Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Mehr Informationen

Mehr über die Geschichte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes findet sich unter http://www.zeitzeichen.paritaet.org

Literatur: 50 Jahre Parität – Die Geschichte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin e.V. von Gerlinde Hollweg, Martin Franke.

Zur Geschichte

Bei der Jubiläumsgala im Juni 2010 im TIPI am Kanzleramt schaut der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin auf 60 Jahre seines Wirkens zurück. Der Verband hat die soziale Entwicklung Berlins entscheidend beeinflusst.

1924 Vorläufer

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin steht in der Tradition der am 7. April 1924 entstandenen „Vereinigung der freien privaten gemeinnützigen Wohlfahrtseinrichtungen Deutschlands“, die sich 1934 unter Einfluss des Naziregimes auflöste. Der Verband wurde seinerzeit als 5. Wohlfahrtsverband gegründet, was sich lange Zeit in seinem früheren Logo mit der römischen Fünf ausdrückte (VWV).  

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1950 Gründung und Hilfe nach dem Krieg

Am 23. Mai 1950 gründet sich der Berliner Landesverband des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands im Hörsaal des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Kinderkrankenhauses.

Zu den Gründungsmitgliedern, die noch heute im Verband sind, gehören: Das Blindenhilfswerk Berlin, der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe, Landesverband Berlin-Brandenburg, das Nachbarschaftsheim Schöneberg, das Paulinenkrankenhaus und die Freie Demokratische Wohlfahrt.

Linderung der Not nach dem Krieg, Fürsorge, allmählicher Aufbau des Verbandes – die ersten zwei Jahrzehnte steht die fürsorgerische Arbeit für Bedürftige im Mittelpunkt.

Ein konsistentes ideologisches Selbstverständnis gibt es nicht – alle wurden aufgenommen, die woanders nicht passten…Paritätische wird anfangs als „sympathischer Liliputaner“ gesehen.

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1970 Fürsorge und Empowerment

Umbruch und Öffnung für neue soziale Bewegungen, von der Fürsorge zur Selbsthilfe und Selbstorganisation – in den siebziger und achtziger Jahren öffnet sich der Verband der Selbsthilfe und neuen emanzipatorischen Bewegungen. Unter dem Dach des Paritätischen trifft die „Irren-Offensive“ auf den Verband Deutscher Kriegsbeschädigter und die Eltern-Initiativ-Kita „Kämpfende Regenwurmbande“ auf den Arbeitersamariterbund.

Das Kommunikationszentrum für  Homosexuelle Männer und Frauen wird aufgenommen, nach großen internen Debatten über Fürsorge und Selbsthilfe. Der Verband wird zum Dolmetscher zwischen den etablierten Organisationen klassischer Sozialarbeit und den neuen selbsthilfeorientierten Vereinen. Heute existieren die vielen Facetten sozialen Engagements selbstverständlich nebeneinander. 

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1986 Kinder- und Schülerladenbewegung

Die Kinder- und Schülerladenbewegung findet  tatkräftige Unterstützung im Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin. Der Verband richtet die Gründungsberatung für Eltern-Initiativ-Kitas ein. 10 000 Plätze entstehen aus dieser Bewegung.

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1989 Vereinigung von Ost und West

Der Paritätische nimmt die Herausforderung an, im Ostteil der Stadt freie Träger aufzubauen und staatliche soziale Einrichtungen in gemeinnützige freie Trägerschaft zu überführen. Entstaatlichung und Stärkung der Zivilgesellschaft sind das Gebot der Stunde. Die Gründungsberatung für freie Träger und die Beratung zur Übernahme von staatlichen Einrichtungen entstehen - zentrale Aufgaben des Verbandes und seiner neu geschaffenen Regionalen Geschäftsstellen. Das Resultat: Allein im Jahr 1993 nimmt der Verband 77 Organisationen auf – vornehmlich aus dem Ostteil der Stadt!

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1993 Unternehmerisches Engagement des Verbandes im Gesundheits- und Sozialbereich

Der Verband übernimmt mit einer Tochtergesellschaft die Berliner Polikliniken und rettet sie vor der Abwicklung. Der Paritätische Unternehmensverbund wird aufgebaut, der viele Gesundheitseinrichtungen im Ostteil der Stadt und im Berliner Umland übernimmt und saniert.

