Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Der soziale Kiez – Hilfe, Beratung Freizeitangebote

Die soziale Arbeit von nebenan: Vielfalt der Angebote stärken heißt Zivilgesellschaft stärken

Stadtteilarbeit beim Verein für aktive Vielfalt: Impfungen im Garten; Foto: Frank Müller / VaV e. V.

Stadtteilarbeit beim Verein für aktive Vielfalt: Impfungen im Garten; Foto: Frank Müller / VaV e. V.

Gerade nach den Wahlen in Berlin heißt es: die Demokratie muss gestärkt werden. Es muss Vertrauen gewonnen werden. Wir müssen zusammenarbeiten. Demokratie stärken heißt Zivilgesellschaft stärken. Denn die Zivilgesellschaft besteht aus Zusammenschlüssen von Menschen unserer Gesellschaft, die sich in unterschiedlichen Formen engagieren und auch in Form von gemeinnützigen Organisationen professionalisieren.

Ein Kernanliegen der kommenden Regierungskoalition sollte die nachhaltige Stärkung der Vielfalt der sozialen Angebote in Berlin und damit auch der Berliner Zivilgesellschaft sein, denn dieser gemeinnützige Sektor bildet die Vielfalt unserer Gesellschaft ab. Hier finden sich Menschen zusammen, die für die Sache angetreten sind und die etwas bewirken wollen. Das Wissen und die Motivation dieser Organisationen und Initiativen mit ihren Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und freiwillig Engagierten gilt es, viel intensivier zu nutzen und miteinzubeziehen. Politik und Verwaltung allein können nicht schaffen, was Zivilgesellschaft schaffen kann. Dafür sind die Strukturen gerade in Berlin zu starr. Insbesondere das Kompetenzgerangel zwischen Land und Bezirken ist jedes Jahr aufs Neue aufreibend und behindert Zusammenarbeit.   

Um hier größere Fortschritte zu erzielen, braucht es noch mehr Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung. Das bedeutet:

  • mehr fachlichen Austausch ermöglichen,
  • das Erkennen von Problemlagen durch zivilgesellschaftliche Organisationen besser mit einzubeziehen
  • und Subsidiarität wieder zum Kernelement nachhaltiger Sozialpolitik zu machen.

Berlinweit so viel wie nötig – lokal umsetzen so viel wie möglich

Um sich entfalten zu können brauchen zivilgesellschaftliche Strukturen einen Staat, der die Kenntnis der Unterstützungsbedarfe von Menschen in allen Feldern zivilgesellschaftlicher Arbeit als Voraussetzung für den Erfolg versteht. Das hier partnerschaftliche Kooperation auf Augenhöhe noch immer Ausnahmen sind, trotz zahlreicher Beispiele für gelungene Kooperationen, wie in der Stadtteilarbeit, bleibt nach wie vor ein großes Rätsel der Berliner Landes- und Bezirkspolitik.

Gerade auf lokaler Ebene sind es immer wieder die zivilgesellschaftlichen Organisationen, die im Austausch mit den Menschen vor Ort stehen und durch ihre alltägliche Arbeit ein präzises Bild von den Wünschen, Hoffnungen aber auch Ängsten der Bewohnerinnen und Bewohner in den Kiezen bekommen. Denn Nähe und Erreichbarkeit sind in einer Zeit steigender Isolation, von Frust und Zukunftsangst ein Türöffner. In Anbetracht gegenwärtiger, genauso wie zukünftiger gesellschaftlicher Herausforderungen, die auf uns zu kommen, wir es daher höchste Zeit, diese Kompetenzen endlich besser und struktureller einzubinden.

Vielfalt der Angebote stärken – auf Augenhöhe und lokal

Die Grundvoraussetzung dafür ist jedoch zu allererst eine nachhaltige soziale Infrastruktur, die niedrigschwellig und Wohnortnah zu erreichen ist wie etwa Nachbarschaftseinrichtungen mit Kursen und Treffpunkten zum Austausch, Kitas, Pflegeheime, kulturelle Angebote, die sich alle leisten können, Selbsthilfestrukturen, Möglichkeiten zum freiwilligen Engagement in Freiwilligenagenturen, Beratung bei Schwangerschaft, Verschuldung, in einer Krisensituation, Wohngruppen etwa für Jugendliche oder Menschen mit Behinderungen… Die Liste der systemrelevanten sozialen Infrastruktur ließe sich noch erweitern.

Kurzum: Wir brauchen den Fokus auf die Stärkung der sozialen Infrastruktur vor Ort, um nicht nur soziale Dienste anzubieten, sondern auch insbesondere Menschen zu erreichen.  
Die Herausforderungen sind mannigfaltig, egal ob hohe Mieten, soziale Segregation, Verlust von Arbeitsplätzen oder soziale Isolation: Nur wenn wir groß denken und lokal sowie vernetzt umsetzen haben wir die größten Chancen, Berlin lebenswerter zu machen und gegenseitiges Vertrauen zu stärken.

Anne Jeglinski, Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke / Innovation und Wirkung

Weitere Infos zum Thema erhalten Sie über diesen Link - im Rundbrief-Schwerpunkt "Der soziale Kiez - Hilfe, Beratung, Freizeitangebote."


(aw)

Datum, 06 | 01 | 2022