Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Mehrfacher Impfstopp behindert das Impfen von Menschen mit Behinderung

Wir brauchen eine verlässliche Impfstrategie mit höchster Priorität und ab sofort

Alles stand bereit am 15. März am Impfort Pfefferberg, Foto: Kathrin Zauter

Das Land Berlin hatte im Februar beschlossen, Menschen mit Behinderungen grundsätzlich mit mobilen Impfteams zu impfen und ausschließlich mit dem Vektor-Impfstoff von Astra Zeneca.

Die freien Träger der Eingliederungshilfe in Berlin scheuten keine Mühe, um das Impfen gegen Corona zu ermöglichen. In kurzer Zeit richteten sie 162 Orte ein und stellten diese als sogenannte Impforte zur Verfügung, damit Menschen mit geistigen und psychischen Behinderungen, die sowohl in stationären Einrichtungen leben als auch ambulant betreut werden, dort geimpft werden können. Laut Impfverordnung gehören sie zur Personengruppe mit hoher Priorität (Prio 2) und sind besonders gefährdet.

Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin am 15. März 2021: „Dort, wo Menschen zusammenwohnen und wo sie in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung gemeinsam arbeiten, besteht ein besonders hohes Infektionsrisiko. Deshalb bestand die Herausforderungen in den vielen, oftmals sehr kleinen Einrichtungen darin, möglichst schnell Impfungen zu ermöglichen. Das haben wir nun gemeinsam geschafft. Das ist eine sehr gute Nachricht!“

Am selben Vormittag ging es los. 23.000 Menschen mit Behinderungen sollten in den kommenden Wochen von mobilen Teams des Landes Berlin geimpft werden. Gleichzeitig konnten sich auch mehr als 18.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Menschen mit Behinderungen betreuen, impfen lassen. Dieser Schutz ist für die Arbeit in diesem Bereich besonders wichtig.
Aber anders als geplant, wurde die gut organisierte Impfung bereits am Nachmittag auf Grund des für den Impfstoff AstraZeneca auf Bundesebene verhängten Impfstopps eingestellt. Sieben Tage später, am 22. März, konnte dann weitergeimpft werden. Bis zum nächsten Impfstopp, der ebenso überraschend am 29. März, zunächst wegen Lieferengpässen im Land Berlin, verhängt wurde. Am Tag darauf kam das nächste Aus durch die Ständige Impfkommission für das Impfen mit AstraZeneca von Menschen unter 60 Jahren.
Das Land Berlin entschied daraufhin, die Impfungen der Menschen mit Behinderungen durch die mobilen Teams so lange auszusetzen, bis das Paul-Ehrlich- Institut weitere Empfehlungen ausspricht. Das Land Berlin ist momentan nicht in der Lage, die Impfungen mit Biontech oder Moderna weiterzuführen. Eine Umdisposition scheint nicht organisierbar.

Jetzt, Stand 7. April, ist angekündigt, dass die Impfungen am 19. April fortgesetzt werden. Dann „endlich“ auch mit Biontech und Moderna. So, wie wir es von Anfang an gefordert haben. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die vom Bund angekündigte Lieferung in Berlin auch ankommt. Unklar ist nach wie vor, wie viele Impfdosen dann für Menschen mit Behinderungen disponiert werden.

Seit Mitte Januar hatte der Krisenstab der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales gemeinsam mit den Verbänden und den freien Trägern der Wohlfahrtspflege das Impfangebot organisiert. Wir hoffen, dass das Land Berlin jetzt sofort dafür sorgt, dass die Impfungen mit höchster Priorität umgesetzt werden.

Uwe Brohl-Zubert, Referat Soziale Psychiatrie/ Queere Lebensweisen

(rs)

Datum, 08 | 04 | 2021