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Lesbenfeindliche Gewalt ist auch in der Pandemie ein Thema: Antigewaltprojekt L-Support veröffentlicht Fallzahlen von 2020

Pressemitteilung: 22.04.2021

Anlässlich des Tages der lesbischen Sichtbarkeit (26. April) veröffentlicht das lesbisch-queere Antigewalt-projekt L-Support Zahlen der Fallmeldungen aus dem Jahr 2020. Im vergangenen Jahr sind bei L-Support 39 Meldungen von lesbenfeindlicher Gewalt eingegangen. In 37 war ein lesbenfeindliches Motiv klar zu erkennen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Anzeigebereitschaft gestiegen.

In die Auswertung wurden 33 Fälle einbezogen. Ausgeschlossen wurden Meldungen, in denen nicht genügend Informationen vorlagen, sowie Meldungen von Fällen, die sich außerhalb Berlins ereignet haben. 23 Fälle geschahen im Jahr 2020 in Berlin. 10 Fälle haben sich in früheren Jahren in Berlin ereignet: 2019 (1), 2018 (5), 2017 (1), 2016 (1), 2015 (1) und 2011 (1). Im Vergleich zum Vorjahr zeigen die Meldungen einen Anstieg der Anzeigebereitschaft: Von den 33 Fällen mit Tatort Berlin wurden 11 angezeigt. Die Quote liegt bei 33,3% und hebt sich deutlich von 2019 (Anzeige bei 3 von 29 Fällen: 10,3%) ab.

„Viele lesbische, bisexuelle und queere Frauen entscheiden sich als Reaktion auf die Omnipräsenz von Belästigungen und Gewalt bewusst dazu, im öffentlichen Raum nicht als solche sichtbar zu sein, um sich vor Übergriffen zu schützen“, so Projektleiterin Sabine Beck. „Der Schutz vor Übergriffen und Gewalt sollte aber nicht Sache der Betroffenen sein. Lesbenfeindliche Gewalt muss als gesamtgesellschaftliches Problem anerkannt werden. Dazu muss an verschiedenen Punkten angesetzt werden: Es braucht bessere Sicherheitskonzepte für den öffentlichen Raum, und gleichzeitig muss geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in den Medien, in der Politik und in der Bildung stärker repräsentiert werden, um Vorurteilen entgegenzuwirken.“

Wegen der Covid-19-Pandemie musste das Projekt seine Öffentlichkeitsarbeit im vergangenen Jahr größtenteils auf die Social-Media-Kanäle verlegen. Infostände, an denen innerhalb der lesbisch-queeren Community für lesbenfeindliche Gewalt sensibilisiert wird, konnten nicht stattfinden. Der Verein L-Support geht davon aus, dass dies die Zahl der Fallmeldungen negativ beeinflusst hat. „Das Bewusstwerden, was Gewalt überhaupt ist, geschieht oft erst im persönlichen Gespräch. Wir machen häufig die Erfahrung, dass Gewalt bagatellisiert oder gar nicht als solche wahrgenommen wird. Viele Frauen sind es gewohnt, sexistisch und/oder lesbenfeindlich angegangen zu werden und nehmen abwertende Sprüche und Gesten oft als unerfreulichen Teil des Alltags wahr “, berichtet Sabine Beck.

L-Support wird von der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung gefördert. Das Projekt unterstützt Frauen, die homophobe Gewalt erlebt haben, mit persönlicher und telefonischer Beratung. Um homophobe Gewalt gegen Frauen sichtbar zu machen, nimmt L-Support Fallmeldungen über die Website und über die Hotline entgegen. Auch nicht binäre und trans Menschen können sich an L-Support wenden. Im Jahr 2020 sind bei L-Support insgesamt 39 Meldungen eingegangen. Das Projekt geht davon aus, dass dies nur ein kleiner Teil dessen ist, was tatsächlich geschieht. Fallmeldungen helfen dabei, homophobe Gewalt gegen Frauen statistisch sichtbar zu machen und das Thema verstärkt in gesellschaftliche und politische Debatten einzubringen.

Datum, 22 | 04 | 2021