Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Mittelmeer – Tragik statt Urlaubsflair

Kategorie: Migration, Flüchtlingsarbeit, Migration, Mitglieder, Veranstaltung

„Mit Sicherheit gut ankommen“ – ein sozial-kulturelles Schiffsprojekt zu Flucht und Migration

Das ehemalige Schlepperboot Al-hadj Djumaa; Foto: Sebi Behrens/OUTLAW.dieStiftung

Urlaub, Sonne, Mittelmeer? Was wie eine Werbung für das Urlaubsparadies klingt, sind in Wirklichkeit zahlreiche sehr ernste und vor allen Dingen sehr traurige Geschichten: Im Mittelmeer vor der Küste Italiens gehört die Ankunft von Booten und Schiffen, überladen mit unzähligen Menschen, die auf der Flucht sind, mittlerweile zum Alltag. Die Überfahrt auf unterschiedlichen Routen ist immer lebensgefährlich und ein Ankommen ungewiss. Um sich mit diesen Tatsachen auseinanderzusetzen, führt Outlaw.die Stiftung gemeinsam mit seiner Tochter, der Outlaw gGmbH, und in Unterstützung mit über 120 Partnerorganisationen dieses einzigartige Projekt durch.

„Mit Sicherheit gut ankommen“ heißt es für 65 Tage auf einer Route durch 22 deutsche Städte. Unter diesem Motto fahren mehr als 70 Kupferfiguren des dänischen Künstlers Jens Galschiøt, auf zwei Schiffen entlang der deutschen Nordseeküste und kreuz und quer auf deutschen Binnenwasserstraßen von Bremen bis nach Berlin.

„Menschen aus den verschiedensten Ländern machen sich weiterhin als Flüchtlinge auf den gefährlichen Weg über das Meer, um in Europa Schutz und Sicherheit zu finden", sagt Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin und führt weiter aus: „Das Projekt 'Mit Sicherheit gut ankommen' sorgt dafür, dass die Not der Geflüchteten nicht an Aufmerksamkeit verliert – das ist wichtig, den die Herausforderungen sind weiter aktuell. Flüchtlingsinitiativen und Einrichtungen der Flüchtlingshilfe, Kunst- und Kulturschaffende sowie Politik und Verwaltung kommen bei den zahlreichen Veranstaltungen zusammen. Wir sind gerne als Förderer und Unterstützer des Projekts unserer Mitgliedsorganisation Outlaw mit an Bord."

Die Figuren und die Besatzung der Al-hadj Djumaa werden vom 29. September bis 1. Oktober 2017 im Treptower Hafen am Treptower Park festmachen – am Anleger „F" der Stern und Kreis Schifffahrt. Die Veranstaltung findet unter der Schirmherrschaft von Elke Breitenbach statt (Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales), begrüßen werden Andreas Germershausen (Beauftragter des Berliner Senats für Integration und Migration) und Oliver Igel (Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick). Rund um das Boot wird bei freiem Eintritt ein dreitägiges Rahmenprogramm geboten mit  Informationen, Gesprächen und Kultur. Das Projekt „Begrüßungsgeld. Eine Wanderausstellung über Flüchten und Ankommen. Im Container" von Hans Ferenz schlägt eine Brücke von der jüngsten deutschen Geschichte zu den heutigen Fluchtursachen. Ein weiteres Highlight dürfte auch „MENSCH, willkommen! on tour" sein, ein Projekt das an mehreren Standorten auf dieser bundesweiten Reise gezeigt wird in Kooperation mit GRIPS Werke e.V., GRIPS Theater, Jugendliche ohne Grenzen, BBZ Berlin, Flüchtlingsrat Berlin und B-umF. Zum Abschluss verabschiedet der Chor Die Weltberliner aus Alt-Treptow das Schiffs-Projekt in einem symbolischen Akt – Besucher*innen sind herzlich dazu eingeladen mitzusingen. Täglich ab 11:00 Uhr gibt es die Möglichkeit, das Schiff, die Skulpturen sowie die begleitenden Ausstellungen zu besichtigen. Das vollständige Programm ist im Internet zu finden.

