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Armut wirkt sich auf die berufliche Zukunft junger Menschen aus

Gangway e.V. erklärt, wie wir diesem Armustkreislauf entgegenwirken können.

Zukunftsängste ereilen seit der Coronapandemie und ihren Auswirkungen auf den Schulalltag immer mehr junge Menschen. Die Sorge ist groß, dass die Noten nicht reichen, um den gewünschten Studienplatz zu erhalten, dass Betriebe keine Auszubildenden einstellen, dass der Auslandsaufenthalt durch Grenzschließungen ausfällt. Kurzum: dass der Weg, den junge Menschen für sich selbst ausgesucht haben, durch die Pandemie und ihre Folgen langfristig versperrt bleibt.

Vielen jungen Menschen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, ist ebenjener Weg dagegen dauerhaft und pandemieunabhängig versperrt. Die Rede ist von Jugendlichen in Armut, die sich leider allzu oft im Kreislauf der Armut wiederfinden.

Die Ausgangslage sieht so aus: Häufig sind ganze Familien in Abhängigkeit von Transferleistungen oder in prekären Arbeitsverhältnissen gefangen, beispielsweise in Arbeitsverträgen auf geringer Stundenbasis, bei denen sich das Einkommen hauptsächlich aus Überstunden ergibt, die bei Krankheit oder Urlaub jedoch entfallen. Oder in Lohnarbeit, die kaum über dem Mindestlohn vergütet und zum Teil über ALG II aufgestockt werden muss. Stehen die Eltern in solchen Verhältnissen, führen dies in der Regel auch die Kinder fort.

Der Kreislauf von Armut kommt in Gang: Die Jugendlichen beenden oft früh die Schule teilweise mit erweiterter Berufsbildungsreife, teilweise auch ohne Schulabschluss. Zum einen zeigt sich in Gesprächen, dass sie diesbezüglich selten höhere Ansprüche haben, geschweige denn, sich mehr zutrauen würden. Zum anderen erfordern ihre Lebensumstände vielfach, dass sie früh anfangen, selbstständig Geld zu verdienen.

Gleichzeitig besteht ein starker Bedarf danach, auf eigenen Beinen zu stehen, um eine persönliche Grundversorgung zu gewährleisten und ein gewisses Maß an Unabhängigkeit zu erlangen. Aus diesem Grund nehmen wir in der Regel einen schnellen Wechsel von der Schule in die Ausbildung oder andere Jobs wahr. Zeit, um darüber nachzudenken: „Was will ich eigentlich? Was sind meine Ziele und meine Fähigkeiten?“ wird zum Luxusgut, welches sich die Jugendlichen kaum leisten können. Zu einer erfüllenden Tätigkeit, die Selbstverwirklichung und Spaß an der Arbeit bedeutet, führt dieser Weg eher selten.

Besonders perfide ist, dass nach neoliberaler Logik am Ende die Jugendlichen selbst und allein verantwortlich sind, was sie aus ihrem Leben machen. Gesellschaftliche Hürden wie klassistische Diskriminierung und Chancenungleichheit existieren in dieser Sichtweise nicht. Das Ergebnis dieser Denkweise, die von Jugendlichen leider oft adaptiert wird, ist ein subjektives Schuldempfinden zu „versagen“.

Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, braucht es Zeit, Geduld, Beziehungsarbeit und Vertrauen zu und in die jungen Menschen und ihre Potenziale. Mehr als zuvor ist zudem die Berliner Politik gefordert, den Wegfall von Ausbildungsplätzen zu vermeiden, die aufsuchende Beratung in der Jugendberufsagentur finanziell sicherzustellen und eine Welle von Schulabbrüchen zu verhindern –um damit schließlich die Jugendarbeitslosigkeit zu verringern und jungen Menschen den Weg aus dem Kreislauf der Armut zu ebenen.

Autorinnen und Autoren: Annabelle Brumm, Andreas Karrer, Lisa Michiels-Corsten, Katharina Westphal, Gangway e. V.

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(ik)

Datum, 23 | 06 | 2021