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Was kosten Trägerwohnungen in Berlin?

Eine Erhebung hat erste Daten in einer Kartenansicht erfasst. Dabei zeigen sich große Unterschiede in den Bezirken

Trägerwohnungen in Berlin: Durchschnittswert der Nettokaltmiete pro Quadratmeter nach Bezirken

Zwischen Mai und August 2018 hat der Paritätische Berlin Zahlen zu Trägerwohnungen bei seinen Mitgliedsorganisationen erhoben. Dabei ging es zunächst um betreute Wohnformen für Menschen mit Behinderung, Substituierte, obdach- und wohnungslose Menschen und Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen, sowie für Jugendliche und alleinerziehende Eltern.
Die Datenerhebung und die Kartierung dienten dazu, einen Überblick über die Situation der Trägerwohnungen zu gewinnen. Zudem soll damit die Arbeit der Agentur Inklusiv Wohnen unterstützt werden – sie vermittelt Wohnraum zwischen Wohnungseigentümern und sozialen Trägern.  Und drittens: Es wurden quantitative Daten erhoben, die politischen Zwecken dienen.

62 Träger haben Angaben gemacht

An der Erhebung haben 62 soziale Träger teilgenommen. Insgesamt wurden 2497 Trägerwohnungen erhoben. Zusätzlich gab es bei 1028 von den 2497 Trägerwohnungen eine Angabe zur Nettokaltmiete pro Quadratmeter.
Hinsichtlich der steigenden Mietpreise in der wachsenden Stadt Berlin brachten vor allen Dingen die Angaben zur Nettokaltmiete pro Quadratmeter erkenntnisreiche Ergebnisse. Besonders alarmierend sind diesbezüglich die Mietpreisspannen: Diese verdeutlichen bestehende Erhöhungsspielräume. Innerhalb Berlins besteht eine Mietpreisspanne von 1,45 Euro je Quadratmeter und 15,49 Euro je Quadratmeter. Dies stellt gleichzeitig auch das Minimum und Maximum für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg dar.

Im Schnitt 7,29 Euro je Quadratmeter

Die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter, die die sozialen Träger für ihre Trägerwohnungen aufbringen müssen, liegt bei 7,29 Euro je Quadratmeter. In Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf sind die Mieten durchschnittlich am höchsten. Lediglich in Spandau, Reinickendorf, Pankow und Marzahn-Hellersdorf befinden sich die erhobenen Kaltmieten noch unter 10 Euro je Quadratmeter. Spandau weist mit 6,08 Euro je Quadratmeter die niedrigste durchschnittliche Kaltmiete auf.
Von 1028 mit Angaben zur Nettokaltmiete pro Quadratmeter befanden sich 30 Prozent der Trägerwohnungen im Rahmen der zugrundeliegenden Nettokaltmieten pro Quadratmeter der Wohnaufwendungsverordnung (AV Wohnen). Auf Grundlage des Berliner Mietspiegels wäre das bei einem Ein-Personen-Haushalt eine veranschlagte Nettokaltmiete von 6,46 Euro je Quadratmeter. Viele Träger, deren Klienten von Transferleistungen abhängig sind, sind auf eine Finanzierung über die AV Wohnen angewiesen. Die erhobenen Quadratmeterpreise untermauern die Kritik, dass die Richtwerte der AV Wohnen nicht den real aufgerufenen Mietpreisen entsprechen.

Detaillierte Angaben künftig denkbar

Für viele Menschen, die keinen realistischen Zugang zum Wohnungsmarkt haben oder zusätzliche Hilfe benötigen, stellen soziale Träger eine wichtige Anlaufstelle dar. Die derzeitige Wohnungssituation in Berlin sorgt nicht nur für eine steigende Nachfrage nach betreuten Wohnformen, die auch aus den unsicheren Lebenssituationen und existenziellen Notlagen resultiert, sondern zeigt auch zu einem Mangel an Wohnungen, um diese aufzufangen.
In Hinblick auf den erheblichen Arbeitsaufwand für die Teilnehmenden wurde die Erhebung auf das Mindeste reduziert. Eine Erweiterung der Erhebung in regelmäßigen, zeitlichen Abschnitten und ausgeweitet auf alle Tätigkeitsfelder, könnte langfristig Entwicklungen in Hinblick auf mögliche Verdrängungsprozesse und steigende Kostenbelastungen sozialer Träger offenlegen und dazu genutzt werden, das Problembewusstsein bei politischen und wohnungswirtschaftlichen Akteuren zu stärken.
In diesem Rahmen bedanken wir uns noch einmal bei den Teilnehmenden.

Katharina Mayer, Assistentin Schwerpunkt Frauen und Familie im Referat Hilfen zur Erziehung und Familie

Katharina Mayer ist die Autorin. Die Erhebung und Kartierung fand innerhalb ihres Forschungspraktikums im Masterstudiengang Urbane Zukunft der FH Potsdam statt. Zu diesem Zeitpunkt war sie Praktikantin beim Paritätischen Berlin.
Mehr über die Agentur Inklusiv Wohnen gibt es hier:
www.stattbau.de/index.php

(rs)




Datum, 18 | 04 | 2019