Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Genossenschaften als Partner sozialer Träger

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin lädt ein zum zweiten Salon Sozialer Träger am 21. August

Podiumsdiskussion beim ersten Salon Sozialer Träger, Foto: Heike Groß

Podiumsdiskussion beim ersten Salon Sozialer Träger, Foto: Heike Groß

Warum lohnen sich Kooperationen zwischen Trägern und Genossenschaften? Was braucht es für Rahmenbedingungen? Welche Rolle kann eine Genossenschaft sozialer Träger einnehmen? Darüber wollen wir am 21. August in unserer Landesgeschäftsstelle diskutieren.

Ziel ist es, Information über Genossenschaften und Genossenschaftsbildung zu besprechen sowie die Förderung von möglichen Kooperationen zu diskutieren. Dazu gibt es Berichte aus der Praxis von Genossenschaften.



Wann: 21. August 2019, 17 bis 20 Uhr

Wo: Brandenburgische Straße 80, 10713 Berlin

Anmeldungen sind bis zum 7. August möglich unter:
www.paritaet-berlin.de/salonsozialertraeger

Mehr Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier durch Klicken.

Das ist der zweite von drei Salons Sozialer Träger die der Paritätische Berlin im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gutes Wohnen für alle – soziale Träger als Partner der Wohnungswirtschaft“ ausrichtet, angeregt durch den Paritätischen Gesamtverband.

 

Ein Rückblick auf den ersten Salon Sozialer Träger

Der erste Salon fand am 15. Mai unter dem Titel „Tolle Wohnung – aber leider nicht für uns“ statt. Dabei wurde beim Paritätischen Berlin über die Verfahrensoptimierung zur Entwicklung von betreuten Wohnformen diskutiert.

Vertreter aus Politik, Verwaltung, von sozialen Trägern und dem Paritätischen Berlin haben darüber diskutiert, wie die räumlichen Anforderungen des Landes Berlin an betreute Wohnformen und das Angebot der landeseigenen Wohnungsunternehmen beziehungsweise der Wohnungswirtschaft besser zusammenkommen. Außerdem wurden die Vergabeverfahren der Wohnungsunternehmen an die sozialen Träger thematisiert.

Nach einer Vorstellung der Agentur Inklusiv Wohnen, die seit 2017 im Auftrag des Paritätischen Landesverbands Berlin als Vermittlerin zwischen Wohnungswirtschaft und sozialen Trägern arbeitet, folgte eine Problembeschreibung durch Constance Cremer und Fee Kyriakopoulos von der Agentur Inklusiv Wohnen. In der wachsenden Stadt steigt einerseits der Bedarf an Trägerwohnungen, während andererseits immer mehr Trägerwohnungen über das Gewerbemietrecht gekündigt werden. In dieser Situation ist die sozialraumorientierte Arbeit der Träger kaum noch möglich, da es zu einer immer stärkeren Verdrängung der Klientinnen und Klienten an die Randlagen kommt.

In Bezug auf die Kooperation von sozialen Trägern und landeseigenen Wohnungsunternehmen begrenzt das aufgerufene Preisniveau im nicht geförderten Neubau die Vermittelbarkeit. Beispiele aus der Vermittlungsarbeit der Agentur Inklusiv Wohnen zeigen, dass die Mitwirkung der Träger in einem frühen Stadium hilfreich für die Passgenauigkeit von Neubauvorhaben ist. Bisher fehlen transparente Vergabekriterien für Wohnungen der Landeseigenen.

Aus der Praxis

Im Anschluss berichteten zwei soziale Träger aus der Praxis. Stefan Lutz von Prowo e.V. schilderte positive Erfahrungen bei einer frühzeitigen Einbindung der Träger in Planungsvorhaben mit der Möglichkeit zur Einflussnahme auf Grundrisse, Gemeinschaftsflächen und die Finanzierbarkeit. Er schlägt ein Musterbuch Trägerwohnen vor, das diese Themen für die Wohnungsunternehmen aufbereitet. Der erhebliche Aufwand der Wohnraumakquise sei für viele Träger nicht leistbar, auch weil es keine Refinanzierung der Akquisitionskosten gibt.

