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Matthias-Vernaldi-Preis für selbstbestimmtes Leben verliehen

Birgit Stenger nahm Preis der Kaspar Hauser Stiftung entgegen

Die Kaspar Hauser Stiftung in Pankow Niederschönhausen verlieh erstmals den „Matthias-Vernaldi-Preis für selbstbestimmtes Leben“. Aus ganz Deutschland waren 16 hochkarätige Vorschläge eingegangen. Die Jury entschied sich für Birgit Stenger.

Am Freitag, dem 18. Juni 2021 nahm Frau Stenger den Preis im Rahmen des jährlichen Sommerfestes der Kaspar Hauser Stiftung in Empfang. Überreicht durch die Vorständin Birgit Monteiro, erhielt sie eine handgefertigte Urkunde, das Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro und ein kleines Kunstwerk, welches im Rahmen der Kunsttherapie von Menschen mit Assistenzbedarf geschaffen wurde.

Als enge Kampfgefährtin von Matthias Vernaldi bewies und beweist Frau Stenger immer wieder Ausdauer, Härte und Mut. Nach ihrer eigenen Aussage hatten Matthias Vernaldi und sie bei schwierigen Verhandlungen folgende Arbeitsteilung: Er war der gute, sie der böse Cop. Der Kampf für Inklusion ist auch ein Kampf um knappe Ressourcen. Birgit Stenger fordert konkrete Zusagen und den vollen Kanon der Menschenrechte für Menschen mit Behinderung. Dafür initiiert sie auch unkonventionelle Aktionen. So besetzten sie und ihre Mitstreiter*innen mit Isomatten, Decken und Transparenten den Platz vor dem Berliner Abgeordnetenhaus. Die TAZ nannte Birgit Stenger dabei die „leitende Aktivistin“.

Birgit Stenger betonte in ihrer Rede, dass sie sich für das nächste Jahr wünschen würde, dass der Preis an jemanden vergeben wird, der genauso selbstbestimmt die eigene Sexualität lebt, wie Matthias Vernaldi es getan hat. Sie sagte: „Für jeden Menschen ist es unerlässlich, am Leben der Gemeinschaft teilzuhaben, aber für jeden Menschen ist es auch unerlässlich, berührt zu werden und seine Sexualität frei und selbstbestimmt zu leben.“

Frau Stenger studierte Rechtswissenschaft und Soziale Arbeit, sie ist
Sozialarbeiterin, systemische Familienberaterin und Peer Counseler. Sie war die erste Arbeitgeberin in Berlin, die sich ihre persönliche Assistenz im Arbeitgeber-Modell organisierte. Birgit Stenger ist langjähriges Mitglied im Landesbehindertenbeirat und ein Vorbild für viele Menschen mit und ohne Behinderung.

Am 13.06.2021 richtete die Kaspar Hauser Stiftung bereits eine Gedenkfeier für Matthias Vernaldi aus, die pandemiebedingt digital stattfand und im Jahr 2022 vom ambulante Dienste e.V. in Präsenz nachgeholt werden soll. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde erstmals der Name der Preisträgerin bekannt gegeben.

Der „Matthias-Vernaldi-Preis“ erinnert an den faszinierenden Menschen und Aktivisten der Behindertenszene, an den Kämpfer für ein selbstbestimmtes Leben – Matthias Vernaldi, der am 09.03.2020 im Alter von 60 Jahren verstarb.

Der seinen Namen tragende Preis soll jährlich zu seinem Geburtstag verliehen werden.

Preis und Urkunde werden jedes Jahr neu hergestellt. Als Vorlage dient die Tarotkarte der Wagen / die 7, die Matthias Vernaldi viel bedeutet hat. Sie steht dafür, Altes zurückzulassen und den eigenen Weg zu finden, um das Leben zu meistern, Herausforderungen zu bestehen und Kräfte zu bündeln, die Fortschritt und Bewegung ermöglichen.

Nach folgenden Kriterien hat die Jury entschieden:

•    Die/ der Preisträger*in engagiert sich langjährig oder in besonders wirksamen Aktionen für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderung.
•    Das Engagement macht anderen Menschen Mut, eignet sich als Vorbild bzw. im Sinne von Best Practice.
•    Das Engagement ist besonders nachhaltig und/ oder besonders innovativ.
•    Das Engagement trägt zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention bei.

Die Preisjury bestand aus 10 Personen, zu denen als Vertreter der Familie, Lewin Vernaldi-Kimani, sowie der Pankower Bezirksbürgermeister, Sören Benn, gehörten. Außerdem freuten wir uns über die Mitwirkung von Vertreter*innen des Landesbeirates für Menschen mit Behinderung, des Stiftungsrates der Kaspar Hauser Stiftung, des Paritätischen Wohlfahrtverbandes, der LAG WfbM, der Arbeitsgemeinschaft für selbstbestimmtes Leben schwerstbehinderter Menschen e.V., des ambulante Dienste e.V. sowie des Werkstattrates der Kaspar Hauser Stiftung.

Hier können Sie die Pressemitteilung herunterladen.

Mehr Informationen zur Kaspar Hauser Stiftung erhalten Sie hier.

(aw)

Datum, 22 | 06 | 2021