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1994 Sparen und Gestalten, erster treuhänderischer Finanzierungsvertrag

Die soziale Vereinigung der Stadt und die Minderung finanzieller Bundeshilfen führen den Berliner Haushalt in ein dramatisches Defizit. Angesichts drastischer Sparmaßnahmen entwickelt der Paritätische Berlin als Federführer der Liga der freien Wohlfahrtspflege eigene Haushaltsstrategien unter dem Titel „Sparen und Gestalten“.  Januar 1994 geht der erste treuhänderische Fördervertrag für die gesamtstädtischen zuwendungsgeförderten Gesundheitsprojekte an den Start. Der Verband bietet Lösungsansätze für das Problem explodierender Aufgaben angesichts implodierender finanzieller Mittel und übernimmt Verantwortung für Einsparungen bei der Liga und den Projekten, um die Entschuldung Berlins zu unterstützen.

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1995 Enthospitalisierung der Psychiatrie

Durch den Aufbau gemeindenaher Versorgungsangebote durch die Psychiatrieträger unter Paritätischem Dach können 2000 chronisch psychisch Kranke die Kliniken verlassen. Dies bedeutet eine humanere und preiswerte Versorgung im Psychiatriebereich in Berlin, die bei einem späteren Stadtstaatenvergleich als fachlich und finanziell beispielhaft anerkannt wird.

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2001 Entstaatlichung der Kitas

2001 wird diese Forderung des Paritätischen erfüllt. 462 Kitas – die Hälfte aller staatlichen Einrichtungen – sind an freie Träger zu übertragen. Auch hier steht der Verband seinen Mitgliedern mit professioneller Beratung zur Seite. Der Verband hatte vorgerechnet, dass die freien Träger sparsamer und kostengünstiger wirtschaften als die städtischen. Dies beweist sich bis heute.  

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2005 Verkauf des Unternehmensverbundes und Gründung der Stiftung PARITÄT Berlin

Der Verband verkauft seine Mehrheitsanteile am Paritätischen Unternehmensverbund an die Sana Kliniken GmbH und Co KG, um weitere Investitionen zu ermöglichen.

Der Erlös aus dem Verkauf der Mehrheitsanteile des Unternehmensverbundes erlaubt die Gründung einer verbandseigenen Stiftung.

Mehr Infos zur Stiftung PARITÄT Berlin

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2007 Bürgerschule und Bildungskonzepte

Der Paritätische Berlin profiliert sich immer stärker im Bildungsbereich. Die Kooperation von Jugendhilfe und Schule gewinnt an Gewicht und wird mit einem Rahmenvertrag des Paritätischen mit dem Land Berlin untermauert. Der Verband ist maßgeblich beteiligt an der Ausarbeitung der  Bildungsprogramme für Kitas und Ganztagsschulen. 2007 geht der Verband mit dem Konzept der Bürgerschule an die Öffentlichkeit. Er ist treibender Akteur im Berliner Kitabündnis, das durch seine beharrlichen Aktionen entscheidende Qualitätsverbesserungen der Berliner Kitas durchsetzt. 

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2010 Stadtteilzentren berlinweit – Auslauf der treuhänderischen Finanzierungsverträge

Der Verband engagiert sich seit der Wende maßgeblich für die berlinweite Verortung von Stadtteilzentren. Sie entwickeln sich zum Rückgrat der Sozialversorgung und des Bürgerengagements in Berlin. Wichtige Gestaltungsinstrumente sind die treuhänderischen Stadtteilzentren-Verträge, die der Paritätische von 2001 bis incl. 2010 mit dem Land Berlin abgeschlossen hat und die durch einen Fördervertrag aus EFRE-Mitteln ergänzt werden.   
16 Jahre lang werden die gesamtstädtischen zuwendungsfinanzierten Gesundheits- und Sozialprojekte über treuhänderische Finanzierungsverträge gefördert,  die in der Fachwelt bundesweit als „Berliner Modell“ Beachtung finden. Zeitweilig gibt es treuhänderische Verträge in den Bereichen Soziales, Gesundheit, Stadtteilzentren und Justiz. Trotz massiver Kritik lässt das Land Berlin zum Ende 2010 die Verträge endgültig auslaufen, mit Ausnahme des Justizvertrags. 

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