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84.000 Anrufe einsamer Senior*innen seit dem ersten Lockdown

Silbernetz ein Jahr bundesweit erreichbar

Seit einem Jahr ist Silbernetz deutschlandweit erreichbar: Das kostenfreie Hilfetelefon 0800 4 70 80 90 wurde seit 16. März 2020 über 84.000 Mal angerufen. Mit dem 1. Lockdown hat der Verein in einem Kraftakt das vormals auf Berlin beschränkte Angebot auf ganz Deutschland ausgeweitet. 18 feste Mitarbeiter*innen am Silbertelefon und 40 Freiwillige aus ganz Deutschland führten die Gespräche mit 7.800 verschiedenen Anrufer*innen. 195 Anrufer*innen fragten zwischen März 2020 und März 2021 eine Silbernetz-Freundschaft an, davon sind 105 vermittelt für wöchentliche persönliche Telefonate mit einer festen ehrenamtlichen Ansprechperson.
 
Die große Mehrheit der Anrufenden, gut 85 %, war über 60 Jahre alt und rund 83 % lebte allein. Etwas über die Hälfte der Anrufe kamen von Mobiltelefonen, die zweite Hälfte von Festnetzanschlüssen, die eine regionale Zuordnung ermöglichen: Die meisten Festnetz-Anrufe waren aus Berlin, aus Nordrhein-Westfalen und Bayern. Die wenigsten Anrufe kamen aus dem Saarland (46 Anrufe). Die Hauptanliegen der Anrufer*innen waren „einfach mal reden“ (rund 84 %), in rund der Hälfte der Gespräche ging es um Einsamkeit. Knapp 40 % der Anrufer*innen sprachen über Alltagssorgen, in den letzten Monaten vermehrt zum Thema Masken- und Impflogistik: Es ging um das Einlösen der Maskengutscheine von der Krankenkasse, die Frage, wann endlich eine Impf-Einladung eintrifft und Berichte über komplizierte Formulare und die schlechte telefonische Erreichbarkeit zur Vereinbarung der Impftermine. Bei über einem Drittel  der Gespräche waren Depression oder Ängste das zentrale Thema und mehr als jede*r Dritte der Anrufenden gaben eine positive Rückmeldung zum Gesprächsangebot (Mehrfachnennungen möglich).
 
„Es war ein Schicksalsjahr im Kampf gegen Einsamkeit, Corona hat Einsamkeit gesellschaftsfähig gemacht“, sagt Initiatorin Elke Schilling, „Viele Menschen hatten in den letzten zwölf Monaten erstmalig Einsamkeitsgefühle und können sie jetzt klar benennen. Einsamkeit ist zwar immer noch ein Tabu-Thema, die gewachsene Zahl männlicher Anrufer zeigt jedoch, dass es jetzt etwas weniger schambehaftet ist.“ Silbernetz-Leiterin Celeste Copes betont: „Einsamkeit muss oben auf der gesellschaftlichen Agenda bleiben, auch wenn die Aktiven in den nächsten Monaten in den Alltag zurückkehren können. Neben den Jüngeren haben wir auch 8 Millionen potentiell einsame Ältere in Deutschland und Einsamkeitsprävention ist Gesundheitsprävention.“

Mehr Informationen unter www.silbernetz.org.

Datum, 17 | 03 | 2021