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Bildungsübergänge ermöglichen und gestalten

Die Jugendberufshilfe verbessert die individuelle Lebenssituation von jungen Menschen und ihre Bildungschancen

Neues Wohnen im Kiez; Foto: Anja Wotzlaw

Die Zahl der Jugendlichen, die am Ende der allgemeinbildenden Schulzeit die Schule ohne Hauptschulabschluss oder Berufsreife verlässt, ist laut dem aktuellen Bildungsbericht 2018 gestiegen. Sie liegt bei rund 50.000 Jugendlichen (6 Prozent) bundesweit im Jahr. In Berlin liegt die Quote bei 9,7 Prozent. 

Zudem erreicht bundesweit mehr als jeder fünfte Jugendliche in der Jahrgangsstufe neun nicht die Mindeststandards in den Grundkompetenzen, wie Lesen, Schreiben oder Mathematik. Diesen jungen Menschen gelingt kaum ein unmittelbarer Übergang in eine berufliche Ausbildung. Darüber hinaus liegt die Arbeitslosigkeit der 15- bis unter 25-Jährigen in Berlin mit 8,1 Prozent weit über dem Bundesdurchschnitt (4,1 Prozent). Sie entsteht insbesondere aufgrund fehlender Übergänge in das Ausbildungssystem und nach dem Abschluss der beruflichen Ausbildung.

Fehlende Unterstützung 

Die Gründe für diese alarmierende Trendentwicklung sind sehr unterschiedlich und müssen nicht nur systembezogen mit Blick auf die Qualität des Schulwesens betrachtet werden, sondern insbesondere auch die individuellen sozialen Ausgangslagen und die Lebenswelten von jungen Menschen berücksichtigen. Viele von ihnen kommen aus Familien mit Risikolagen, zum Beispiel soziale oder finanzielle Problemlagen und/oder gering qualifizierte Elternhäuser. Sie haben familiäre Konflikte und es fehlen ihnen oftmals soziale Netzwerke. Auch gesundheitliche und psychischen Beeinträchtigungen,  Suchtproblematiken, Verschuldung, Delinquenz, Schuldistanz und -versagen sowie Antriebs- und Motivationslosigkeit zählen dazu. Sie können kaum Unterstützung für positive Lernentwicklung im Elternhaus bekommen. Der Zugang zu den Ressourcen des gesellschaftlichen Lebens bleibt ihnen unter Umständen versperrt und die notwendigen beruflichen Kompetenzen sind vielfach gering ausgeprägt.

Berufsorientierung, -vorbereitung und -ausbildung

Die Jugendberufshilfe nach Paragraph 13 Abs. 2 und 3 Sozialgesetzbuch (SGB) VIII bietet eine Perspektive für junge Menschen mit multiplen Problemlagen am Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf. Sie umfasst sozialpädagogische Angebote zur Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Berufsausbildung sowie sozialpädagogisch begleitete Wohnformen in Verbindung mit schulischen beziehungsweise beruflichen Bildungsmaßnahmen.

Unterstützung im Alltag

Neben den fachlichen Ausbildungsinhalten wird den jungen Menschen wichtige Unterstützung bei der Lebens- und Alltagsbewältigung ermöglicht, indem sie feste Ansprechpartnerinnen und -partner haben, die ihnen beispielsweise in Krisensituationen, in Gesundheitsfragen, bei Schuldistanz und in Fragen der Organisation von Kinderbetreuung, des Umzuges oder bei Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen den Rücken stärken und sie professionell begleiten. Zudem wird ihnen eine geeignete Tagesstruktur vermittelt, um im Leben Fuß fassen zu können. 

Unterstützende Lernatmosphäre

Die jungen Menschen lernen hier in kleinen Gruppen und haben eine unterstützende Lernatmosphäre. Es werden geeignete sozialpädagogisch begleitete Ausbildungs- und Beschäftigungsmaßnahmen angeboten, die den Fähigkeiten und dem Entwicklungsstand dieser jungen Menschen Rechnung tragen.

50 freie Träger der Jugendhilfe 

Rund 50 freie Träger der Jugendhilfe unter dem paritätischen Dach halten Angebote im Bereich Jugendberufshilfe vor und arbeiten eng mit der Jugendberufsagentur zusammen. Im Mittelpunkt der Jugendberufshilfe nach SGB VIII stehen vor allem die individuelle Lebenssituation und die soziale Integration junger Menschen. Das Angebot an Jugendberufshilfe nach § 13 Abs. 2 und 3 SGBVIII muss weiter gestärkt und ausgebaut werden, um auch den jungen Menschen ein Recht auf Bildung zu garantieren, die es aus unterschiedlichen Gründen bisher nicht verwirklichen konnten. Die paritätischen Mitgliedsorganisationen setzen sich dafür ein, dass die Jugendberufshilfe eine stärkere (fach)politische Gewichtung bekommen und ihre strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen mit Blick auf den Angebotsausbau und Personalschlüssel sowie die Berücksichtigung der Inklusion und steigenden therapeutischen Bedarfe deutlich verbessert wird.

Mancher benötigt zweite Chance

Die Lebens- und Bildungsverläufe sind heute durchaus sehr unterschiedlich. Fast jeder hat schon einmal Brüche in seiner Schul- oder Berufslaufbahn erlebt und mancher benötigt eine zweite Chance. Deshalb gilt es, auch diejenigen gezielt zu fördern, deren Zugang zur Bildung aus unterschiedlichen Gründen erschwert ist, wie etwa fehlender Schulabschluss oder fehlende Qualifizierung für den Arbeitsmarkt.

Text: Katja Rolletschek, Neues Wohnen im Kiez, und Anna Zagidullin, Referat Hilfen zur Erziehung/Familie

Zwei Beispiele für Jugendberufshilfe aus der Praxis finden Sie in unserem aktuellen Rundbrief.

(vb)

Datum, 14 | 02 | 2019