Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Gewalt stoppen. Gesundheit stärken. Gesundheitswesen in Berlin positioniert sich gegen Gewalt an Frauen

Pressemitteilung des Runden Tischs Berlin

Am gestrigen Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ging der Runde Tisch Berlin – Gesundheitsversorgung bei häuslicher rund sexualisierter Gewalt (RTB) unter dem Motto „Gewalt stoppen! Gesundheit stärken“ in die Öffentlichkeit. Seit 2016 ist die Gewalt in Paarbeziehungen um 11% gestiegen (PKS 2020). Über 60 % der betroffenen Frauen werden durch ihre Partner und Partnerinnen körperlich verletzt. Hoch ist der Anteil an psychosomatischen oder psychischen Erkrankungen in Folge häuslicher und sexualisierter Gewalt. Das individuelle Leid der Betroffenen ist unermesslich und kaum fassbar. Die Gesamtkosten häuslicher Gewalt gegen Frauen werden vom Europäischen Institut für Gleichstellungsfragen auf täglich mehr als 77 Mio. Euro geschätzt (EIGE 2021).

Berliner Ärzte-, Zahnärzte- und Psychotherapeutenkammer, Berufsverbände, Feuerwehr und weitere Mitglieder des RTB sind heute mit Informationstischen und/oder auf Social Media öffentlich präsent: Dr. Bettina Gaber, Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin betont: „Die Ärztinnen und Ärtze sowie Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen in den Praxen gehören oft zu den ersten Personen, die von häuslicher und sexualisierter Gewalt betroffene Frauen treffen bzw. die Folgen sehen“. Für die Ärztekammer Berlin schreibt Vorstandsmitglied Dr. Susanne von der Heydt: „Je verlässlicher unsere Hilfsangebote, je stärker wir uns bewusst machen, dass wir oft die einzigen Ansprechpartner und Ansprechparterinnen sind, desto mehr werden wir Frauen und Mädchen beschützen und helfen“. Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft betont: „Krankenhausmitarbeitende sind oft der erste professionelle Kontakt, dem eine Gewalterfahrung kommuniziert wird. Lassen Sie uns gemeinsam die Sicherheit im Umgang mit Betroffenen noch mehr stärken und dadurch die gesundheitlichen und psychosozialen Folgen nach Gewaltsituationen mindern!“

Am Abend stellt die Geschäftsstelle des RTB gemeinsam mit Frau Prof. Dr. Petra Brzank, Universität Nordhausen, Ergebnisse einer aktuellen Umfrage unter Mitarbeitenden der Gesundheitsversorgung vor. „Über 90% der Mitarbeitenden der Gesundheitsversorgung sind bereit, Betroffene häuslicher Gewalt über die medizinische Versorgung hinaus gezielt zu unterstützen“, so Marion Winterholler, Mitarbeiterin der Geschäftsstelle des RTB. Und weiter informiert sie: „Erfreulich viele Beschäftigte fühlen sich bereits sicher im Ansprechen von Gewalterfahrungen, in der Gesprächsführung, im Weitervermitteln an spezialisierte Einrichtungen und in der Dokumentation von Verletzungen“. Groß sei aber auch der Wunsch nach mehr Qualifizierung, nach Handlungsleitfäden, Informationsmaterial und Zusammenarbeit mit Beratungseinrichtungen und anderen Berufsgruppen. Mangelnde Zeit und Personalknappheit erweisen sich als Barrieren, die eine Unterstützung im Einzelfall verhindern können. Vor allem an Verbände, Kammern und Politik richten Mitarbeitende der Gesundheitsversorgung den Wunsch nach einem klaren Handlungsauftrag für die Gesundheitsversorgung und nach mehr öffentlicher und gesellschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Thema.

Für Akteure und Akteurinnen des Gesundheitswesens und Einrichtungen der Gesundheitsversorgung liegen seit gestern kostenfreie Plakate, Postkarten, Button und weitere Praxismaterialien zum Thema bereit. Alle Unterlagen können außerdem kostenlos über die Geschäftsstelle des RTB angefordert werden.

Die Geschäftsstelle twittert unter @GewaltStoppen.

Anmeldelink zur Online-Abendveranstaltung, 18.30 – 20.30: t1p.de/ij97

Weitere Informationen zum RTB und dem heutigen Aktionstag:

www.signal-intervention.de/2511-aktionstag-gegen-gewalt-frauen

Kontakt
Karin Wieners, Marion Winterholler
RTB Geschäftsstelle
S.I.G.N.A.L. e.V.
Sprengelstraße 15, 13353 Berlin
030 – 246 30579
rundertisch@signal-intervention.de

Quellen:
EIGE, European Institute for Gender Equality
(2021), The costs of gender-based violence in
the European Union. Littauen
BKA, Bundeskriminalamt (2021).

Partnerschaftsgewalt. Kriminalstatistische
Auswertung – Berichtsjahr 2020. Deutschland

Die Pressemitteilung können Sie sich zudem hier downloaden.

(ik)

Datum, 26 | 11 | 2021