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Was bleibt vom Leben?

Der Landesverband Volkssolidarität Berlin e.V. besucht und betreut viele ältere Menschen – zwei Beispiele

Wieviel Geld bleibt zum Leben? Foto: Mario ZeidlerDurch ein persönliches Gespräch mit Herrn G. und Herrn E. in ihrer Wohnung wurde versucht, die Situation von älteren Menschen mit geringem Einkommen zu erfassen und Antwort auf die eingangs gestellte Frage zu erhalten. Beide sind schwerbeschädigt und werden von der Sozialstation der Volkssolidarität in Marzahn-Hellersdorf gesundheitlich und sozial betreut. Sie verfügen über keine Ersparnisse.

Herr G. ist mit Pflegegrad 2 eingestuft und erhält ergänzende Sozialamtsleistungen entsprechend S6BXII. Dazu gehören unter anderen wöchentliche Leistungen in Form von zwei Mal kleine Morgentoilette, einmal große Morgentoilette, einmal Aufräumen der Wohnung, einmal große Reinigung der Wohnung und zweimal einkaufen. Er hat nach Abzug der Fixkosten monatlich 560 Euro zur Verfügung.

Herr E. ist mit Pflegegrad 3 eingestuft und erhält in der Woche unter anderem folgende Leistungen: einmal duschen, jeden Tag kleine Morgentoilette, zwei Mal Mittag kochen, zwei Mal einkaufen, einmal Wäsche waschen. Er hat monatlich nach Abzug der Fixkosten 497 Euro zur Verfügung.

Beide Bewohner erhalten sogenannte Entlastungsleistungen im Umfang von monatlich 125 Euro, die ebenfalls von der Sozialstation unter anderem in Form von Mobilisierungsmaßnahmen, persönlichen Gesprächen, Spieltherapie und Fenster putzen erbracht werden.

Kaum Kontakte zu Hausbewohnern

Sie sind Bewohner einer Alt-Neubauwohnung. Im Gespräch wurde deutlich, dass Altersarmut keinesfalls nur unter monetärer Sicht betrachtet werden darf. Ihre Situation zeigt, dass Alter und Armut auch im Hinblick auf ihre Auswirkungen auf Gesundheit, Pflegebedürftigkeit und soziale Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einzuschätzen ist. Das zeigt sich unter anderem darin, dass kaum Kontakte zu Hausbewohnern oder Bewohnern im Kiez bestehen. Kulturelle oder sportliche Angebote im Wohngebiet werden nicht benutzt. Den Lebensmittelpunkt für beide stellt die eigene Wohnung dar. Die gesamte Freizeit wird mit Fernsehen und Lesen bei täglichem Verzehr von Alkohol wie Bier oder Sekt verbracht. Der Kontakt zur Außenwelt wird durch den regelmäßigen Einsatz von Pflegekräften der Sozialstation beziehungsweise bei Herrn E. durch den Einkauf von Lebensmitteln gesichert.

Hilfe um Bett und Kühlschrank zu bekommen

Die Gründe für den geringen Kontakt zu Personen außerhalb der eigenen Wohnung und damit der selbstgewählten Isolierung sind vielfältig. Bei Herrn G. spielt neben der gesundheitlichen Beeinträchtigung auch der sehr schlechte Zustand seiner Wohnung eine große Rolle, die er ungern einem Fremden zumuten möchte.
Bei Herrn E. sind es vordergründig körperliche und kognitive Einschränkungen, die die eigene Zurück-gezogenheit bedingen. Hinzu kommt, dass bei Kontakt zu Fremden die Gefahr eines Rückfalls auf Alko-holismus Probleme gegeben ist.

Feststellbar ist, dass beide Bewohner wenig eigene Initiativen zur Verbesserung ihrer persönlichen Situation entwickeln. Schon seit längerem schläft Herr G. in einem desolaten Sessel, weil das Bett zerschlissen ist. Fernseher und Kühlschrank, er ist Diabetiker, sind defekt. Die Wohnung ist dringend sanierungsbedürftig. Bei Herrn E. ist das Bad instand zu setzen. Unterstützung seitens der Sozialstation und des Bezirksamtes ist angesagt. Die Sozialbearbeiterin der Sozialstation der Volkssolidarität hat einen Antrag an das Sozialamt zwecks finanzieller Unterstützung für Herrn G. bei der Beschaffung ei-nes neuen Betts und eines Kühlschranks gestellt. Zugesichert wurde ein Zuschuss von 150 Euro für den Kühlschrank seitens des Bezirksamtes. Darüber hinaus ist vorgesehen, Lottomittel für den Erwerb eines Bettes und eines Staubsaugers zu akquirieren.

Wie schätzen die Bewohner ihre Situation ein?

Beide sind sowohl mit den Betreuungsleistungen der Sozialstation als auch mit den zurzeit erhaltenen staatlichen Zuwendungen relativ zufrieden, Zitat: „mehr kann es immer sein!“ Sie haben sich auf ihre derzeitigen Lebensbedingungen eingestellt und vertrauen darauf, dass die Gesellschaft sich wie bisher um sie kümmert.

Es ist zu erwarten, dass sie ihr Leben in der bisherigen Form weitgehend unverändert fortsetzen wer-den. Entscheidungen zu Renten sind ausschließlich Bundesangelegenheiten und Regelungen zur Gesundheits- und Pflegepolitik sind durch den Bund beziehungsweise das Land zu treffen. Es bleiben dennoch Aufgaben, die auf Kreisebene zu lösen sind. Neben der Nutzung aller Möglichkeiten zur Bekämpfung von Altersarmut betrifft das unter anderem die Verhinderung von sozialer Isolation und Hilfslosigkeit sowie den weiteren Ausbau von Beratungs- und kostengünstigen Hilfsangeboten.

Dr. Klaus Sack, Landesverband Volkssolidarität Berlin e.V.


Mehr über die Volkssolidarität Landesverband Berlin e.V. erfahren Sie hier:
www.volkssolidaritaet.de/berlin

(Pe)         

Datum, 12 | 12 | 2019