Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Die Sputniks stellen sich vor

Kategorie: Aus dem Verband, Rundbrief

Die Vereinigung russischsprachiger Familien mit Kindern mit Beeinträchtigungen in Deutschland ist neues Mitglied beim Paritätischen Berlin

Junge im Rollstuhl, Foto: Larysa Hrebenichenko

Wir freuen uns über die Aufnahme in den Paritätischen Landesverband Berlin. Unsere Ursprünge liegen in der gesundheitsorientierten Selbsthilfe in Berlin. Wir sind seit 2009 aktiv.

Russischsprachige Menschen bilden mit etwa drei Millionen Menschen die größte Bevölkerungsgruppe mit Migrationshintergrund in Deutschland. Nach groben Schätzungen gibt es etwa 6000 russischsprachige Familien in Berlin, in denen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten leben. Unser gemeinnütziger Verein "Die Sputniks" vertritt die Belange dieser Familien.

Unsere betroffenen Berliner Eltern, derzeit etwa 160 Familien, treffen sich monatlich in elf Selbsthilfegruppen, die sie gemäß den Krankheitsbildern ihrer Kinder oder artverwandten Themen gründeten.

Zusätzlich dazu tauschen sie sich auf ihrer internetbasierten Plattform aus, die auch von betroffenen Familien aus anderen Bundesländern genutzt wird. Besonders in ländlichen Gebieten sind Betroffene für diese Form des virtuellen Austauschs sehr dankbar.

In urbanen Gebieten haben sich mittlerweile in vielen Bundesländern Familien nach unserem Berliner Vorbild zu örtlichen klassischen Selbsthilfegruppen zusammengeschlossen.

Neben dem gesundheitsbezogenen Austausch unterstützen sich unsere Eltern gegenseitig bei Behördengängen, Arztbesuchen, Wissensvermittlung und der Betreuung ihrer Kinder.

Zudem pflegen wir seit 2009 einen umfangreichen, moderierten Wissenspool in russischer Sprache. Unsere Selbsthilfegruppen sammeln internes und externes Wissen zu sozialen, gesundheitlichen, aufenthalts- und bildungsrechtlichen Fragen und bereiten dies für andere Eltern in verständlicher Form auf.

Wir möchten Isolierung und Ghetto-Bildung bei unseren betroffenen Familien vermeiden. Kinder mit Beeinträchtigungen und migrantischer Hintergrund fördern leider eine solche Entwicklung. Deshalb treffen wir uns auch zu gemeinsamen Unternehmungen, die meistens einen integrativen und inklusiven Charakter haben: kulturelle und politische Veranstaltungen, Theater- und Museumsbesuche, Fahrten mit der Bahn zum Öko-Dorf, zum Reiterhof oder zum Badespaß am Dorfstrand – immer mittendrin im deutschen Alltag. 

Aber auch in der russischen Diaspora möchten wir ein wenig Staub aufwirbeln, da dort unsere Problematik wie zu UDSSR-Zeiten ausgeblendet wird. Behindertenpolitik, Inklusion und die UN-Behindertenrechtskonvention sind und bleiben für russischsprachige Nicht-Betroffene und auch für offizielle russische Stellen in Deutschland ein "westliches", abstraktes Thema. Dagegen setzen wir Aufklärung sowie inklusive Treffen und Veranstaltungen.

Mittlerweile sind wir die größte migrantische Selbsthilfeorganisation in Deutschland. Unser Herz und unser Sputnik-Mutterschiff bleiben jedoch in Berlin. Die Zusammenarbeit mit dem Paritätischen Landesverband Berlin wird auf unsere Berliner und unsere deutschlandweit verstreuten Sputniki gleichermaßen ausstrahlen. Wir wollen Спутники / Sputniki, Weggefährten sein!

Wolfgang Dengler, Die Sputniks e. V. 

Mehr über Die Sputniks e. V. – Vereinigung russischsprachiger Familien mit Kindern mit Beeinträchtigungen in Deutschland erfahren Sie hier: www.die-sputniks.de

(nd)

Datum, 22 | 05 | 2020