Kiezreporter der Schulstation von Aufwind e.V. - Foto: Stefanie Lehmann Unionhilfswerk - Kindergartengruppe - Foto: Christiane Weidner Eine Breakdanceshow - Foto: Eberhard Auriga Kletterwald - Foto: Nachbarschaftsheim Schöne

Arbeitskreis Straffälligen- und Opferhilfe goes Europe

Studienreise nach Belfast im Rahmen des EU-Bildungsprogramms Erasmus+

Die Paritätischen Mitgliedsorganisationen in den Bereichen der Straffälligen- und der Opferhilfe beraten und betreuen in Berlin besonders schutzbedürftige und marginalisierte Menschen. Um ihre Angebote weiterzuentwickeln, nutzten im Oktober 2017 insgesamt 14 Kolleginnen und Kollegen aus den Mitgliedsorganisationen die Gelegenheit, sich im Rahmen einer gemeinsamen Studienreise mit Fachleuten aus Nordirland auszutauschen. Ziel war es, aus bereits vorhandenen Modellen des effektiven Opferschutzes und aus erfolgreichen Strategien zur Resozialisierung straffällig gewordener Menschen zu lernen und diese auf eine mögliche Übertragbarkeit auf das Berliner System zu überprüfen.  

Professionelle Opferhilfe mit ehrenamtlicher Unterstützung
Trotz der offiziellen Beilegung des Nordirland-Konfliktes ist das Land noch immer von den jahrelang andauernden Unruhen gezeichnet: So verweist eine eigens eingesetzte Kommission in ihren Standards, die an Angebote für die Betroffenen anzulegen sind, unter anderem auf 3720 Todesfälle zwischen 1966 und 2006, 40.000 Verletzte und 213.000 Betroffene mit signifikanten psychischen Problemen infolge des Konflikts.

Dies ist wohl einer der Gründe, warum die Opferhilfe in Nordirland vergleichsweise gut ausgestattet ist. Die besuchte Organisation Victim Support Northern Ireland (Opferhilfe Nordirland) ist die in diesem Bereich größte unabhängige und gemeinnützige Organisation zur Unterstützung von Betroffenen von Straftaten. Derzeit sind etwa 60 haupt- und 150 ehrenamtliche Mitarbeitende dort beschäftigt. Neben einer Vielzahl von praktischen Unterstützungs- und Informationsangeboten liegt ein Schwerpunkt der Arbeit auf Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit, um auf die Situation und die Bedürfnisse der Opfer und Zeugen von Straftaten aufmerksam zu machen. Dass die Opferhilfe in Nordirland sowohl finanziell als auch personell wesentlich besser aufgestellt ist als in Berlin, beeindruckte sehr und bestärkte die Mitreisenden in ihren Bemühungen, die vorhandenen Angebote in Berlin weiter auszubauen. Hervorgehoben wurde zudem der gesetzlich verankerte „proaktive Ansatz“ in der Kontaktaufnahme zu Betroffenen. Während in Nordirland ca. 70 Prozent der Geschädigten erreicht werden, kommen in Berlin derzeit noch weniger als 10 Prozent im vorhandenen Unterstützungsnetzwerk an.

Aufeinander abgestimmte Angebote der stationären und ambulanten Straffälligenhilfe
Die Gefangenenrate in Nordirland liegt unter dem europäischen Durchschnittswert, überdies haben sich die Rückfallquoten in den vergangenen Jahren deutlich verringert. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Gründen, ganz sicher aber gehört ein gut funktionierendes Übergangsmanagement dazu. Grund genug für die Berliner Delegation, sich die Arbeitsweise eines der wichtigsten Protagonisten auf diesem Gebiet näher anzusehen.

NIACRO – The Northern Irland Association for the Care and Resettlement of Offenders (Nordirische Vereinigung zur Unterstützung und Resozialisierung von Straftätern) wurde bereits 1968 gegründet und hat seitdem zahlreiche Projekte für Inhaftierte und deren Angehörige ins Leben gerufen. Darüber hinaus engagiert sich NIACRO bis heute auf politischer Ebene, um die Bedingungen im nordirischen Justizvollzug zu verbessern. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit Arbeitgebern, um die arbeitsmarktlichen Reintegrationschancen von haftentlassenen Menschen zu erhöhen. Mit großem Interesse nahmen die Mitreisenden zur Kenntnis, dass der Fokus des Justizvollzugs, der Bewährungshilfe und der freien Straffälligenhilfe bei der Resozialisierung straffällig gewordener Menschen auf dem Gesamtsystem aus Angehörigen, Kindern und Community liegt. Auch die Betreuung innerhalb und außerhalb des Vollzugs sind weniger voneinander abgegrenzt.    

Ein Besuch der nicht weit von Belfast entfernt liegenden Haftanstalt „Hydebank Wood Young Offenders Centre and Prison“ ermöglichte es den Teilnehmenden außerdem, sich vor Ort ein Bild von den Haftbedingungen in einer JVA für jugendliche und weibliche Gefangene zu machen.   
„Alle Besuche waren wichtig und interessant, um ein Gesamtbild des Opfer- und Straffälligensystems von Nordirland zu bekommen“, mit diesen Worten fasste eine Teilnehmerin ihre Eindrücke zusammen. Die Ergebnisse der Reise werden derzeit sowohl in den vertretenen Mitgliedsorganisationen als auch in breiteren fachlichen Netzwerken präsentiert. Eine ausführliche Dokumentation wird Ende des Jahres erscheinen.  

Text: Irina Meyer 

Der Flyer "Organisations of victim and offender support" informiert in englischer Sprache über die Angebote der Mitglieder im Arbeitskreis Straffälligen- und Opferhilfe. Laden Sie ihn hier herunter.

 

Ansprechpartnerin:
Irina Meyer
Referat Straffälligen- und Opferhilfe
Tel. 030 86 001-188
meyer(at)paritaet-berlin.de

(Pe)

 

 

 

 

Datum, 22 | 11 | 2017