„Mit Sicherheit gut ankommen“ will aufrütteln und mit Bürger*innen aber auch mit Berlin-Besucher*innen ins Gespräch kommen. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt: Wie organisiert unsere Gesellschaft das Ankommen der Menschen hier in unserem Land? Wie bringt sich jeder einzelne von uns bei dieser wichtigen Aufgabe ein? Warum sterben immer noch täglich Menschen im Mittelmeer und was können wir dagegen tun?

Zum Hintergrund:

Unter dem Motto „Mit Sicherheit gut ankommen“ startet am letzten Wochenende im Juli ein sozial-kulturelles Schiffsprojekt zu Flucht und Migration von OUTLAW.die Stiftung. Mit dabei sind mehr als 120 Kooperationspartner aus 7 Bundesländern aber auch aus den Niederlanden und aus Dänemark.

Den Kern des Projekts bildet die Reise von zwei Schiffen mit mehreren Stationen in Hafenstädten entlang der deutschen Nordseeküste und entlang deutscher Binnenwasserstraßen. Nach über 3.600 Kilometer zu Wasser und zu Land und fast 60 Schleusenfahrten wird das Ziel Berlin am nationalen Flüchtlingstag, dem 30. September 2017 erreicht sein. Auf der 65-tägigen Reise vom Starthafen Bremen werden insgesamt 25 Städte angelaufen, an 22 Stationen finden Aktionen statt.

Den ersten Teil der Reise bestreitet die hochseetaugliche MS Anton, ein Schiff der dänischen Vereinigung Levende Hav. Nach dem Auftakt in Bremen fährt die MS Anton entlang der deutschen Nordseeküste mit Stationen auf Norderney, in Borkum, Emden, Weener und Papenburg. Hier wird sie abgelöst von der Al-hadj Djumaa. Dieses Schiff kam im Sommer 2013 von Nordafrika nach Lampedusa. An Bord mehr als 280 Menschen aus Eritrea und Äthiopien. Aktuell wird das Schiff in Amsterdam von der Rederij Lampedusa betrieben. Die Al-hadj Djumaa fährt weiter über Lingen und Münster bis ins Ruhrgebiet mit den Stationen Gelsenkirchen, Oberhausen, Duisburg und Hamm. Danach geht es über Osnabrück, Celle, Hannover und Wolfsburg in Richtung Osten. Magdeburg, Halle, Dresden, Potsdam und Neuruppin heißen die weiteren Ziele, um dann am letzten Wochenende im September Berlin zu erreichen.

Auf den Schiffen befinden sich während des Projekts „Mit Sicherheit gut ankommen“ mehr als 80 Kupferfiguren des dänischen Künstlers Jens Galschiøt. Zu sehen sind Männer und Frauen aller Altersgruppen mit Gesichtszügen aus vier ethnischen Herkunftsregionen: Asien, Afrika, Südamerika und Europa.

Ziel dieses sozial-kulturellen Schiffsprojektes ist es, mit einem „Hingucker“ und den begleitenden Veranstaltungen und Aktionen entlang der Route Gelegenheiten zu bieten, sich mit dem Thema Flucht und Migration auf eine andere Weise als gewohnt auseinander zu setzen. Hilfsprojekte, Flüchtlingsinitiativen und Einrichtungen der Flüchtlingshilfe können sich der Öffentlichkeit präsentieren und rund um die Thematik zur Diskussion einladen. Das trägt zur Transparenz der Flüchtlingsarbeit und ihrer Ziele vor Ort bei.

Als Grundlage im Gesamtprojekt dient die Norderneyer Erklärung. Hier werden Kernpositionen zum Thema Flucht und Migration formuliert, die sowohl grundsätzlicher Natur sind als sich auch insbesondere auf die Rolle der Kinder- und Jugendhilfe beziehen. Durch dieses Projekt wird auf die Situation der Flüchtenden vor, während und nach der Flucht aufmerksam gemacht. Hier soll der Fokus auf die Schwächeren, d.h. auf die Kinder, die Jugendlichen, die Frauen und auf die jungen Familien gerichtet werden.

Aktuelle Informationen zum Projekt, insbesondere mit dem genauen Törnplan gibt es auf facebook, im Blog www.msgan.de, unter www.mit-sicherheit-gut-ankommen.de und unter www.outlaw-diestiftung.de.


(Pe)

Datum, 22 | 09 | 2017