Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Ziele bewusst machen und angehen

Der Paritätische Berlin und Phineo zeigen, wie wirkungsorientierte Führung aussieht

Eigene Ziele definieren für wirkungsvolle Führungsarbeit; Foto: Pixabay

Was macht wirkungsorientierte Führung aus? Woran erkennen wir sie? Wie können wir sie motivierend für Mitarbeitende einführen? Und wie stellen wir sicher, dass das Thema Wirkung auf der Führungsebene unserer Organisation verankert wird? Mit diesen Fragen startete das Team der Tandem BTL im Jahr 2014 in das Pilotprojekt Wirkungsorientierung. Die Organisation im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe war gerade dabei, die Zusammenarbeit und Kommunikation mit ihren Mitarbeitern grundlegend zu verändern – eine Umstrukturierung, die auch einen Wandel der Führungskultur erforderte. Die Mitarbeiter sollten aktiv mitgestalten.

Unterschiedliche Führungsstile wirken willkürlich
Das Pilotprojekt brachte der Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin in Kooperation mit der gemeinnützigen Phineo AG auf den Weg. Der Gedanke dahinter: Sich bewusst mit den eigenen Zielen auseinanderzusetzen hilft gemeinnützigen Organisationen, die Wirkung ihrer Arbeit in den Blick zu nehmen. Ausgewählte Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin aus den Bereichen Hilfen zur Erziehung, Suchthilfe, Gesundheit, HIV und Aids schulten wir über die Projektlaufzeit hinweg in mehreren Workshops. Parallel setzten die Teilnehmer konkrete Vorhaben in den eigenen Organisationen um, bei denen sie intensiv von den Projektverantwortlichen bei Phineo begleitet wurden. Auch der kollegiale Austausch und die gegenseitige Beratung in Workshops waren eine wichtige Unterstützung. Parallel bezogen wir die Ebene der Geschäftsführung in Wirkungsdialogen ein.

Bei der Tandem BTL sah sich das Leitungsteam zu Beginn des Projekts vor einem echten Spagat: Einerseits sollten die Mitarbeiter eigenverantwortlich handeln und mit ihren Vorgesetzten hauptsächlich über E-Mail und Telefon kommunizieren. Andererseits sollte die Leitungsebene präsent und ansprechbar sein. Bis dato gab es keine gemeinsamen Standards für die Kommunikation in der sehr heterogenen Gruppe von rund 80 Mitarbeitern und dem vierköpfigen Leitungsteam mit unterschiedlichen Haltungen und Persönlichkeiten. So gab es Leitungskräfte, die sich stärker als andere nach den Wünschen der Mitarbeitenden richteten, um Konflikte zu vermeiden. Die teilweise unklaren Strukturen führen dazu, dass der Eindruck von Willkür entstand und sich einzelne Personen ungerecht behandelt fühlten.
Im Rahmen des Projekts Wirkungsorientierung wurden nun gemeinsam mit dem Leitungsteam unterschiedliche Führungsstile reflektiert – Zielgruppe waren die pädagogischen Mitarbeiter.

Eigenverantwortung gefördert
Bei der Definition von Zielen und Teilzielen der Führungsarbeit kam die sogenannte Wirkungstreppe ins Spiel. Dieses Instrument von Phineo hilft, alle Ebenen auf dem Weg zur eigenen Wirkung mitzudenken. Die Anwendung der Wirkungstreppe auf das Thema Führung ermöglichte es, Ziele zu entwickeln, die vom ganzen Team getragen werden konnten. Zentral war dabei, dass es für jedes Ziel auch klar definierte Indikatoren gab, an denen das Leitungsteam sein Handeln überprüfen und reflektieren konnte. Für Tandem BTL bestand ein Ziel darin, mögliche Konflikte mit den Mitarbeitenden zu reduzieren, beispielsweise Fristversäumnisse im Berichtswesen, fehlende Krankmeldungen oder auch Nichteinhaltung fachlicher Standards in den Hilfen. Um das zu erreichen, hielten die Verantwortlichen  die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an, ihre Aufgaben eigenverantwortlich zu erfüllen. Als Indikator diente hier die Anzahl der Mitarbeitergespräche wegen Fehlverhaltens. Diese konnten das Projekt innerhalb eines Jahres tatsächlich deutlich senken.

Die gegenseitige Reflexion und das Feedback der Mitarbeitenden halfen dabei, Fehler zu erkennen und, wenn nötig, einen Schritt zurückzutreten oder andere Wege einzuschlagen. Mittlerweile hat der Träger einen ersten Fachtag für alle pädagogischen Fachkräfte durchgeführt und richtet seine fachlichen Prozesse wirkungsorientiert aus. Mit dem Modell der wirkungsorientierten Führung hat die Tandem BTL eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen, dass die gesamte Organisation besser zusammenwirken kann.

Die Autorinnen
Dr. Gabriele Schlimper ist Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands LV Berlin
schlimper@paritaet-berlin.de

Claudia Freistühler ist Bereichsleiterin Ambulante Hilfen bei Tandem BTL
c.freistuehler@tandembtl.de

Der Beitrag ist ursprünglich erschienen in „Wohlfahrt intern“ 5/2018 zum Schwerpunkt „Führung“. www.wohlfahrtintern.de

(Pe)

Datum, 08 | 05 | 2018