Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Nachbarschaft und Ehrenamt im digitalen Wandel

Kategorie: Aus dem Verband

Die Digitalisierung steht im Fokus der Paritätischen Perspektiven 2019. Zum Auftakt der Diskussionsreihe ging es um die digitale Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements

Podiumsrunde: Dr. Gabriele Schlimper, Dr. Joana Breidenbach, Raed Saleh und Thomas Mampel

Im Google-Büro in der Tucholskystraße fand am 22. Mai die erste Veranstaltung der Paritätischen Perspektiven 2019 statt. Ohne Zweifel ein passender Ort.

Auf dem Podium diskutierten Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Raed Saleh, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Thomas Mampel, Vorsitzender des Verbands für sozial-kulturelle Arbeit, und betterplace-Gründerin Dr. Joana Breidenbach, die auch die Keynote der Veranstaltung hielt.

„Wir leben in einer Umbruchzeit“, sagte Dr. Joana Breidenbach, von einer nationalstaatlich und industriell geprägten zu einer globalen und digitalen Welt. Sie beschrieb wesentliche Merkmale des digitalen Wandels: Dezentralisierung, Kollaboration, schnelle Innovationszyklen, das Sammeln von Daten und Künstliche Intelligenz.

Dr. Joana Breidenbach nannte positive Beispiele von Organisationen, die digitale Möglichkeiten im Ehrenamt einsetzen, quer durch alle Bereiche von Rekrutierung über Finanzierung bis hin zur Kommunikation. Wie schnell die Durchführung von Projekten dank digitaler Möglichkeiten funktionieren kann, habe sich in der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 gezeigt. Rein digitales Ehrenamt bewähre sich unter anderem im humanitären Nothilfebereich: Ein Tool wie „Crisis Mapping“ ermöglicht es Menschen überall auf der Welt, dezentral Satellitenfotos von Katastrophengebieten auszuwerten.

Dr. Breidenbach problematisierte die Kluft zwischen Digital Natives, die wenig Erfahrung im Bereich der Sozialen Arbeit hätten, aber digitale Mittel sehr erfolgreich nutzten, und etablierten sozialen Organisationen, bei denen es umgekehrt sei. Hier gelte es „Brücken zu bauen“. Ein anderes Problem, das sie ansprach: kommerzielle Plattformen wie Facebook, die sensible Daten von marginalisierten Bevölkerungsgruppen erhalten. Die sozialen Organisationen sollten sich deshalb mehr und konstruktiver am Diskurs über Digitalisierung beteiligen, damit möglicherweise Alternativen zu diesen Anbietern entstehen.

Nach einem Rückblick auf Auseinandersetzungen, ob sich das Internet durchsetzen werde, den Begriff „Affenkralle“ für das @-Zeichen und das Verschwinden der Telefonzellen wurde das Thema differenziert und offen diskutiert: „Kein Kotau vor Nullen und Einsen“, wie es Dr. Gabriele Schlimper ausdrückte, aber die Chancen sehen: „Digitalisierung nutzen, damit es den Menschen besser geht.“ Raed Saleh hob hervor, dass er die Digitalisierung als ein Querschnittsthema verstehe. Thomas Mampel beschrieb grundlegende Veränderungen in der Sozialen Arbeit. Sie sei dezentraler, damit auch unübersichtlicher geworden und lasse sich nicht mehr hierarchisch organisieren. Neben sozialarbeiterisch-fachlicher Ausbildung müsse deshalb digitale Fortbildung stehen.

Martin Thoma

(rs)

Datum, 27 | 05 | 2019