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Das „Victim Support System“ in Amsterdam – ein Modell für Berlin?

Diskussionsveranstaltung zum proaktiven Vorgehen im Opferschutz

Teilnehmer der Veranstaltung auf Stühlen sitzend

Foto der Veranstaltung: Das „Victim Support System“

Auf Einladung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin und des Opferhilfe Berlin e.V. fand am 26. November 2015 in der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz eine Veranstaltung mit Fachleuten aus den Bereichen Polizei, Justiz und Wissenschaft sowie aus zahlreichen Berliner Opferhilfeeinrichtungen statt. Diskutiert wurden dabei fach- und institutionenübergreifende Möglichkeiten der Umsetzung eines proaktiven Vorgehens im Opferschutz.

Sowohl Justizsenator Thomas Heilmann als auch der Opferbeauftragte des Landes Berlin, Roland Weber, richteten Grußworte an die Anwesenden. Beide wiesen darauf hin, dass sich die Situation von Opfern von Straftaten in den vergangenen Jahren verbessert habe, machten aber gleichzeitig auf die Komplexität des Themas aufmerksam. Diese erfordere nicht nur eine strukturierte Vorgehensweise, sondern auch die Einbeziehung von Polizei, Gerichten und Staatsanwaltschaft in die Entwicklung und Umsetzung neuer Ansätze im Opferschutz.

Die vertretenen Hilfe- und Beratungseinrichtungen stellten fest, dass ihre Angebote nicht alle Personen erreichen, die durch eine Straftat viktimisiert worden sind. Dies liege weniger daran, dass Informationen zu Hilfe- und Beratungseinrichtungen nicht verfügbar sind, als an dem Umstand, dass Betroffene nicht in der Lage sind, diese Möglichkeiten eigeninitiativ zu nutzen. Aus unterschiedlichen Gründen schaffen sie es nicht, nach ihrer Viktimisierung aktiv zu werden. Vor diesem Hintergrund überzeugt der in den Niederlanden praktizierte Ansatz der „proaktiven“ Opferhilfe: Die Kontaktierung von Straftatenopfern durch Hilfe- und Beratungsstellen, nachdem ihnen die entsprechenden Daten durch die Polizei übergeben worden sind.

Um aus den niederländischen Erfahrungen zu lernen, stand die Vorstellung dieses Modells im Mittelpunkt der Veranstaltung. Hier arbeiten Richter, Staatsanwälte, Polizei und Opferhilfeeinrichtungen bereits eng zusammen, um Opfer von Straftaten und Zeugen bestmöglich unterstützen und betreuen zu können. Neben der Einführung der proaktiven Kontaktaufnahme zu den Opfern und Zeugen wurde das „Victim’s Bureau“ eingerichtet, um die Arbeit aller beteiligten Institutionen besser koordinieren zu können.

David Niemeijer von der niederländischen Staatsanwaltschaft und ehemaliger Direktor des Victim’s Bureau Amsterdam konnte den Anwesenden sehr anschaulich die Vorteile dieser Vorgehensweise für alle Beteiligten erläutern. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Umsetzung ohne eine an gemeinsamen Zielen und Grundüberzeugungen ansetzende Kommunikation und Kooperation zwischen den Akteuren nicht möglich gewesen wäre.

Foto der VeranstaltungDass es ausgesprochen nützlich ist, sich mit im Ausland praktizierten Modellen und Ansätzen auseinanderzusetzen, wurde von den Teilnehmenden bestätigt. Dies führe zu neuen Ideen (Inspirationseffekt), man könne konkret nachvollziehen, wie eine Integration von neuen Elementen in das Gesamtsystem erreicht worden ist und welche Probleme ggf. aufgetreten sind (Lerneffekt) und man sehe sich darin bestätigt, dass Veränderung und Entwicklung möglich sind (Motivationseffekt).

Gleichwohl können erfolgreiche Ansätze aus anderen Ländern nicht ohne weiteres übernommen werden. Die Arbeit mit Straftatenopfern muss sich an den jeweiligen Rahmenbedingungen orientieren, die die rechtlichen Voraussetzungen, gewachsene Kooperationsbeziehungen, spezifische Förderstrukturen usw. abbilden. Insofern ist eine kritische Adaption von Ideen und Ansätzen gefragt.

Während des abschließenden Workshops wurde deutlich, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Instanzen optimiert werden müsse, um das Verständnis untereinander zu fördern und das Ineinandergreifen voranzutreiben. Um jeden Schritt des Prozesses erfolgreich absolvieren zu können, muss geklärt sein, wer verantwortlich ist und welche Ressourcen benötigt werden. Grundsätzlich wurde die Notwendigkeit von Qualitätsstandards angemerkt, um qualifizierte Hilfe gewährleisten zu können und insbesondere auch Kapazitätsgrenzen zu definieren.

Irina Meyer
Referentin für Straffälligen- und Opferhilfe des Paritätischen Berlin

Mehr Informationen zur Straffälligen- und Opferhilfe des Paritätischen Berlin finden Sie hier.

(vb)

Datum, 28 | 12 | 2015