Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Vernetzungstreffen in der freien Straffälligenhilfe

Träger haben Übergangsmanagement und die Rolle der freien Straffälligenhilfe am 20. September diskutiert

Vernetzungstreffen, Foto: Irina Meyer

Vernetzungstreffen, Foto: Irina Meyer

Anknüpfend an das erste Vernetzungstreffen der Berliner Träger der freien Straffälligenhilfe im September 2018 haben die Berliner Landesverbände des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und der Arbeiterwohlfahrt in diesem Jahr erneut eine gemeinsame Veranstaltung organisiert.

Während des Treffens im letzten Jahr wurde sehr deutlich, dass weiterhin Handlungsbedarf in Hinblick auf das Übergangsmanagement im Berliner Justizvollzug besteht. An Hand des ausgewählten Themas Gesundheit hatten die Teilnehmenden verschiedene Problematiken identifiziert, die die Resozialisierung straffällig gewordener Menschen nach ihrer Entlassung aus der Haft noch immer deutlich erschweren. Insbesondere wurde die Notwendigkeit der Vernetzung im Sinne einer ressortübergreifenden Zusammenarbeit formuliert. Gleichzeitig wurde seitens der Teilnehmenden der Wunsch nach einer Fortführung des Austauschs und der Vernetzung zum Ausdruck gebracht.

Diesen Wunsch aufgreifend haben im zurückliegenden Jahr Kolleginnen und Kollegen aus insgesamt 12 Organisationen während mehrerer Folgetreffen gemeinsam die zweite große Vernetzungsveranstaltung der Träger der freien Straffälligenhilfe vorbereitet, und sich hierfür über gemeinsame Themen und passende Formate für den Austausch verständigt.    

Für die diesjährige Veranstaltung wurde das Thema Übergangsmanagement abermals in den Mittelpunkt gestellt, um gemeinsam mit den vertretenen Trägern der freien Straffälligenhilfe den aktuellen Handlungsbedarf in Berlin zusammenzufassen und konkrete Lösungsvorschläge zu entwickeln. Zu dem Treffen wurden Praktikerinnen und Praktiker aus anderen Bundesländern und aus Berlin eingeladen, um über ihre Erfahrungen im Hinblick auf die Gestaltung des Übergangs zwischen Haft und Freiheit zu berichten und  Modelle der guten Praxis vorzustellen.

Dr. Eduard Matt ist beim Senator für Justiz und Verfassung Bremen unter anderem für die Organisation und Umsetzung des Projekts “Wiedereingliederungsnetz Straffälliger – WieNeT“ zuständig. Er erläuterte in seinem Vortrag die verschiedenen Dimensionen des Übergangsmanagements, die von der (Einzel-)Fallebene über die organisatorische Ebene bis hin zur gesellschaftlichen Ebene reichen. Die Bremer Erfahrungen im Hinblick auf die Umsetzung des Übergangsmanagements auf allen drei Ebenen machten deutlich, dass die erfolgreiche Wiedereingliederung straffällig gewordener Menschen nur auf der Basis ressortübergreifender Netzwerke gelingen kann, für die Verbündete aus den Bereichen Politik, Verwaltung, Justizvollzug und freier Träger benötigt werden. Nicht minder deutlich wurde, dass insbesondere auf der strukturellen Ebene für die Umsetzung viel Geduld und ein sehr langer Atem erforderlich sind.  

Kai Abraham stellte als Vertreter der Berliner Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung die Standards der Sozialen Arbeit im Justizvollzug und Schnittstellen mit den freien Trägern der Straffälligenhilfe im Hinblick auf die Umsetzung vor. Die Zuständigkeit für die Entlassungsvorbereitung liegt bei der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung (Umsetzung politischer Vorgaben, Fachaufsicht, Schaffung von Grundstrukturen, Vorgabe von fachlichen Standards, Kooperationsvereinbarungen…), bei den Justizvollzugsanstalten (Übertragung der Aufgaben zur individuellen Entlassungsvorbereitung auf Mitarbeitende des Sozialdienstes) und bei den Freien Trägern (Unterstützung der Gefangenen in der Entlassungsvorbereitung im Rahmen zuwendungsfinanzierter Projekte/Angebote).

Das Beratungszentrum in der Jugendstrafanstalt Berlin besteht seit dem Jahr 2012 und versteht sich als Schnittstelle zwischen vollzugsinternen und –externen Akteurinnen und Akteuren im Rahmen des vollzuglichen Übergangsmanagements. Die Leiterin des Beratungszentrums Silke Postler beschrieb die Strukturen der Zusammenarbeit zwischen den Kooperationspartnern und die Vorteile der Bündelung von Angeboten unter einem Dach, die eine strukturiertere Vorbereitung der Entlassung ermögliche. Mathias Gutjahr (Gangway e.V.) stellte das im Beratungszentrum angesiedelte Angebot der Übergangsbegleitung des Projektes Startpunkt vor, und Ergün Durkut und Tilman Rexilius (Zukunftsbau GmbH) präsentierten das ebenfalls dort verankerte Angebot Netz-Coach Berlin. Es wurde deutlich, dass die hier versammelten Angebote gut genutzt werden, und dass die Konstellation des Beratungszentrums eine gute Kooperation zwischen den hier vertretenen Einrichtungen ermöglicht. Zu den Kooperationspartnern der JSA und der Träger Gangway und Zukunftsbau zählen neben der Agentur für Arbeit Angebote der Rechts-und Schuldnerberatung und viele mehr.

Der Nachmittag der Veranstaltung war durch die Arbeit in Gruppen bestimmt. Mit Unterstützung des Moderators und mithilfe der Methode des Graphic Recordung wurden den übergangsrelevanten Themenbereichen die einzubeziehenden Akteure zugeordnet und Ideen für die Weiterarbeit entwickelt.

Im Einzelnen handelte es sich hierbei um die folgenden Themenfelder: 
•    Finanzen und Schulden z.B. Kontoeröffnung, Einkommen und Sicherung des Lebensunterhalts, Verträge ruhend stellen
•    Bildung/ Berufswegeplanung/ Arbeitsmarktanbindung
•    Basisanforderungen, z.B. Beantragung Identitätsnachweis
•    Wohnen, z.B. Wohnungserhalt, Wohnraumabwicklung, Wohnraumsuche, Vermittlung in Betreute Wohnformen oder Pensionen
•    Sucht, z.B. Beratung, Vermittlung in Drogentherapie
•    Gesundheit, z.B. Krankenkassenab- und -anmeldung,  Einleitung von Gutachten, Vermittlung an Fachstellen
•    Migration/Ausländerrechtliche und migrationsspezifische Themen
•    Familie und soziales Netzwerk
•    Teilhabe, z.B. Tagestreffs, Selbsthilfegruppen, kulturelle Angebote, Ehrenamt

Die Veranstaltung wurde mit der Vereinbarung beendet, im Rahmen weiterer Folgetreffen im kleineren Rahmen die zu den einzelnen Themenbereichen erarbeiteten Empfehlungen zu konkretisieren und sich über die folgenden Schritte zur Umsetzung abzustimmen. Das nächste größere Treffen der Berliner Träger der freien Straffälligenhilfe soll im Herbst des kommenden Jahres stattfinden. 

Hier der Link zur Grafik "Übergangsmanagement" (Illustration: Dominique Kleiner).

(aw)

Datum, 04 | 10 | 2019