Partner für soziale Arbeit

Aktuelles

  • Schlagwort Aus den Mitgliedsorganisationen
  • Organisation Wie werden Menschen mit HIV auf der Arbeit diskriminiert?
  • Art Meldungen
  • Veröffentlichungsdatum 26.06.2023

Ich bin dran! - Allyship-Kampagne der Deutschen Aidshilfe

Wie werden Menschen mit HIV auf der Arbeit diskriminiert?

Heike Drees ausgeschnitten auf Infobild. Text: Ich bin dran! Menschen mit HIV sind genauso leistungsfähig wie alle anderen auch.
Sharepic der Kampagne © Deutsche Aidshilfe

Menschen mit HIV haben heute bei rechtzeitiger Diagnose und Behandlung eine nahezu normale Lebenserwartung und können leben und arbeiten wie andere Menschen auch. Im Joballtag besteht kein Übertragungsrisiko, und im Schnitt sind Menschen mit HIV nicht öfter krankgeschrieben als andere Arbeitnehmer*innen. Dennoch erleben sie häufig Diskriminierung, werden mit Vorurteilen konfrontiert oder Kolleg*innen haben unnötige Berührungsängste. Hilfreich sind hier Vereinbarungen für ein diskriminierungsfreies Miteinander und gut verfügbare Informationen. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz schützt auch vor HIV-bezogener Diskriminierung.

Unsere Referentin für Suchthilfe/ Gesundheit/ HIV, Aids, Heike Drees, ist Ally der Deutschen Aidshilfe zum Thema Arbeit und hat ein tolles Interview zum Thema gegeben:

Heike, wo kommst du her?

Ich stamme aus einem kleinen Dorf bei Minden in Westfalen. Eigentlich wollte ich ja in die Großstadt, nach Münster oder Osnabrück, aber dann habe ich 1979 einen Studienplatz für Psychologie an der TU Berlin bekommen. Da hat sich mir eine ganz neue Welt erschlossen.

Du arbeitest beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin – was macht der eigentlich?

Wir sind für die Stadt Berlin ein wichtiger Vertragspartner für die soziale Arbeit und handeln mit der Verwaltung zum Beispiel die Mittelverteilung aus. Wir sind diejenigen, die Impulse setzen, die die Politik in die Pflicht nehmen und Forderungen stellen.

​Was genau sind deine Aufgaben?

Ich bin jetzt 35 Jahre dabei und mein Verantwortungsbereich ist organisch gewachsen. Zunächst habe ich mich um die Verbesserung der Mobilität für Menschen mit Behinderungen gekümmert. Dann ging die Mauer auf und mein Arbeitsgebiet hat sich immer weiter entfaltet. Ich bekam die Projekte hinzu, die sich um die großen Volkskrankheiten kümmern, dann die Themen Alkoholsucht und auch noch die illegalen Drogen. Um 2000 habe ich dann noch den Bereich Aids, STI und Hepatitiden übernommen.

Wie muss man sich das im Alltag vorstellen?

Meine Arbeit ist wahnsinnig vielfältig - ich bin Dienstleisterin, Beraterin, Lobbyistin, Verhandlerin, Entwicklerin, Moderatorin und Eventmanagerin.

​Was hast du denn heute noch so vor?

Ich muss gleich noch eine Veranstaltung mit dem Titel „Suchtarbeit goes Future“ auf den Weg bringen. Da möchte ich mit den jüngeren Mitarbeitenden in unseren Projekten diskutieren und ihre Blickwinkel kennenlernen. Am Nachmittag habe ich einen Termin in der Senatsverwaltung, wo eine neue Arbeitsgruppe an der Schnittstelle Suchthilfe und Psychiatrie gegründet wird. Danach will ich nochmal an die Bewertung der neuen Koalitionsvereinbarung für Berlin ran.

Wann hast du dich persönlich zum ersten Mal mit HIV/Aids auseinandergesetzt?

Ich kann mich gar nicht erinnern, dass das kein Thema war. Im Studium habe ich mich mit einem Kommilitonen angefreundet, der kurze Zeit später sein Coming-out hatte. Der reiste damals nach Brasilien. Es war klar, dass dabei auch Sex eine Rolle spielte, und ich kann mich noch daran erinnern, dass ich Angst hatte, dass er sich infiziert. Damals kamen die ersten Medikamente auf den Markt, die noch wahnsinnige Nebenwirkungen hatten.

Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit HIV und/oder
Suchtproblemen gibt es ja nach wie vor.

Das kann an jedem Ort, zu jeder Zeit und in jeder Situation passieren. Beim Thema HIV haben immer noch viele Menschen die Vorstellung, dass das ein Problem ist, dass die Betroffenen selbst verursacht haben. So als ob da eine charakterliche Schwäche im Spiel wäre.

Die Arbeitgeber*innen-Deklaration #PositivArbeiten setzt sich für einen diskriminierungsfreien Umgang mit HIV-positiven Menschen im Arbeitsleben ein. Du hast dich dafür stark gemacht, dass der Landesverband Berlin unterzeichnet hat. Wie kam es dazu?

Ich habe mal einen Workshop zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement gemacht und war erstaunt über die Unsicherheiten bei den Personalverantwortlichen. Ich hätte nie im Leben daran gedacht, dass es weiterhin einen solchen Bedarf an Information und Beratung und Aufklärung gibt. Denn wir haben ja theoretisch erstklassigen Zugang zu Information und Aufklärung und trotzdem gibt es jede Menge Fragen. Da dachte ich, da gehen wir als Paritätischer mal mit gutem Beispiel voran. Wir verbringen enorm viel Zeit am Arbeitsplatz und es ist nicht hinnehmbar, dass jemand Angst haben muss, dass die eigene Infektion bekannt werden könnte. Menschen mit HIV sind als Arbeitnehmer*innen genau so leistungsfähig wie alle anderen auch.

Was bedeutet es für dich, eine Ally zu sein?

Der Moment der Unterzeichnung in Hamburg hat sich großartig angefühlt. Ich war ganz beeindruckt von den Firmen, die dabei waren und dass der Paritätische nun Teil dieser tollen Kampagne ist. Mein nächster Schritt war dann, dafür zu sorgen, dass auch das Land Berlin als Arbeitgeber die Deklaration unterzeichnet. Es gibt nach wie vor noch viel zu tun.

Gibt es Momente, in denen du dir persönlich eine*n Ally für die eigenen Anliegen wünschst?

Da gibt es ein Thema, dass noch in der Zukunft liegt, aber langsam relevant wird – das Leben im Alter und Älterwerden. Was ist mit Altersdiskriminierung? Da könnte ich mir vorstellen, irgendwann mal einen oder eine Ally zu brauchen.

 

Das Interview mit Fotos und noch ganz viele weitere Infos zur Kampagne gibt es auf der Website der Deutschen Aidshilfe.

Aktuelles