Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Stellungnahme des Berliner Kita-Bündnisses zur Kita-Notbetreuung

Kategorie: Aus dem Verband, Stellungnahmen, Kindertagesstätten

In der derzeitigen Diskussion um die schrittweise Rückkehr der Kitakinder wird weitgehend ausgeblendet, dass die Pandemie nicht beendet ist. Wir tun gut daran, uns auf eine längere Phase des Kitabetriebs unter besonderen Bedingungen einzustellen.

Mit der Forderung, die bisherige bedarfsorientierte Betreuung der Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufsgruppen fortzusetzen, alle weiteren Kinder schrittweise aufzunehmen und gleichzeitig noch auf den Infektionsschutz durch die Betreuung in kleineren und stabilen Gruppen zu achten, werden die Berliner Kitas – ohne in angemessener Weise beteiligt worden zu sein - vor eine unmögliche Aufgabe gestellt.
Allen Beteiligten ist es wichtig, ein System aufzubauen, dass nicht nur heute sondern auch für weitere Wochen oder Monate trägt. Darauf sollen sich Eltern verlassen können. Auseinandersetzungen um Betreuungskapazitäten zwischen Eltern und Kita beschädigen die mit viel Engagement aufgebaute Zusammenarbeit. Um tragbare Lösungen zu entwickeln, müssen deshalb alle Beteiligten aufeinander zugehen, solidarisch miteinander umgehen und kreative und pragmatische Ideen in den Blick nehmen.

Das Berliner Kita-Bündnis fordert deshalb:

Alle Kinder haben einen Anspruch auf die Kita! Die verfügbaren personellen und räumlichen Ressourcen müssen auf alle Kinder verteilt werden, so dass jedes Kind wieder einen Zugang zur Kindertagesbetreuung und frühkindlichen Bildung erhält. Ein verlässliches Angebot von 20 Stunden/Woche ist für alle Kinder bereitzustellen. Für etwa 20 Prozent der Kinder ist ein erweitertes Angebot von 30 bis 40 h/Woche nötig. Dieses erweiterte Angebot muss für eine eng ausgelegte Auswahl systemrelevanter Berufe (Krankenhaus, Pflege, Polizei, Feuerwehr und öffentliche Grundversorgung und Infrastruktur), berufstätige Alleinerziehende sowie ggf. Kinderschutzfälle vorgehalten werden.

Viele Familien brauchen mehrere Betreuungsoptionen. Dabei gilt, dass neben der Notbetreuung in der Kita, ergänzende Angebote als Entlastungsmöglichkeiten für Familien dringend benötigt werden.

  • Gesonderte Angebote für Kinder, die eine Kita nur unter strengen Auflagen besuchen könnten! Besonders für Kinder, die auf Grund eigener Vorerkrankung weder an der Kita-Notbetreuung noch am eingeschränkten Regelbetrieb teilnehmen können, müssen passende Betreuungsangebote geschaffen werden. Gleiches gilt auch für Kinder, in deren Haushalt relevant Vorerkrankte leben.

  • Ausreichende finanzielle Ersatzleistungen für Eltern! Die gesamte Gesellschaft, Politik und Verwaltung stehen in der Verantwortung und dürfen Eltern in dieser Krisensituation nicht allein lassen. Die derzeitigen finanziellen Fördermöglichkeiten reichen in dieser herausfordernden Situation nicht aus. Deswegen fordern wir, dass Eltern mit Kita-Kindern finanzielle Leistungen zur Kompensation erhalten. Nur so können Verdienstausfälle und Stundenreduzierungen ausgeglichen oder eventuell alternative professionelle Einzelbetreuung organisiert werden.

In der augenblicklichen Pandemie-Situation ist eine breite Zustimmung zu dem eingeschlagenen Weg von zentraler Bedeutung. Das bedeutet, dass die politischen Entscheidungen den betroffenen Eltern, Kindern, Trägern und Fachkräften transparent, mit angemessenem Vorlauf und plausibel vermittelt werden müssen. Es ist uns klar, dass der Prozess der Rückkehr zu einer Regelbetreuung komplex, langwierig und anspruchsvoll sein wird. Ängste, Befürchtungen und Ideen von Kindern, Eltern und Fachkräften, sowie der Arbeits- und Gesundheitsschutz müssen ernst genommen und die familialen und fachlichen Leistungen wertgeschätzt werden.

Dafür setzen wir uns im Berliner Kita-Bündnis ein!
Berlin, 20. Mai 2020

Für Rückfragen stehen zur Verfügung:
Corinna Balkow (Landeselternausschuss Kita/LEAK)    mobil: 0179 263 12 16
Sabine Radtke (Der Paritätische Berlin)        mobil: 01520 632 07 15    
    

Datum, 20 | 05 | 2020