Kinder- und Jugendhilfetag 2014 - Foto: Christiane Weidner Jugendliche bei der Pädalogik gGmbH - Foto: Martin Thoma

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Sprache kann Leben retten

Die Organisation Triaphon baut ihre Dolmetsch-Hotline für Patientinnen und Patienten aus

Stellen Sie sich vor, Sie sind im Ausland und haben ein akutes medizinisches Problem. Sie gehen in die Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses, können sich dort jedoch weder mit den Pflegenden an der Anmeldung noch mit den Ärztinnen und Ärzten verständigen. Dieses Szenario erleben täglich Menschen in den Krankenhäusern unseres Landes und weltweit; meist sind Menschen mit Fluchthintergrund oder kurz zurückliegender Migration betroffen.

24/7-Dolmetsch-Hotline

Als junge Ärztinnen und Ärzte aus den Bereichen Kinderheilkunde und Allgemeinmedizin stehen wir täglich diesen Anforderungen gegenüber und haben entschlossen, aktiv zu werden. So haben wir als Non-Profit-Organisation eine computergesteuerte 24/7-Telefon-Dolmetsch-Hotline aufgebaut. Sie verbindet jederzeit und direkt mit unseren SprachmittlerInnen in Bereitschaft und ermöglicht so eine Behandlung auf Augenhöhe.

Service wird in Kliniken genutzt

Medizinische Versorgung auf Augenhöhe für jede Patientin und jeden Patienten in Deutschland – mit dieser Vision haben wir Triaphon ins Leben gerufen und wir freuen uns sehr, seit Oktober 2017 in bereits mehr als 1500 gedolmetschten Telefonaten ebenso vielen Patientinnen beziehungsweise Patienten geholfen zu haben. Nach der erfolgreichen Pilotphase in der Sana-Klinik Lichtenberg wird unser Service nun in vielen weiteren Kliniken genutzt und getestet, von Ärzten und dem Pflegepersonal. Ein Schwerpunkt liegt hierbei  in der Akutversorgung.

200 SprachmittlerInnen sind aktiv

Seit über einem Jahr ist Triaphon als telefonischer Dolmetschdienst dank des Einsatzes von nun mehr als 200 SprachmittlerInnen rund um die Uhr erreichbar. Die bilinguale Community wächst nicht nur stetig, auch der Austausch und das Lernen voneinander ist beachtlich. Neben Arabisch, Farsi/Dari, Russisch und Vietnamesisch haben sich mit Türkisch und Rumänisch 2018 bereits zwei neue Sprachen etabliert. Polnisch und Bulgarisch befinden sich als nächste Sprachen im Aufbau, weitere sind in Planung.
Die SprachmittlerInnen der Triaphon-Community bilden eine sehr heterogene Gruppe bezüglich des Alters, der eigenen Biographie und der aktuellen Lebenssituation. Um für eine hohe Dolmetschqualität zu sorgen, bauen wir ein Schulungssystem bestehend aus Workshops, Schulungen und Expertengesprächen für unsere SprachmittlerInnen, auf, das speziell auf medizinisches Dolmetschen via Telefon zugeschnitten ist. Außerdem schulen wir die Anwender und führen in jeder neuen Einrichtung kurze Schulungen für ärztliches und pflegendes Personal durch.

Zwei Preise gewonnen

Eine Bestätigung unserer Arbeit erfuhren wir durch einige Auszeichnungen und Preise: Triaphon erhielt ein Preisgeld in der Höhe von 30.000 Euro für den zweiten Platz des Deutschen Integrationspreises der Hertie-Stiftung.  Im November 2018 wurde Triaphon mit dem Leuchtturmpreis der Stiftung Ravensburger Verlag für ehrenamtliches Engagement prämiert.

Verbreitung des Services

Unsere Vision ist, dass unser Service in allen deutschen Akutkrankenhäusern und Arztpraxen zur Verfügung steht. Über eine Gebühr beteiligen sich die Kliniken und Praxen an den anfallenden Kosten, bis 2021 soll Triaphon selbsttragend sein. Wir sind schon einige Schritte auf diesem Weg gegangen, dennoch muss Triaphon noch weiter entwickelt und ausgebaut werden. Dafür sind wir in den kommenden Jahren auf Unterstützung angewiesen und wir freuen uns über Spenden in jeder Höhe, die uns die Fortführung des Projekts ermöglichen.

Mehr über die Non-Profit-Organisation und ihre Dolmetsch-Hotline finden Sie auf der Internetseite: www.triaphon.org
Den ZDF-Beitrag über das Projekt: bit.ly/2DMwmcL

Dr. med. Korbinian Fischer, Geschäftsführung Triaphon

(rs)

Datum, 29 | 04 | 2019