Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Opfer aus ihrer Rolle und zurück in die Gesellschaft holen

Der Jahresempfang 2018 des Paritätischen Berlin legte den Schwerpunkt auf das Thema Opferhilfe

450 Gäste kamen zum Jahresempfang 2018; Foto: Holger Groß

„Ich will kein Opfer mehr sein! - Wie können Opfer besser unterstützt werden?“ Diese Frage stand im Zentrum des Jahresempfangs des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, der am 30. Mai 2018 im Umweltforum Auferstehungskirche in Berlin-Friedrichshain stattfand. „Wir möchten Opfer befähigen, wieder stark zu sein, und mit ihren Erfahrungen in ihr altes Leben zurückkehren zu können. Das ist das Allerwichtigste in der Opferarbeit.“ Das betonte Prof. Barbara John, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Berlin vor rund 400 geladenen Gästen, darunter Vertreter aus dem Parlament, von politischen Parteien und Mitgliedsorganisationen.

Einer von ihnen war Roland Weber. Er ist seit 2012 Opferbeauftragter des Berliner Senats – eine Funktion, die in dieser Art bundesweit einzigartig ist. „Dass der Paritätische die Opferhilfe in den Fokus gerückt hat, auch mit dieser Veranstaltung, hat für mich eine sehr große Bedeutung“, sagte Weber. „Der Paritätische kann als Dachverband auf seine vielen wichtigen Mitgliedsorganisationen einwirken und so die Opferarbeit nachhaltig stärken“, sagte Weber, dessen Hauptanliegen die sensiblere Haltung beispielsweise von Behörden im Umgang mit Geschädigten ist. „Bei einem solch komplexen Thema gibt es nicht die eine Aufgabe, die alles entscheidet. Es sind zahlreiche, einzelne Elemente, die zusammengenommen das ausmachen, wie eine Gesellschaft mit ihren Mitmenschen in Not umgeht“, erklärte Roland Weber.

Direkt auf die Opfer von Gewalttaten zugehen
Weber setzt sich für eine proaktive Opferhilfe ein, die von sich aus auf Geschädigte direkt zugeht. „Die Menschen befinden sich in einer Ausnahmesituation. Es reicht nicht, pauschal mittels Faltblättern über Hilfsorganisationen zu informieren und dann darauf zu vertrauen, dass die Geschädigten den Rest schon alleine hinbekommen“, so das Plädoyer des Opferbeauftragten. Eva Schumann, Geschäftsführerin der Opferhilfe Berlin e.V., einer Mitgliedsorganisation des Paritätischen, die im Jahr etwa 2.000 Menschen mit Opfererfahrung betreut, unterstrich, wie bedeutsam die Zusammenarbeit der Akteure ist. „Wir aus der Opferhilfe sind darauf angewiesen, dass die Verbände im Sinne des Opferschutzes gemeinsam die Dinge vorwärts bringen. Ein wichtiger Punkt dabei ist, die proaktive Opferhilfe in Berlin zu implementieren“, sagte Eva Schumann.

Auszeichnungen für ehrenamtliche Arbeit
Der Jahresempfang ist ein Forum des Austausches, des Zusammenkommens und Diskutierens. Und er ist ein feierlicher Rahmen, um die zu ehren, die das Fundament des Wohlfahrtsverbandes bilden: Die zahlreichen Menschen, die sich ehrenamtlich mit Herz und Hand für andere einsetzen und tagtäglich ehrenamtliche soziale Arbeit leisten. Acht von ihnen wurden Ehrennadeln überreicht von Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin, und von Dr. Manuela Schmidt, der Vizepräsidentin des Abgeordnetenhauses.

Die Ehrennadel in Gold für über 25 Jahre Engagement haben erhalten:

  • Gudrun Beckmann, Kneipp-Verein Berlin e.V. 
  • Petra Mach, Berliner Behindertenverband e.V.
  • Friedel Rosenthal, Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Landesverband Berlin e.V.
  • Detlef Schmidt, Deutsche Rheuma-Liga Berlin e.V.

Die Ehrennadel in Silber für mindestens zehn Jahre ehrenamtliche Arbeit haben erhalten:

  • Renate Eberts, Arbeiter-Samariter-Bund Landesverband Berlin e.V. (ASB)
  • Barbara Ihnow, Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.
  • Rais Khalilov, Paritätischer Wohlfahrtsverband Berlin e.V.
  • Ilse Wuttke, Deutsche Rheuma-Liga Berlin e.V.

Renate Eberts vom ASB etwa hilft mit ihrer Jack-Russell-Terrier-Hündin Lara, verlorene Menschen in der Stadt aufzuspüren. „Die Ehrung hier ist für mich eine Art Streicheleinheit gerade auch für Momente, wo es nicht so läuft. Ich glaube, dass diese Auszeichnung hilft zu zeigen, dass es sich lohnt, etwas ehrenamtlich zu tun und dazu beitragen kann, mehr Menschen für das Ehrenamt zu motivieren“, meint sie. Hund Lara ist derweil einfach über eines glücklich: über den Zuspruch, der ihr heute über besonders viele Leckerlis zuteil wird.

(bk)

Datum, 31 | 05 | 2018