Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Hospizarbeit begegnet Beatmungsmedizin

Hospizdienst der Sozialdienste der Volkssolidarität Berlin gGmbH

In unserer Beratungspraxis zum Thema Patientenverfügung hören wir regelmäßig von den Ängsten vor einer Gerätemedizin. „Ich möchte nicht an Schläuchen hängen, dann lieber tot sein“, so sagen viele der Gesunden. Dass sie in einer Situation, in welcher die Lebenszeit ohne diese Maßnahmen absehbar wird, eine andere Entscheidung treffen, können sie sich kaum vorstellen. Dennoch ist es so, dass sich die meisten Menschen für eine Lebensverlängerung durch Beatmungsmedizin entscheiden, wenn der Tod die einzige Alternative ist.  

Das Team des Ambulanten Palliativberatungs- und HospizdienstesIn unserem Hospizdienst hat sich in den letzten Jahren eine besondere Kooperation entwickelt. Neben der Begleitung von unheilbar kranken Menschen in der Häuslichkeit, im Pflegeheim und im Krankenhaus begleiten wir beatmungspflichtige Menschen am Lebensende im Zentrum für Beatmung und Intensivpflege. Menschen, die beatmet werden, gehören (noch) nicht zu den klassischen Hospizpatienten. Es sind z.B. Patienten, die an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), an speziellen Tumorerkrankungen oder an Neuromuskulären Erkrankungen wie ALS, MS, Muskeldystrophien, Muskelatrophien u.v.m. leiden. Diese Menschen entscheiden sich bewusst für ein Leben mit Beatmung. Aber auch Menschen mit neurologischen Schädigungen, insbesondere Menschen im sogenannten Wachkoma und mit minimalem Bewusstseinszustand, werden beatmet. Ihnen wird zumindest, meist von den nächsten Angehörigen, ein mutmaßlicher Wille unterstellt, ein Leben mit Beatmung dem Tod vorzuziehen.  

Eine kontinuierliche Krankenbeobachtung und Intervention mit den medizinisch-pflegerischen Maßnahmen stehen scheinbar im Widerspruch zu hospizlichen Ansätzen, bei denen nicht die Lebensverlängerung, sondern die Leidlinderung im Mittelpunkt steht. Tatsächlich gibt es kaum gelebte Kooperationen zwischen Einrichtungen, die beatmungspflichtige Menschen betreuen, und ambulanten Hospizdiensten.

Die Zahl der betroffenen Patienten steigt dabei jedoch ebenso wie die Zahl der Anbieter. Bei der Zusammenarbeit erleben sowohl die hauptamtlichen als auch die ehrenamtlichen Mitarbeiter besondere Herausforderungen. In einer Intensivpflegeeinrichtung mit lebenserhaltenden Maßnahmen befinden wir uns als Hospizmitarbeiter in einem ungewohnten Setting. Das Hinterfragen der Indikation bestimmter Maßnahmen bei nicht einwilligungsfähigen Patienten erfordert eine besonders gute Kommunikation zwischen allen Beteiligten. Ethische Aspekte spielen eine große Rolle. Therapieverzicht und das Beenden der lebenserhaltenden Maßnahmen sind immer Themen, die auch die Begleiter besonders berühren.

Bei vielen Patienten haben wir sehr eingeschränkte bis gar keine Kommunikationsmöglichkeiten (Wachkoma). Patienten, aber auch Angehörige sind außerdem oftmals durch die akuten Ereignisse, die häufig zur Beatmungssituation geführt haben, traumatisiert und benötigen besondere Unterstützung. Die Mitarbeiter in den Intensivpflegeeinrichtungen werden wiederum stark mit Trauer und Lebensendsituationen konfrontiert, ohne in den Einrichtungen auf eine ebenso ausgeprägte Abschieds-, Hospiz- und Palliativkultur zurückgreifen zu können, wie sie in stationären Hospizen oder auf Palliativstationen inzwischen etabliert ist.

Eine gute Zusammenarbeit gelingt unter anderem durch gegenseitige Fort -und Weiterbildungen und gemeinsame Fallbesprechungen. Uns ist es ein Anliegen, dass die Patienten und Angehörige, welche in Einrichtungen der Beatmungsmedizin versorgt werden, ambulante hospizliche Angebote erhalten.  

Susanne Rehberg, Leitung Hospizdienst

Foto: Jakob Voges

Mehr unter: www.volkssolidaritaet.de/berlin

(vb)

Datum, 09 | 10 | 2017