Kiezreporter der Schulstation von Aufwind e.V. - Foto: Stefanie Lehmann Unionhilfswerk - Kindergartengruppe - Foto: Christiane Weidner Eine Breakdanceshow - Foto: Eberhard Auriga Kletterwald - Foto: Nachbarschaftsheim Schöne

40 Jahre Theater der Erfahrungen

Das andere Jubiläum – die Tanzschuhe waren geschnürt und der Sekt kaltgestellt: Der Auftakt des Jubiläumsjahres in der Ufa-Fabrik konnte starten. Doch es kam anders

Keine Geburtstagsparty im März, keine Ausstellungseröffnung „Rampenlicht statt Rückzug“ im April, keine Landkulturprojekt-Premiere in Brandenburg von der Gruppe „Gerswalder Spielmut“ im Mai, keine Spätzünder/Hospiz-Premiere „Ex und Hopps(s)“ im Juni und einiges mehr.
Theater der Erfahrungen nach 40 Jahren im Vorruhestand?
Nein! Stattdessen konzeptionelle Anpassungen in schwierigen Zeiten. Wie in vielen Bereichen weltweit sind die Wirkungen des Corona-Virus nicht schönzureden, die Lage ist schlimm. Heute, Anfang April 2020, ist es schwer einschätzbar, wie lange die Kontakteinschränkungen bestehen bleiben werden. In jedem Fall wird es für ältere und alte Menschen eher länger dauern, bis alle sich wieder unbeschwert um den Hals fallen können. Das bringt unser bisheriges Theater-Modell mit Gruppenarbeit, öffentlichen Veranstaltungen und niedrigschwelligen Einsteigerangeboten ins Schlingern, aber nicht zum Kentern. Wir wollen sozial-kulturelle, ehrenamtliche Arbeit von und mit älteren Menschen in verschiedenen Kooperationen oder intergenerativ anpassen, um diese schwierige Zeit gut zu überbrücken. Bei aller Einschränkung des ansonsten turbulenten analogen Theaterlebens kann ein Neudenken unserer Arbeit vielleicht sogar als eine Bereicherung in besseren Zeiten bestehen bleiben.

Das interne Projektleben

Wie in vielen anderen Projekten auch werden in rasantem Tempo interne Veränderungen vollzogen. Plötzlich sind Video-Konferenzen gar nicht mehr so schwierig und die digitale Welt erschließt sich schnell. Die wöchentliche Probenarbeit mit den Gruppen findet seit mehreren Wochen in Telefonkonferenzen statt und der Wille, sich kreativ auszudrücken, scheint ungebrochen. Wir baten um Texte, Gedichte, Lieder, Szenen, Erfahrungen, kleine Filmschnipsel und schon wurden die Griffel von Spandau bis Hohenschönhausen gespitzt. Die Ergebnisse werden digital oder analog veröffentlicht.

Von Videokonferenz bis Briefeschreiben

Ganz wichtig ist uns, das Netzwerk alter Talente – auch der nicht digitalen – aufrecht zu erhalten. So ist eine Briefaktion an den Start gegangen, in der alle Ehrenamtlichen pro Woche einen Brief an einen anderen Ehrenamtlichen schreiben und natürlich auch wöchentlich einen Brief bekommen.  Nicht alle kennen sich bisher untereinander, nach der Krise wird das ganz anders sein – fast schon ein positiver Aspekt!

Kontakte zu Hochschule und Kita

Ein Newsletter geht postalisch oder per Mail wöchentlich raus, damit alle wissen, was im Theater der Erfahrungen los ist. Das Büro ist täglich von ein bis zwei Mitarbeitenden besetzt, um Kontakte zu halten und zu ermöglichen. Zwei Mitarbeitende sorgen für regelmäßigen Telefonaustausch mit zur Vereinsamung tendierenden Teilnehmenden. Für das gesamtstädtische Netzwerk der Nachwuchs-Gruppierungen in den Berliner Stadtteilzentren sowie unserem Stadt-Landprojekt wird an ähnlichen Modellen gearbeitet. Die Kooperation mit der Alice Salomon Hochschule wird auf digitale Formate umgestellt – Studierende nehmen Kontakt zu Teilnehmenden auf und bereiten zu verschiedenen Themenfeldern Projekte vor, um den intergenerativen Bereich selbst in Kitas weiter zu entwickeln.

Außendarstellung und Projektpräsenz

Unsere Webseite ist unser derzeit wichtigstes Fenster in und für die Öffentlichkeit. Sie wird wöchentlich mit Texten, Impressionen, Fotos und Filmen der Spielerinnen und Spieler bestückt. Die Ehrenamtlichen schreiben ihren Veranstaltern und Gastgebern aus den vergangenen Jahren, um Kontakte zu halten.

Formate entwickeln, die auch später nutzbar sind

Digitale Materialien – Aufführungsmitschnitte, Making-ofs von Produktionen, CD mit Musical-Songs etc. – werden interessierten Veranstaltern wie etwa der Ufa-Fabrik zum Streamen zur Verfügung gestellt. Es wird versucht, Formate wie Podcasts, Video-Ausleihen oder telefonische Partnerschaften für Senioreneinrichtungen und Stadtteilzentren zu entwickeln, die auch in zurückgezogenen Zeiten leicht zu nutzen sind.

Weiterentwicklung und nachhaltige Formate

In Abstimmung mit wichtigen Partnerorganisationen – Verband für sozial-kulturelle Arbeit, Alice Salomon Hochschule, Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin, bezirklichen Einrichtungen der Seniorenarbeit – werden gesamtstädtische Modelle erörtert und entwickelt, wie die Arbeit mit Älteren in den nächsten Monaten sinnvoll umgesetzt und weiterentwickelt werden kann. Wir hoffen sehr, dass wir alle ehrenamtlichen Spielerinnen und Spieler gut mitnehmen können, ihre Präsenz in Telefonkonferenzen und per Post zeugt zumindest davon. Möglicherweise entstehen durch die digitalen Umstellungen und die Erprobung neuer kreativer Wege auch nachhaltige Formate für alle internen und externen Beteiligten.
Der 40. Geburtstag wird 2020 eher klein gekocht, doch dafür feiern wir den 41. Geburtstag in 2021 mit viel mehr Spaß – und hautnah!

Eva Bittner und Prof. Johanna Kaiser, Theater der Erfahrungen

Wissenswertes
Mehr über das Theater der Erfahrungen finden Sie auf der Webseite www.theater-der-erfahrungen.de

(rs)

Datum, 25 | 05 | 2020