Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Mitgliederversammlung digital – die zweite

Kategorie: Aus dem Verband

Per Livestream wurden die Mitglieder am 24. November über die Arbeit und das Jahresergebnis des Verbandes im Jahr 2020/2021 informiert.

Dr. Gabriele Schlimper stellte Socialmap Berlin und den Geschäftsbericht vor, Foto: Patricia Kalisch

„Ganz egal, wo Sie gerade sind, ob Sie auf dem Sofa sitzen oder im Auto: Ich freue mich, dass Sie sich die Zeit nehmen!“ Es war eine Begrüßung in Pandemiezeiten, mit der Prof. Barbara John, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Berlins, die Mitgliederversammlung eröffnete. Sie fand dieses Jahr zum zweiten Mal in Folge digital statt. Fernsehstudioatmosphäre attestierte John dem Setting im Bürgerzentrum Neukölln: Neben den Mitgliedern von Vorstand, Geschäftsführung und Beirat waren nur der Wirtschaftsprüfer, die Gebärdendolmetscherinnen und das Produktionsteam vor Ort.

Verschobene Gremienwahlen

Nach Prof. Barbara Johns Begrüßung hatte Margit Hankewitz, Sprecherin des Wahlausschusses zur Wahl von Vorstand und Berufungsausschuss das Wort. Sie verkündete, dass die für 2021 angekündigten Gremienwahlen pandemiebedingt auf das Frühjahr 2022 verlegt wurden. Die Mitgliedsorganisationen würden in Kürze darüber informiert, wie sie Kandidatinnen und Kandidaten für den Vorstand und Berufungsausschuss vorschlagen können.

Die Pandemie als Katalysator einer sozialeren Wirtschaft?

Grußworte kamen per Videobotschaft vom Vorsitzenden des Gesamtverbandes, Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, und von Andreas Kaczynski, dem Vorstandsvorsitzenden des Paritätischen Landesverbands Brandenburg. Rosenbrock hob die enorme Leistung sozialer Träger während der Pandemie hervor und betonte gleichzeitig: „Die Pandemie hat die Schwächen einer am Gewinn orientierten Pflege und Gesundheitsversorgung gezeigt und das Bewusstsein für eine am Menschen und seinen Bedarfen orientierten Wirtschaft geschärft.“ Die Glaubwürdigkeit der neuen Bundesregierung bei der Bewältigung der zentralen sozialen Fragen wie Pflegenotstand, Wohnungsnot und wachsende Armut messe sich daran, wie viel Geld für diese Zwecke bereitgestellt werde.

Andreas Kaczynski hat auf dieser Front bereits Erfolge vorzuweisen: „In Brandenburg haben wir uns mit Macht gegen den Sparhaushalt der Landesregierung aufgelehnt und waren über das parlamentarische Verfahren erfolgreich“, freute er sich. „Das ist eine gute Nachricht, denn es zeigt, dass die Politik in der Lage ist, die Zukunftschancen von Menschen und den Zusammenhalt in der Gesellschaft über eine schwarze Null zu setzen.“

Zur Positivbilanz 2020/21: Eine Sisyphusarbeit, die sich lohnt

Nächste Rednerin war die Geschäftsführerin Dr. Gabriele Schlimper. Sie stellte die neue Online-Datenbank des Paritätischen Berlins vor: Auf social map sind bereits über 930 soziale Angebote hinterlegt. Mitgliedsorganisationen können ihr Angebot eintragen und werden so von den Berlinerinnen und Berlinern schneller gefunden. Mehr dazu lesen Sie auf Seite 30.

Im Folgenden verwies Gabriele Schlimper auf die positiven Jahresabschlusszahlen des Verbandes: Das hervorragende Ergebnis mit einem Jahresüberschuss von 970.000 Euro sei insbesondere auf die steigenden Mitgliederzahlen zurückzuführen, die sich mit Stand vom Oktober 2021 auf 815 belaufen. Der Verband finanziere sich zu 76,6 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen. „Das entspricht dem Wachstumstrend der letzten Jahre und ist eine sehr gute Entwicklung“, freute sich Schlimper. „Alle Mittel, die der Verband nicht selbst für den Kernhaushalt und Rücklagen benötigt, werden zur Förderung der Projekte der Mitgliedsorganisationen bereitgestellt“, betonte sie. Anschließend ging sie auf weitere Entwicklungen des vergangenen Jahres ein: Der Landesverband Berlin, der bisher alleiniger Gesellschafter des Paritätischen Seniorenwohnens (PSW) war, hat nun 60 Prozent seiner Anteile an die Mitgliedsorganisation Volkssolidarität Landesverband Berlin übertragen. Außerdem konnte der Paritätische Berlin eine unbefristete Festbetragsdividende von jährlich 450.000 Euro für seine Gesellschafterrolle bei den Sana-Kliniken aushandeln.

