut und die wollen wir entlasten,“ sagt Thomas Böhlke, Geschäftsführer der Erfülltes Leben gGmbH. Er hatte die Idee für das neue Haus und war für den Bau verantwortlich. Böhlke, immer auf der Suche nach preiswerten Grundstücken, hatte das noch unbebaute Areal 2016 entdeckt. 2018 war Baubeginn.

Bereits am 13. März 2020, einen Tag vor dem ersten Corona-Lockdown, zog der erste Bewohner in der ersten Etage ein. Dort bietet die Erfülltes Leben gGmbH sogenanntes Servicewohnen an. Neun Einzimmerwohnungen mit Bad, Küche und Balkon für Bewohnerinnen und Bewohner, die nur wenig oder gar keine Betreuung brauchen.

Alles riecht noch frisch in dem weiß-blau gestrichenen Haus mit den vielen Balkonen und Terrassen. „Haus der Parität“ steht gut sichtbar an der Fassade und heißt: das Haus wird von mehreren Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin genutzt. Den Bau hat der Verband finanziell gefördert. „Es wird immer schwieriger für soziale Organisationen, preiswerte Räume für die Menschen, die Hilfe benötigen, zu finden“, so Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Berlin. „Deshalb ist es uns sehr wichtig, mit den Häusern der Parität soziale Infrastruktur in Berlin zu sichern.“

Über dem Servicewohnen hat die Volksolidarität Berlin eine Etage für ihren Beschäftigungs- und Förderbereich Tagesstruktur gemietet. Hier werden Menschen mit Behinderungen intensiv betreut. Sie basteln, machen Steckspiele, gehen spazieren. Es gibt Gruppenräume, einen Sport- und Bewegungsraum, einen für Ergotherapie. Besonders beliebt bei den Betreuten ist der sogenannte Snoezelenraum mit Sternenhimmel über der Liege und einer farbig beleuchteten Glassäule, in der Blasen aufsteigen.

Im dritten Obergeschoss und damit ganz oben raucht Stefan gerade eine Zigarette auf einer kleinen Terrasse vor seiner Einzimmerwohnung. Der junge Mann ist vor rund eineinhalb Wochen eingezogen, alles ist schon geordnet und eingeräumt. Die U5 rauscht ziemlich nah vorbei, der U-Bahnhof Elsterwerdaer Platz ist gleich um die Ecke. Aber Stefan stört das U-Bahn-Geräusch nicht. Die Fenster sind schalldicht und überhaupt freut er sich, dass er hier etwas näher an der Stadt dran ist als in seiner vorherigen Wohnung. Stefan ist einer von fünf jungen Erwachsenen, die hier im betreuten Einzelwohnen des Psychosozialen Zentrum Wuhletal leben. Sie alle brauchen Unterstützung, um ihren Alltag bewältigen zu können. Sie gehen arbeiten, einer macht eine Ausbildung zum Bäcker. Am Nachmittag ist hier immer jemand von den Betreuenden da, der oder die Fragen beantworten oder helfen kann.

Am Schluss des Rundgangs zeigt Thomas Böhlke noch einen Besprechungsraum im Erdgeschoss. Hier soll es künftig Beratungen unter anderem zu Pflegeleistungen geben. Denn das Haus der Parität will auch für die da sein, die hier im Kiez wohnen.

Kathrin Zauter, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Paritätischen Berlin

(nd)

Datum, 11 | 12 | 2020