Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Wie geht es Kindern und Jugendlichen in stationären Einrichtungen?

Erste Ergebnisse der Studie „Bildung in der stationären Erziehungshilfe“ sind da!

Digitales Lernen in der Corona-Zeit; Foto: Unsplash

Nachdem der Erhebungszeitraum im Januar 2021 abgeschlossen werden konnte, liegen nun erste Ergebnisse der Studie „Bildung in der stationären Erziehungshilfe vor“. Demnach sind Kinder und Jugendliche, die in stationären Einrichtungen untergebracht sind, besonders stark von schulischen Übergangshürden betroffen.

Zum Zeitpunkt der Befragung besuchten nur 8% der befragten Siebt- und Achtklässler das Gymnasium. Laut Schulstatistik besuchen in dieser Altersklasse 45% der Kinder/Jugendlichen das Gymnasium. Dieser Unterschied ist jedoch ab der Sekundarstufe II nicht mehr zu beobachten: Zum Zeitpunkt der Befragung besuchten 60% der Elftklässler ein Gymnasium; laut Schulstatistik sind des bundesweit durchschnittlich 61%.

Weitere interessante Ergebnisse der Studie betreffen die Zeit des Homeschooling: So war der Einsatz digitaler Medien im Rahmen des Schulbesuchs für die Hälfte der untergebrachten Kinder/Jugendlichen bereits vor Corona an der Tagesordnung. Im Vergleich mit einer Studie des Ifo-Instituts sagen nur 34%, dass die Schulschließungen eine große psychische Belastung darstellten (in Ifo-Studie 39 %). Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Erziehungshilfe haben möglicherweise durch den zusätzlichen Personaleinsatz vieler diakonischer und Paritätischer Träger in Berlin profitiert. Schließlich sind bei der Hälfte der Träger durch die Homeschoolingzeit Überstunden entstanden.

Durch die Studie wird nicht zuletzt das große Engagement von Einrichtungen in Bezug auf informelles Lernen und außerschulische Bildungsgelegenheiten deutlich. So sind gut drei Viertel der untergebrachten Kinder/Jugendlichen in außerschulischen Aktivitäten wie Sportvereinen oder Jugendverbänden eingebunden. Auch innerhalb der stationären Einrichtungen gibt es vielfältige Lerngelegenheiten, in denen wichtige Lebenskompetenzen erworben werden, wie z.B. in demokratischen Vertretungsgremien, aber auch durch die Vermittlung hauswirtschaftlicher Fertigkeiten durch regelmäßiges gemeinsames Kochen.

Die Studie wurde gemeinsam vom Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz e.V. (DWBO), der Paritätischen Akademie Berlin (Paritätisches Jugendhilfeforum) und dem Institut für Innovation und Beratung an der Ev. Hochschule Berlin (INIB) geplant und durchgeführt. Sie nimmt die Bildungssituation von in Berlin stationär untergebrachten Kindern/Jugendlichen in den Bick. Aktuell werden zwei kleinere Teilstudien durchgeführt. Mit einer Abschlusspublikation zu den Ergebnissen aller drei Teile ist im Sommer 2022 zu rechnen.

Ein wichtiges Verdienst der Studie ist es, die Bildungssituation von stationär untergebrachten Kindern/Jugendlichen im Vergleich zur Schulstatistik abzubilden. Über die schulische Situation von jungen Menschen in stationären Hilfen zur Erziehung ist in Deutschland nämlich aktuell wenig bekannt: Seit der Einführung des Gesetzes zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe (KICK) im Jahr 2007 wird die besuchte Schulform von jungen Menschen in Erziehungseinrichtungen nicht mehr durch die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik erfasst. Hier kann die Studie für Berlin neue Erkenntnisse liefern.

(Pe)

Datum, 01 | 06 | 2021