Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Temperatur sinkt – Engagement steigt?!

Kategorie: Aus dem Verband, Wohnungslose, Wohnraumknappheit/Versorgung mit Wohnraum, Veranstaltung

Reger Austausch über das freiwillige Engagement in der Wohnungslosenhilfe

Podiumsteilnehmerinnen und Publikum

Praktikerinnen und Praktiker aus der Wohnungslosenhilfe haben sich mit Vertreterinnen und Vertretern von Politik, Verwaltung und Verbänden über das freiwillige Engagement in der Wohnungslosenhilfe ausgetauscht.
Die Fachveranstaltung, auf der unter anderem Sozialsenatorin Elke Breitenbach auf dem Podium mitdiskutierte, fand im Vorfeld der ersten Berliner „Nacht der Solidarität“ am 29. Januar statt. Im Fokus standen Fragen zu den Rahmenbedingungen, die freiwilliges Engagement in der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe braucht. Hintergrund dazu ist, dass sich an der Nacht der Solidarität über 3.700 Berlinerinnen und Berliner als freiwillig Engagierte beteiligen.

70 Gäste diskutierten mit
Gemeinsam mit Elke Breitenbach, Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Birgit Monteiro, Sozialstadträtin Lichtenberg, Barbara Eschen, Direktorin Diakonisches Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Prof. Dr. Ulrike Kostka, Diözesancaritasdirektorin / Vorstandsvorsitzende – Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V., Katrin Schwabow, Bereichsleitung Kostensatzprojekte beim Humanistischen Verband Deutschlands, Landesverband Berlin-Brandenburg KdöR und Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Berlin, haben sich etwa 70 interessierte Gäste, die Frage gestellt, wie das freiwillige Engagement in der Wohnungslosenhilfe gestärkt werden kann. Die Beteiligung war groß und einige Ideen wurden bereits formuliert.
Eingeladen hatten der Paritätische Wohlfahrtsverband LV Berlin e.V., der AWO Landesverband Berlin e.V., die Berliner Stadtmission, der Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V., das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und die Landesfreiwilligenagentur Berlin e.V.

Engagierte spielen zentrale Rolle  
Im Namen der Veranstalter begrüßte Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Berlin, die mehr als 70 Teilnehmenden und betonte die zentrale Rolle, die freiwillig Engagierte bei der Unterstützung von Menschen, die keine eigene Wohnung haben und auf der Straße leben müssen, einnehmen. Insbesondere zu dieser Jahreszeit werde deutlich, dass die Stärkung dieses Engagements ein wichtiges Anliegen sein müsse.
Daran knüpfte Prof. Dr. Hans-Joachim Schubert von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin in seinem Vortrag aus der Wissenschaft an. Er beschrieb verschiedene Typen der Motivation zum ehrenamtlichen Engagement: die sozial-emotionale, die individuell-nutzenorientierte, eine kulturell-authentische und die kommunikativ-politische Motivation.

Einzelaspekte in Workshops diskutiert
In fünf parallelen Workshop diskutierten die Teilnehmenden das Engagement in der Wohnungslosenhilfe aus verschiedenen Perspektiven: Grenzen und Selbstschutz im Engagement wahren, Ressourcen planen und einsetzen, Kompetenzen und Fachkenntnisse vermitteln, Freiwillige gewinnen und im Spannungsfeld Hauptamt/Ehrenamt navigieren. Die Ergebnisse der Workshops wurden im Anschluss vorgestellt und in die Podiumsdiskussion aufgenommen.

Zentrale Themen der Podiumsdiskussion waren:
-    Das Spannungsfeld zwischen Begleitung zur Hilfe zur Selbsthilfe und einem Hilfesystem, das Menschen in ihrer Situation belässt, muss beachtet werden.
-    Engagement kommt an seine Grenzen und Engagierte könnten überfordert werden, wenn sie nicht ausreichend durch Hauptamtliche unterstützt werden – auch in der Verarbeitung ihrer Erlebnisse im Engagement.
-    Das Hilfesystem muss an die Menschen angepasst werden. Es gilt nicht: Die Menschen müssen in das System passen.
-    Die Weiterentwicklung des gesamten Systems der Kältehilfe muss eine zentrale Rolle spielen, um wirklich den Istzustand zu verändern und adäquate Angebote zu machen.
-    Neben Engagement in Vereinen und Verbänden ist auch das selbstorganisierte Engagement von zentraler Bedeutung.

Es entstand der Vorschlag, das Thema Engagement in der Arbeit mit Wohnungs- und obdachlosen Menschen regelmäßig in den Austauschrunden der LIGA der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtsverbände Berlin mit der Senatsverwaltung zu verankern.

Derzeit erfährt das Thema Obdachlosigkeit in Berlin eine hohe soziale Aufmerksamkeit, auch mit erhöhtem freiwilligem Engagement. Das sollten wir gemeinsam nutzen und ausbauen. Hier können alle beteiligten Akteure gemeinsam Perspektiven für Engagierte eröffnen.

Niklas Alt und Anne Jeglinski, Geschäftsstelle Bezirke beim Paritätischen Berlin

(nd)

Datum, 30 | 01 | 2020