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Krise als Chance

Kategorie: Aus dem Verband, Geschäftsstelle Bezirke, Rundbrief

Warum es wichtig ist, gerade jetzt Innovation, Wirkung und Digitalisierung gemeinsam zu gestalten

Beispielbild: Pixabay

Die Corona-Situation löst Wandel auf allen Ebenen aus. Haben wir eben noch gedacht, der Spuk ist bald vorbei, fragen wir uns vielleicht jetzt, wie viele Jahre es noch werden. Der Wandel kommt zunächst von außen. Gerade auch in der Sozialwirtschaft sind die Auswirkungen spürbar. Er betrifft uns alle. Wir haben es uns nicht ausgesucht, aber wir können mitbestimmen, wie wir in den sozialen Organisationen darauf reagieren – zumindest was das Miteinander angeht. Es kommt nun vermehrt auf Resilienz, kollaboratives Arbeiten und Vertrauen an. Neben vielen Schwierigkeiten und Herausforderungen können in diesem Wandel auch Chancen stecken.

Bewusstsein für den Wandel schaffen
Teams, Führungskräfte und Mitarbeitende benötigen gerade jetzt Zeiten der Reflektion. Denn ihr Arbeitsalltag verändert sich, das Tempo beschleunigt sich, Verantwortung und Unübersichtlichkeit steigen. Ein erster Schritt besteht darin, sich zu vergegenwärtigen, in was für einer Zeit wir stecken. Es geht darum, die Herausforderungen zu erkennen, vor denen wir stehen und gleichzeitig ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, an welchen Stellen Wachstum möglich ist. Ein weiterer Schritt besteht darin, Mitarbeitende darin zu bestärken, ihren eigenen Wirkungskreis zu erkennen.

Was können wir selbstständig entscheiden? In welchen Bereichen haben wir die Macht, den Wandel mitzugestalten? Wo sind Grenzen und Außenfaktoren, die wir nicht ändern können?

New Work und agile Führung unterstützen
Was wir ändern können, ist die Art, wie wir arbeiten und vor allem wie wir dabei miteinander umgehen. Dabei können uns Ideen aus New Work und agiler Führung unterstützen. Die Arbeit an einem gemeinsamen Verständnis der wichtigsten Werte im Team kann das Wir-Gefühl im Team stärken und helfen, ein Verständnis füreinander zu entwickeln. Svenja Hofert, Autorin von „Agiler Führen“, nennt hier Commitment, Feedback, Kommunikation, Fokus, Mut und Respekt als die Werte, die in einem Team maßgeblich sind.

An einem gemeinsamen Verständnis dieser Werte zu arbeiten lohnt sich schon deswegen, weil sie die Ressourcen stärken, auf die es derzeit ankommt. Wir brauchen alle Resilienz. Wir benötigen innere Klarheit und die Fähigkeit zu priorisieren. Aufgrund der räumlichen Distanzen, die durch mobiles Arbeiten, aber auch digitales Arbeiten hervorgerufen werden, brauchen wir mehr Vertrauen ineinander und mehr Transparenz über unsere Arbeitsprozesse.

Es gilt auszuhandeln, was diejenigen, die führen, brauchen und was diejenigen, die geführt werden brauchen. Denn es nutzt nichts, über Nacht auf Selbstorganisation zu setzen, wenn niemand geklärt hat, was das eigentlich genau heißt.

Innovativ denken, Lernkultur einführen und Strukturen anpassen
Den Fokus auf Innovation zu richten für die Weiterentwicklung von Arbeitsprozessen ist dienlich in Zeiten, die große Anpassungen und ein Umdenken erfordern. Innovativ sein kommt aber nicht über Nacht. Wir brauchen dazu eine Lernkultur, die Fehler möglich macht. Eine Lernkultur gestalten alle gemeinsam, nicht nur die Führung.

Die Krise kann auch genutzt werden, um strukturelle Änderungen anzugehen: Rollen und Zuständigkeiten anpassen, Entscheidungsprozesse überdenken, den Informationsfluss neu strukturieren und die digitale Tools einführen und nutzen. In der Krise und im Wandel entstehen neue Aufgaben. Hier gilt es in den Teams Ausschau zu halten nach Menschen, die diese neuen Aufgaben nicht nur übernehmen können, sondern auch übernehmen wollen. Wer kann eigentlich was gut? Das ist eine Frage, die wir stellen, um eigene vorhandene Ressourcen besser zu nutzen – das geht aber nur, wenn nicht alle schon an der Belastungsgrenze sind. Dann gilt es zu fragen: Was müssen wir wirklich machen und was können wir streichen?

Den Wandel gemeinsam gestalten 
Wenn wir die Krise nutzen, um den Wandel gemeinsam zu gestalten, kommt er nicht mehr von oben. Er kommt auch nicht mehr von unten oder von außen. Wir haben uns den Wandel in dem Fall zu Eigen gemacht. Das geht aber nur, wenn jede und jeder Einzelne sich für die aktive Mitarbeit entscheidet. Das geht nur, wenn jede und jeder Verantwortung übernimmt und dies nicht nur von der Führung erwartet. Es geht dann nicht mehr darum, wer was falsch macht, sondern wie wir es gemeinsam besser machen können.

Die Krise als Chance nutzen
Die Krise als Chance zu nutzen ist ein Prozess, an dem beide Seiten beteiligt sind: Führungskräfte und Mitarbeitende. Damit auch weiterhin ein gutes Ergebnis erbracht werden kann, damit Motivation vorherrscht und nicht Frust, brauchen Mitarbeitende und Führungskräfte Zeiten, ihre Akkus wieder aufzufüllen. Das können Unternehmen und Organisationen fördern. Warum sie das fördern sollten erklärt sich von selbst: Es ist ein Invest, der sich mehrfach auszahlen kann für die Mitarbeitenden und damit auch für die Zielgruppen, also die Menschen, für die wir soziale Organisationen gründen. Positive Umbrüche aus der Krise zu gestalten ist möglich. Es erfordert aber eine neue Art zu denken.

Im derzeitigen Wandel ist davon auszugehen, dass die Zeiten eher rauer werden, auch finanziell. Es wird noch wichtiger sein, die gemeinsamen Ziele, wie Wirkung, die wir anstreben, klar zu definieren und sich darauf zu fokussieren. Es wird außerdem immer wieder darum gehen, den Spielraum zu erkennen, den wir haben und ihn auszufüllen.

Anne Jeglinski, Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke, Innovation und Wirkung

(nd)

Datum, 10 | 12 | 2020