Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Die Wegbereiterin - 15 Jahre Stiftung Parität Berlin

Kategorie: Aus dem Verband

Von der Gründung über Förderprogramme bis hin zu Herausforderungen durch die aktuelle Niedrigzinspolitik

Oswald Menninger, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Parität Berlin, Foto: Martin Thoma

Neben dem Jubiläum zu 70 Jahren Paritätischer Wohlfahrtsverbandes Berlin erinnern wir in diesem Jahr auch an das 15-jährige Bestehen der Stiftung Parität Berlin. Ein Feiern ist aufgrund der weiter bestehenden Ausnahmesituation durch die Corona-Pandemie leider nicht möglich. So blicken wir mit diesem Schwerpunktthema im Paritätischen Rundbrief 4-2020 anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Stiftung auf ihre Entwicklung und Erfolge zurück.

Wie es zur Gründung kam

Die Gründung der Stiftung 2005 ist nicht ohne die Entwicklung des Verbandes nach der Wiedervereinigung zu erklären. Der Paritätische Berlin hatte sich nach der Wende erfolgreich auf den Weg gemacht, als Träger Krankenhäuser zu übernehmen. Innerhalb eines kurzen Zeitraums war er Eigentümer eines Gesundheitskonzerns von beachtlicher Größe mit 3000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 200 Millionen Euro geworden.

Mit dem Wachstum und der damit einhergehenden Kreditfinanzierung von Übernahmen und Investitionen stiegen auch die Risiken. Über eine weitere Expansion gab es 2002/2003 heftige Diskussionen im Verbandsvorstand, die im Ergebnis auf eine Konsolidierung des Unternehmens hinausliefen. Im Konsolidierungsprozess wurde deutlich, dass der Verband als Eigentümer des Paritätischen Unternehmensverbundes allein nicht die nötigen finanziellen Ressourcen mobilisieren kann, um das Unternehmen dauerhaft für den zunehmenden Wettbewerb im Gesundheitswesen zu rüsten.

2004/2005 wurde deshalb nach strategischen Partnern Ausschau gehalten, die die Mehrheitsanteile und damit die unternehmerische Führung des Konzerns übernehmen würden. Nach erfolgreichen Verhandlungen übernahm Sana als bundesweiter Krankenhauskonzern damals drei Viertel der Gesellschafteranteile am Unternehmensverbund.

21,5 Millionen Euro Gründungskapital

Der Verkauf der Mehrheitsanteile führte am Ende zu einem Nettoverkaufserlös von 21,5 Millionen Euro, der als Gründungskapital 2005 in die Stiftung floss. Mit diesen 21,5 Millionen Euro haben wir begonnen und Ende 2019 war das Vermögen der Stiftung bereits auf knapp 24 Millionen Euro gewachsen. Neben den Kapitalerträgen setzt die Stiftung zur Förderung des Wohlfahrtswesens auch zweckgebundene Spenden ein.

Der zentrale Stiftungszweck der Stiftung Parität Berlin ist natürlich die Förderung der Wohlfahrtspflege auf all den verschiedenen Feldern der sozialen Arbeit. Satzungsgemäß kann die Stiftung wohlfahrtspflegerische Aktivitäten sowohl des Verbandes als auch seiner Mitgliedsorganisationen fördern. Wegen der seit Jahren gesicherten Finanzierung des Verbandes wurden die Stiftungserträge und Spenden fast ausschließlich zur Unterstützung der Mitgliedsorganisationen eingesetzt.

Der Vorstand der Stiftung wird durch den Vorstand des Landesverbandes bestellt und die Amtsperiode ist mit drei Jahren identisch mit der des Landesvorstandes. Zum fünfköpfigen Vorstand zählen in der jetzigen Amtsperiode bis 2021 Prof. Barbara John, Oswald Menninger, Dr. Gabriele Schlimper, Dr. Ellis Huber und Dirk Brandes. Die beiden erstgenannten bilden den geschäftsführenden Vorstand. Bei der Stiftung entstehen keine Verwaltungskosten für die Umsetzung der Förderprogramme, da diese über den Landesverband erfolgt.
Das Gros der Förderung geht an die Mitglieder.

In den fünfzehn Jahres des Bestehens hat die Stiftung insgesamt für Förderzwecke 15.574.500 Millionen Euro ausgeschüttet. 6.654.500 Euro der Fördermittel der Stiftung kamen aus Kapitalerträgen, der andere Teil in Höhe von 8.920.000 Euro aus zugeführten zweckgebundenen Spenden. Allein von Vattenfall bekamen wir eine Spende in Höhe von 1,1 Million Euro für die Schuldnerberatung bei Energieschulden zur Verfügung gestellt.
Ebenfalls wird die jährliche Dividende aus der Minderheitsbeteiligung des Landesverbandes an Sana Berlin-Brandenburg, dem früheren Unternehmensverbund, in Höhe von 577.000 Euro über die Stiftung verteilt.
Wie haben mit der gewaltigen Fördersumme der Stiftung von über 15,5 Millionen Euro unabhängig und frei von äußeren Vorgaben viel für den Verband und seine Mitgliedsorganisationen bewegen können.