Marco Schulze von dem noch jungen, in der Wohnungslosenhilfe tätigen Träger My Way e.V. berichtete, dass es seinem Verein in erster Linie aufgrund eines umfangreichen Netzwerks und Kontakten zu Entscheidungsträgern gelungen ist, in kurzer Zeit mehr Wohnraum zu akquirieren als erwartet. Dabei gelang dies fast ausschließlich bei privaten Vermieterinnen und Vermieter. Er führte dies unter anderem auf eine Voreingenommenheit gegenüber der Klientel der Wohnungslosen zurück. Deshalb sei ein transparentes Vergabeverfahren bei den Landeseigenen notwendig.

Quoten für Landeseigene?

In der anschließenden Diskussion wurde von verschiedenen Seiten das sogenannte „Creaming the poor“ bestätigt: die stigmatisierten Gruppen unterliegen einer Art „Ranking“. Mehrere Teilnehmer sprachen sich für Quoten bei der Vergabe landeseigener Wohnungen aus, um die Chancen aller Klientengruppen zu verbessern. Derzeit sind etwa 2.000 landeseigene Wohnungen an soziale Träger vermietet und die Landeseigenen unterliegen bereits einer Quote, bei Wiedervermietung 60 Prozent der Wohnungen (im Neubau 50 Prozent) an Mieterinnen und Mieter mit Wohnberechtigungsschein (WBS) vergeben zu müssen. Davon müssen wiederum 25 Prozent an Menschen mit besonderem Wohnbedarf vermietet werden. Wegen der sehr geringen Fluktuation im Bestand werden jedoch kaum Wohnungen neu vermietet.

Schwierige Bedarfsermittlung

Es gibt derzeit keine belastbaren Zahlen zum Thema Trägerwohnungen. Die Bedarfsermittlung gestaltet sich durch die diversen Zuständigkeiten als schwierig (Eingliederungshilfe & Wohnungslosenhilfe: Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales; Psychosoziale Versorgung: Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung; Jugendhilfe: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie).

Problemfeld Gruppenwohnungen

Mit der derzeitigen Wohnungsbauförderung sind von manchen Trägern benötigte Gruppenwohnformen nicht realisierbar. Um das Problem des Fehlens geeigneter Wohnungen für Wohngruppen zu mildern, wird Berlin noch in diesem Jahr eine Förderung speziell für Gruppenwohnungen für Träger auflegen. Es wurde auch auf ein bewährtes Modell aus Westberlin in den 1980er Jahren verwiesen, als die Landeseigenen beim Neubau verpflichtet wurden, Gruppenwohnungen zu bauen.

Fazit: Was zu tun bleibt

-        Die Bedarfe der sozialen Träger sollten bei der Vergabe städtischer Liegenschaften sowie beim Abschluss städtebaulicher Verträge für den Neubau berücksichtigt werden.

-        Landesbürgschaften sollten den Einsatz von Spenden und Fördermitteln absichern, um Wohnungsanpassungen in angemieteten Objekten vornehmen zu können.

-        Der von den Senatsverwaltungen für Integration, Arbeit und Soziales, für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung sowie für Stadtentwicklung und Wohnen initiierte Runde Tisch „Trägerwohnen“ sollte als Forum für einen fachübergreifenden Austausch weitergeführt werden. Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie sollte ebenfalls dazu eingeladen werden.

-        Die Vergabeverfahren der Landeseigenen für Trägerwohnungen sollten die Rahmenbedingungen der sozialen Träger berücksichtigen (AV Wohnen). Dazu sollte den Landeseigenen ein Musterbuch mit Anforderung an den Wohnraum der unterschiedlichen Klientengruppen zur Verfügung gestellt werden.

Der dritte Salon Sozialer Träger mit dem Titel „Prima Bude – inklusive Wohnformen zusammen planen“ findet am 23. Oktober 2019 statt. Informationen dazu veröffentlichen wir auf unserer Webseite.

Katharina Mayer, Referat Hilfen zur Erziehung und Familie beim Paritätischen Berlin, und Markus Tegeler, Stattbau Stadtentwicklungsgesellschaft mbH

(aw)

Datum, 09 | 07 | 2019