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Telefonseelsorge Berlin wird 65 Jahre

Über Ausbau von Angeboten, Digitalisierung - und die Bedeutung persönlicher Kontakte

Als erste Telefonseelsorge Deutschlands bieten wir niedrigschwellige Kontaktmöglichkeiten für Menschen in seelischer Not. Themen der Anruferinnen und Anrufer sind unter anderem Einsamkeit und Isolation, körperliches Befinden, familiäre Beziehungen, depressive Stimmung, Suizidalität, Ängste und Alltagsbeziehungen.

Aus den Erfahrungen am Krisentelefon entstand auch die Idee zu unserer Beratungsstelle BeSu Berlin – Beratung für Suizidhinterbliebene und Angehörige von Suizidgefährdeten – ein bisher einzigartiges Angebot in Deutschland. Diese Menschen sind selbst von der Gefahr bedroht, in eine lebensbedrohliche Krise bis hin zur eigenen Suizidalität abzugleiten. Bei BeSu Berlin wird ihnen Entlastung, Stabilisierung und Hilfe im Trauerprozess geboten. Wir erreichen das durch individuelle Beratungen sowie durch die Arbeit mit  Hinterbliebenengruppen und Gruppen für Angehörige suizidgefährdeter Menschen. Darüber hinaus sensibilisieren wir die Öffentlichkeit durch Publikationen, Informationsmaterial, Werbekampagnen sowie Anti-Stigma-Arbeit. Vorurteile und Ängste, die das Thema „Suizid“ auslöst, sollen durch Informationen verringert werden, um den Zugang zum Beratungsangebot zu erleichtern.

Mittelfristig werden wir auch Online-Seelsorge anbieten. Wir möchten darüber hinaus unsere Expertise im Bereich seelische Gesundheit, die wir auf Grund unserer Erfahrungen am Krisentelefon und in der Beratungsstelle haben, mit der Öffentlichkeit teilen und in unsere Netzwerke einbringen.

Wir hatten viele Ideen, dann kam Corona. Ausbildung, Fortbildung und Supervisionen der Ehrenamtlichen, Beratungen für Suizidbetroffene sowie Gruppentreffen konnten nicht mehr in Präsenz stattfinden. Wir mussten schnell digitalisieren, ohne die entsprechende Ausrüstung und Erfahrung. Dies gelang auf Grund des großen Engagements der Mitarbeiterinnen, und wir konnten sämtliche Angebote ohne nennenswerte Unterbrechungen online anbieten. Dazu kam eine große Welle der Solidarität. Nicht nur zahlreiche Externe boten ihre Unterstützung an, sondern auch viele Ehemalige kamen zurück und blieben. Durch die Motivation und den unglaublichen Einsatz unserer ehrenamtlichen Mitarbeitenden konnten wir eine weitere Leitung für unsere Anrufenden ermöglichen.

Mittlerweile haben wir technisch aufgerüstet und uns weitergebildet, sodass wir auch in Zukunft – wenn sich das Leben wieder normalisiert – digitale Angebote machen und somit flexibler werden. Dennoch wächst bei Mitarbeitenden und unseren Klientinnen und Klienten die Sehnsucht nach persönlichen Kontakten. Mit mehr Impfungen, sinkenden Inzidenzen und Testmöglichkeiten können wir das hoffentlich bald wieder ermöglichen.

Corona hat auch uns vor große Herausforderungen gestellt, aber wir erhielten auch neue Impulse. Wir durften erfahren, wie wichtig unsere Arbeit ist und wie viel gesellschaftliche Solidarität es gibt. Wir freuen uns, dass so viele Menschen uns ehrenamtlich unterstützen.

Gleichzeitig erkannten wir, dass auch bei uns die Digitalisierung unerlässlich ist und viele Chancen bietet, unsere Arbeit weiterzuentwickeln, mehr Menschen zu involvieren und zu informieren. Unser Podcast „Berlin zugehört!“ (telefonseelsorge-berlin.de/podcast) ist ein erster Schritt, über seelische Gesundheit zu informieren und mehr Menschen anzusprechen. Wir freuen uns darauf, in dieser Richtung weiterzuarbeiten.  

Der Podcast „Berlin zugehört!“ von der Telefonseelsorge Berlin informiert über seelische Gesundheit.

Christine Maslok, Telefonseelsorge Berlin e. V.

(aw)

Datum, 14 | 10 | 2021