Dazu gehören im Einzelnen:
9,9 Millionen Euro für Mitgliederförderung, die wir für rund 1065 Einzelprojekte bei den Mitgliedsorganisationen eingesetzt haben. Schwerpunkte dabei waren Ehrenamtsprojekte und in den letzten Jahren Projekte in der Flüchtlingsarbeit. Ein Augenmerk lag auch immer auf der Förderung innovativer Projekte, die Problemlagen anders angehen als üblich und in neuartiger Weise bewältigen möchten. Ziel der Förderung von Modellprojekten ist es, Erkenntnisse zu gewinnen, die übertragbar sind. Am Ende wurde im Rahmen des Projektförderprogramms die ganze Palette sozialpflegerischer Arbeit gefördert.
1,75 Million Euro flossen als Zuschüsse in sechs Häuser der Parität, um gemeinnützige Angebote für die soziale Versorgung an einem Standort zu ermöglichen. Bei der Entwicklung auf dem Berliner Immobilienmarkt eine sinnvolle Investition.
800.000 Euro stellte die Stiftung ab 2008 für das Programm kostenlose Monatsfahrkarten für Ehrenamtliche zur Verfügung. Insgesamt wurden circa 13.160 kostenlose Monatsfahrkarten an Ehrenamtliche ausgegeben.
700.000 Euro flossen ab 2006 bis heute in das Förderprogramm KinderZukunft. Hierbei unterstützten wir Kinder aus ärmeren Familien mit Stipendien zur Entwicklung von Talenten oder finanzieren dringend notwendige Anschaffungen für die Kinder. Weit über 9700 Berliner Kinder haben an dem Programm KinderZukunft partizipieren können.
Neben den Programmförderungen haben wir auch große Einzelprojekte gefördert, wie die Schuldnerberatung von Energieschuldnern durch Vattenfall von 2009 bis 2010 in Höhe von 1,1 Millionen Euro. Ebenso wurde das Paritätische Haus Schöneberg, eine Behinderteneinrichtung in Wyk auf Föhr, 2009 mit einer Million gefördert.   
Die Stiftung Parität hat am Ende die Handlungsmöglichkeiten des Verbandes enorm erweitert und damit einen Beitrag zum Erfolg des Verbandes seit ihrem Bestehen geleistet. Sie wird sicher auch zukünftig die Entwicklung der Mitgliedsorganisationen des Verbandes in vielfältiger Weise unterstützen.

Zukünftige Herausforderungen

Ein Ende der katastrophalen Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Nachteil von Stiftungen als Kapitalanleger ist leider nicht in Sicht. Größere Kapitalerträge ohne größere Risiken zu erwirtschaften, scheint der Vergangenheit anzugehören.

Die 15-jährige Geschichte der Stiftung Parität Berlin zeigt wie im Brennglas, wie sich die Anforderungen an Förderstiftungen, die zur Förderung auf Kapitalerträge angewiesen sind, dramatisch verändert haben. In den ersten Jahren des Bestehens der Stiftung konnte mit Festgeldern eine respektable und vermeintlich risikofreie Rendite von drei bis fünf Prozent erzielt werden. Die Finanzkrise 2008 erschütterte die bis dahin geltende Gewissheit, dass Einlagen bei den Banken durch ihre Institutsgarantien immer sicher sind. Die nachfolgende Eurokrise 2009 veranlassten die EZB, eine breit angelegte Politik des „billigen Geldes“ zu verfolgen mit niedrigen Zinsen und dem Ankauf von Wertpapieren. Im Ergebnis führte dies mittlerweile zu Minuszinsen bei höheren Geldeinlagen und bei Staats- und Unternehmensanleihen mit guter Bonität zu Zinsen, die sich gegen Null bewegen.

Viele kleinere Stiftungen können heute kaum mehr ihre Verwaltungskosten durch Zinserträge decken. Für größere Stiftungen gilt, dass sie ohne die Beimischung von Aktienanlagen keine nennenswerten Erträge mehr erzielen und ausschütten können. Aktienanlagen erhöhen die Risiken und sind über Aktien- beziehungsweise gemischte Fonds mit festverzinslichen Wertpapieren und Aktien bei einer breiten Streuung am sichersten zu steuern. Um die Erträge der Stiftung Parität langfristig zu stabilisieren, haben wir eine Seniorenresidenz in Altlandsberg vor den Toren der Stadt erworben. Eine Tochtergesellschaft des Paritätischen Landesverbandes Brandenburg betreibt die Einrichtung im Auftrag der Stiftung.    

15 geförderte Projekte aus 15 Jahren Stiftung Parität an 15 Tagen

Täglich, über die kommenden 15 Tage verteilt, stellen wir Ihnen über facebook Leistungen und Erfolge der Stiftung Parität in den 15 Jahren ihres Bestehens vor. Sie werden staunen. 

Oswald Menninger, geschäftsführender Vorstand
Stiftung Parität Berlin

(rs)

Datum, 08 | 12 | 2020