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Kinder sind keine kleinen Erwachsenen

Fachtag „Pflegebedürftige Kinder – bestens versorgt?“

Foto: Ulrike Pohl

Am 1. Juli.2016 lud MenschenKind, die Fachstelle für die Versorgung chronisch kranker und pflegebedürftiger Kinder im Humanistischen Verband Deutschland, Landesverband Berlin-Brandenburg (HVD) zu ihrem ersten Fachtag „Pflegebedürftige Kinder – bestens versorgt?“ ein.
Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten dieser Einladung in die Katholischen Hochschule für Sozialwesen (KHSB) in Berlin-Karlshorst: betroffene Eltern, Selbstvertretungsorganisationen, Träger der Behindertenhilfe, das Kompetenzzentrum Pflegeunterstützung, Kinderbeauftragte aus Pflegestützpunkten, Vertreterinnen der SIBUZ – schulpsychologische und inklusionspädagogische Beratungs- und Unterstützungszentren, Dr. Christina Fuhrmann als Vertreterin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales sowie Marianne Burkert-Eulitz, Sprecherin für Kinder, Jugend und Familie der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus.
 
Bei der Versorgung von pflegebedürftigen Kindern sind eine Vielzahl von Akteuren, Fachstellen und Institutionen beteiligt, und jede Unterstützung erfolgt aus einer anderen Systemlogik der sozialen Gesetzgebung. Ausgehend davon, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, sollten die Spezifika in den Versorgungserfordernissen dargestellt werden und in Hinblick auf die Leistungsverortung in den unterschiedlichen Säulen des Sozialsicherungssystems diskutiert und dokumentiert werden.

Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Ralf-Bruno Zimmermann, Präsident der Katholischen Hochschule für Sozialwesen, und Martin Beck, Vorstand des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, wurden zur Einstimmung in den Tag Elterninterviews verlesen, die eindrucksvoll die Nöte der Eltern beschrieben – von der ersten Vermutung der Diagnose bis zum Alltag mit wechselnden Unterstützungsdiensten zuhause. Im anschließenden Vortrag ging Prof. Dr. Gabriele Kuhn-Zuber, KHSB, auf die Stellung pflegebedürftiger Kinder im geltenden Sozialleistungsrecht ein, die ca. drei Prozent aller Pflegebedürftigen ausmachen.

Am Vormittag gab es fünf verschiedene Workshops zu den Themen

  • Die Versorgung intensivpflichtiger Kinder
  • Pflegebedürftige Kinder in Kita und Schule
  • Berliner Strukturen der Unterstützung
  • Transition – Ein Wechsel auf verschiedenen Ebenen und
  • Haupt- und ehrenamtliche Angebotsvielfalt in Berlin

Dabei richtete sich der Fokus des Austausches gezielt auf Einzelaspekte, z. B. im Workshop „Transition“ auf den Wechsel von der Jugend- zur Erwachsenenmedizin auf den Ebenen Sozialmedizin, Sozialrecht und Teilhabe. Die hierfür geplanten zwei Stunden stellten sich am Ende als ziemlich knapp bemessen heraus. Am Nachmittag wurden die Ergebnisse der einzelnen Workshops den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorgestellt. Mit diesem Wissen wurden sie für eine Stunde in drei verschiedene „Denkfabriken“ entlassen.

Die Senats- und Verbandsvertreterinnen brachten sich aktiv in die Workshops und Denkfabriken ein. So gelang es, die verschiedenen Akteure zusammenzubringen, um gemeinsam Versorgungsengpässe zu benennen und praktikable, aber auch kreative Lösungen anzudenken. Angeregt wurden z. B. eine „Lange Nacht der Pflege“, eine Reise von politisch Verantwortlichen gemeinsam mit pflegebedürftigen Kindern, eine ambulante Beatmungssprechstunde, leichterer Zugang zu psychologischer Beratung und ein Starterpaket mit allen wichtigen Informationen, das z. B. bei Hebammen und in Stadtteilzentren ausliegt.

Die Aufwertung der Pflege in dem Bereich der chronisch kranken und pflegebedürftigen Kinder wurde von allen Teilnehmern als dringend notwendig herausgestellt – sei es durch Verbesserung der Arbeitsbedingungen, einer adäquaten und wertschätzenden Berufsanerkennung und auch eine besseren finanziellen Vergütung der Pflegekräfte.

Als die Teilnehmenden an diesem heißen Freitag gegen 16:00 Uhr ins Wochenende oder wieder zu den Kindern aufbrachen, waren zufriedene Gesichter zu sehen. Dieser Fachtag war augenscheinlich für alle ein gelungenes Ereignis, das neues Wissen vermittelte, den Austausch förderte und auch Hoffnung für die Arbeit mit chronisch kranken und pflegebedürftigen Kindern gab, selbst wenn diese heute noch nicht bestens versorgt sind.
Auch für Ulrike Pohl, Fachreferentin für Menschen mit Behinderungen, und Beate Mettin, Fachreferentin für Ambulante Pflege und Hospize im Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin e.V., war es ein intensiver, aufschlussreicher und gelungener Tag. Und das nicht nur, weil der Paritätische Wohlfahrtsverband mit einer finanziellen Unterstützung den Fachtag ein Stück weit möglich machte.

Zum Weiterlesen: menschenkind-berlin.de

Hier finden Sie die Präsentation „Transition – ein Wechsel auf verschiedenen Ebenen“ von Ulrike Pohl.




Datum, 06 | 07 | 2016