Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Eine Lern-Werkstatt fürs Leben

Ein Tag in der Parzival-Schule

Hand in Hand – Schulalltag in der Parzival-SchuleFoto: Heide SchostekAlle halten sich an den Händen, während sie über den Schulhof gehen. Keiner geht hier alleine. Es ist kurz vor halb acht. Die Kinder und ihre Lehrer sind auf dem Weg zum gemeinsamen Morgenkreis.  So beginnt jeder Schultag an der Parzival-Schule im Quermatenweg 6 in Zehlendorf. Rund 140 Schülerinnen und Schüler besuchen die Waldorfschule mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“. Im Foyer versammeln sich  Schüler und Schülerinnen, ihre Lehrer, Lehrerinnen sowie Klassenbetreuerinnen und -betreuer. Die Gesichter sind fröhlich: Einstimmung auf den Tag. Von 8 bis 15 Uhr wird in der Parzival-Schule unterrichtet, danach können Kinder bzw. Jugendlichen nach Bedarf noch den Schulhort besuchen. Es gibt derzeit 19 Klassen, mit fünf bis zehn Kindern. Alle die hier lernen, haben einen festgestellten Förderbedarf und brauchen somit besondere Unterstützung. Die Kinder haben  von der 1. bis zur 8. und von der 9. bis zur 12. Klasse ein und denselben Klassenlehrer bzw. dieselbe Klassenlehrerin. Dass die Bezugsperson nicht wechselt, das Umfeld stabil ist, wirkt sich positiv auf die Entwicklung der Kinder aus und gibt ihnen die Sicherheit, die sie brauchen. Mit Musik und Bewegung beginnt jeden Tag der Unterricht. In einem Klassenzimmer stehen die Kinder auf Stühlen, bewegen ihre Arme auf und ab und singen dazu. Die Lehrerin Frau Laible hat Vögel an die Tafel gemalt. Von den fliegenden Vögeln ist der Weg zum Buchstaben „V“ nicht weit. Jeder Buchstabe wird mit einem Bild und einer Geschichte verknüpft, damit sich die Kinder die Buchstaben leichter merken können.

In die Parzival-Schule kommen Kinder aus vielen Bezirken Berlins. Von den 60 Euro  Schulgeld pro Monat wird unter anderem auch das Essen und die Arbeit in den Werkstätten finanziert. Zwei Drittel der Eltern zahlen den vollen Betrag. Wer erwerbslos ist und das Geld nicht hat, zahlt weniger oder gar nichts, so die Schulleitung. Anders als bei anderen privaten freien Schulen, die nur 93 Prozent ihrer Personalkosten vom Land erstattet bekommen, erhält die Parzival-Schule aufgrund ihres sonderpädagogischen Förderschwerpunktes „Geistige Entwicklung“ alle Personalkosten vom Land finanziert.  „Die Eltern schätzen die individuelle Begleitung und die kleinen Klassen“, sagt Schulleiter Flemming Herre.

Nach dem Mittagessen wird der Oberstufenunterricht in den Werkstätten der Parzival-Schule fortgesetzt. Ob  Metall, Keramik, Textil, Hauswirtschaft, oder Kunst: Jede Werkstatt hat ihr eigenes Thema. Sieben Werkstätten gibt es an der Parzival-Schule. In ihnen wird das Schreiben, die Planung, das Durchhalten, die Zusammenarbeit  und vieles mehr für die Schülerinnen und Schüler erlebbar. Zum Ende der 12-jährigen Schulzeit durchlaufen viele die herausforderndste Werkstatt – die Weberei. Große Webstühle und viele bunte Schnüre machen es für Nichteingeweihten kompliziert. „Wer hier durchhält und am großen Webstuhl das geplante, angefangene Stück zu Ende bringt, hat Großes vollbracht und ist gut ausgebildet“, sagt Herrad Marmon, Geschäftsführerin der Parzival-Schule mit einem Lachen.

Nach der Schulzeit erhalten alle ein Abgangszeugnis. Danach übernimmt die Agentur für Arbeit die weitere Betreuung und Beratung. Einige Schülerinnen und Schüler entscheiden sich, in eine Folgeeinrichtung der Parzival-Schule, in die Werkstätten der Lebenswerkgemeinschaft gGmbH, zu gehen und sich dort weiter ausbilden zu lassen und bleiben so der Waldorfpädagogik über die Parzival-Schule hinaus verbunden.

Kathrin Zauter

Foto: Heide Schostek

Mehr unter: www.parzival-schule-berlin.de

(vb)

Datum, 11 | 10 | 2017