Dr. Schlimper verwies zudem auf die Rolle der LIGA-Federführung, die der Verband 2021 und 2022 inne hat, den neu erschienenen Geschäftsbericht 2020/2021 sowie die Broschüre #berlinbessermachen mit den Forderungen des Verbands an Politik und Verwaltung für ein soziales Berlin, die im vergangenen Jahr anlässlich der Wahlen auf Bundes- und Landesebene entwickelt wurde. „Die Leistungen der sozialen Arbeit müssen anerkannt, wahrgenommen und ausreichend refinanziert werden. An dieser Stelle, das verspreche ich Ihnen, lassen wir nicht locker.“

Ausbau der Schwangerenkonfliktberatung, Hilfsangebote bei häuslicher Gewalt, Wohnungslosenhilfe oder auch kindgerechte Settings für Besuche in Strafvollzugsanstalten und eine Ombudsstelle im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes – Baustellen für 2022 gibt es viele: „So machen wir gemeinsam mit Ihnen immer weiter, auch wenn es eine Sisyphusarbeit ist. Doch wie sagt Albert Camus: ‚Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen‘ – und das gilt auch für uns!“

Welche Erkenntnisse zieht die Sozialwirtschaft aus der Pandemie? Wohlfahrtsverbände müssen in einer Krise direkt an den Planungsstäben beteiligt werden, der persönliche Kontakt zur Verwaltung muss gewährleistet sein und die Folgekosten ausgewogen verteilt werden, schloss Schlimper. Sie kritisierte, dass beim Gesundheitsschutz Menschen mit Behinderungen oder auch obdachlose Menschen oft nicht mitgedacht werden. So habe man diese z.B. bei der Organisation der Booster-Impfungen nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie Obdachlose, die durch die Johnson&Johnson-Impfung quasi keinen Impfschutz mehr hätten. Sie verwies außerdem auf die Versachlichung der Kommunikation in der Pandemie, die sich durch die Verlagerung auf digitale Kanäle ergeben hat, und kündigte fürs kommende Jahr persönliche, fachübergreifende Netzwerktreffen in den Bezirken an.

„Der Verband ist 2020 gut durch die Coronakrise gekommen.“

Im Folgenden hatte Ingo Fehlberg, Wirtschaftsprüfer bei Mazars, das Wort, der das Jahresergebnis des Verbandes noch einmal im Einzelnen vorstellte. Insgesamt konnten Erträge von knapp 11,5 Millionen Euro erzielt werden, von denen knapp 3,8 Millionen Euro als Zuwendungen an die Mitgliedsorganisationen weitergeleitet wurden. „Man kann sagen, dass der Verband 2020 gut durch die Coronakrise gekommen ist“, so Fehlberg.

Von Hate Speech bis Wohnraumversorgung: die Arbeit des Beirats

Als nächstes stellte die Beiratsvorsitzende Ria Schneider die Arbeit des Beirats im Jahr 2021 vor. Insgesamt fünf Sitzungen haben im laufenden Jahr stattgefunden: Im März befasste sich der Beirat mit dem Thema Hate Speech, im Juni mit dem Subsidiaritätsprinzip, genauer gesagt mit Entwicklungen und möglichen Rekommunalisierungstendenzen, und im November mit dem Thema Wohnraumversorgung für Menschen mit Benachteiligung.  Im September wurde der Jahresabschlussbericht im Beirat beraten und dem Vorstand zur Entgegennahme empfohlen.

Ausblick auf ein Jahr in dem Covid-19 hoffentlich „seinen Schrecken verliert“

Im Anschluss hatte noch einmal Gabriele Schlimper das Wort, die den Wirtschaftsplan 2022 vorstellte: „Für 2022 planen wir konservativ mit einem Überschuss von 400.000 Euro“, so Schlimper.

Abschließend dankte Barbara John allen Beteiligten. „Bleiben Sie behütet und beschützt. Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass Covid im neuen Jahr seinen Schrecken verliert“, schloss sie die Veranstaltung.

Hier finden Sie die Plattform Socialmap Berlin: socialmap-berlin.de

Sehen Sie hier unseren Erklärfilm zur Vorstellung von Socialmap Berlin: bit.ly/socialmap_film

Hier gibt es die Fotos von unserer Mitgliederversammlung

Text: Nina Roßmann, Fotos: Patricia Kalisch

Datum, 29 | 11 | 2021