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Plädoyer für die Kindergrundsicherung

Wie kann Hilfe für Kinder und Familien wirksamer ankommen? Ein Beitrag von Stephan Knorre, Deutscher Kinderschutzbund LV Berlin e.V.

Wie kann Hilfe für Kinder und Familien wirksamer ankommen? Ein Beitrag von Stephan Knorre, Deutscher Kinderschutzbund LV Berlin e.V.In Berlin lebt jedes dritte Kind in Armut; seine Familie erhält Transferleistungen, wie etwa Wohngeld oder Arbeitslosengeld II. Armut betrifft aber auch Familien, die nur wenige Euro über jener Grenze liegen, die Ihnen Anspruch auf Unterstützungsleistungen gewährt. Besonders stark trifft es alleinerziehende Eltern und Familien mit mehreren Kindern.

 

Was bedeutet Armut für Kinder und Familien?

 

Armut hat nachweislich viele Gesichter, aber in jedem Fall verheerende Auswirkungen für Kinder und ihre Familien. Studien belegen, dass Armut oft mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen einhergeht und soziale Teilhabe verhindert. Die finanzielle Situation entscheidet ebenfalls über die Bildungschancen von Kindern: Die Studie „Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche – Erkenntnisse aus empirischen Studien“ der Bertelsmann Stiftung zeigte, „dass Kinder aus sozioökonomisch belasteten Familien bei gleicher Schulleistung schlechtere Noten bekommen, als Kinder aus höher gestellten Familien“. Das Wissen um Armut weckt demnach Vorbehalte, nicht nur bei pädagogischen Fachkräften.

 

Genau aus diesem Grund ist Armut sehr eng mit Scham und Angst verbunden. Familien in so genannten sozialen Brennpunkten kämpfen ständig dagegen an, nicht als arm zu gelten. Sie ermöglichen ihren Kindern beispielsweise moderne Smartphones oder angesagte Kleidung, obwohl das Geld hierfür eigentlich nicht ausreicht.

 

In Institutionen, wie Kita, Schule oder Behörde, fehlt es oftmals an Wissen darüber, wie sich Armut auf Familien auswirkt. Dann werden beispielsweise teure Klassenfahrten geplant oder zusätzliche AGs angeboten, um den Kindern ein ganz besonderes Erlebnis zu bieten. Dass der zusätzliche Geldbeitrag von manchen Eltern schwer zu entrichten ist, gerät dabei oft aus dem Blick. Dabei ist Bildung ein Schlüsselfaktor, um dem Teufelskreis der Armut zu entfliehen.

 

Hilfe, die nicht ankommt

 

Instrumente, wie das Bildungs-und Teilhabepaket (kurz BuT), kommen bei zahlreichen Familien nicht an. In Berlin rufen nicht einmal die Hälfte der anspruchsberechtigten Kinder Unterstützungsleistungen für Sport, Freizeit und Bildung ab. Das Antragsverfahren ist mit viel Papierkram verbunden. Und auch Scham spielt hier wieder eine Rolle: Manchen Eltern ist es peinlich, beim Sportverein um den Stempel fürs Amt zu bitten.

 

Gleiche Chancen für alle Kinder

 

In Berlin dürfen sich Kinder seit Schuljahresbeginn über ein kostenfreies BVG-Ticket sowie Mittagessen in der Grundschule freuen. Das entlastet arme Familien sehr und ermöglicht ihren Kindern ein großes Stück sozialer Teilhabe – ohne sich als arm „outen“ zu müssen.

 

Um Kinderarmut und ihre Folgen effektiv bekämpfen zu können, muss das System auf den Kopf gestellt werden: Der Kinderschutzbund spricht sich daher für die so genannte Kindergrundsicherung aus. Im Kern des Konzeptes steht die automatische Auszahlung eines Geldbetrages anstatt einen Antrag stellen zu müssen. In einer einzigen Leistung sollen Kindergeld, Kinderzuschlag, BuT, Unterhaltsvorschuss und Kinderfreibeträge zusammengefasst werden.

 

Der Betrag, aktuell maximal 628 Euro monatlich, wird jährlich an das kindliche Existenzminimum angepasst und schmilzt mit steigendem Einkommen ab – so die Idee. Ein großer Vorteil: Finanzielle Direktzahlungen kommen bei den Kindern an und sind unbürokratisch.

 

Stephan Knorre, Deutscher Kinderschutzbund LV Berlin e.V.

 

Mehr Infos:

www.kinderschutzbund-berlin.de

Infos zum Bündnis Kindergrundsicherung finden Sie hier:

www.kinderarmut-hat-folgen.de

Mehr zum Thema Kinderarmut finden Sie im Armutsbericht 2019 des Paritätischen Gesamtverbands:

www.der-paritaetische.de/schwerpunkte/armutsbericht

Weitere Hintergründe zum Thema Armut in Berlin finden Sie im aktuellen Paritätischen Rundbrief des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Landesverbands Berlin:

Link zum Paritätischen Rundbrief des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Landesverbands Berlin.

 

(nd)

Datum, 12 | 12 | 2019