Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

Der seidene Faden ist gerissen

Café Seidenfaden – alkoholfreies Frauencafé schließt am 31.12.2020 für immer!!!

Das Café Seidenfaden war seit 27 Jahren mitten in Berlin am Hackeschen Markt tätig. In dieser Zeit wurden rund 1.400 Frauen* bei der Integration in das Arbeitsleben unterstützt. In Berlin war es das einzige Angebot, das langzeitarbeitslose Frauen* mit einer Suchtproblematik und/oder psychischen Beeinträchtigung Möglichkeiten der Arbeitserprobung und Beschäftigung in einem geschützten Rahmen bot und einen wesentlichen Beitrag zur gesundheitlichen und sozialen Stabilisierung leistete.

Mit dem Café Seidenfaden muss eine anerkannte Einrichtung der Berliner Suchthilfe auf Grund der Auswirkungen der Coronapandemie und der zunehmenden Gentrifizierung der Mitte Berlins schließen.12 langjährig beschäftigte Mitarbeiter*innen sind gekündigt. Für rund 50 süchtige Frauen* pro Jahr fallen
arbeitsmarktnahe Arbeitserprobungsmöglichkeiten weg.

Durch unseren berlinweiten Hilferuf im Mai, einen rbb- Fernsehbeitrag und einer betterplace-Aktion haben wir viel ideelle und auch von etlichen privaten Spender*innen hilfreiche Unterstützung erfahren. Dies war alles aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Außer der großzügigen finanziellen Zuwendung des Paritätischen Berlin und einer einmaligen Bewilligung von Überbrückungsgeld wurden alle anderen finanziellen Unterstützungsanträge abgewiesen, sodass die
Finanzierungslücke immer größer wurde. Schweren Herzens hat der Vorstand und die Geschäftsführung deshalb die Entscheidung zur Schließung des Cafés und Caterings getroffen, um die Existenz von FrauSuchtZukunft insgesamt und damit von über 60 Arbeitsplätzen und Angeboten für Beratung, Wohnen und Arbeit für ca. 1000 Frauen pro Jahr, also fast der gesamten Frauensuchtarbeit Berlins nicht zu gefährden.

Trauer und Wut begleiten diese Entscheidung, dass unsere Not so wenig Gehör bei den politisch Verantwortlichen fand. Wir sind nicht der erste gemeinnützige Träger, der ein Projekt aufgeben muss. Doch macht es einen gewaltigen Unterschied, unter welchen Umständen das passiert.
Die gute Nachricht ist: Der Bereich Arbeit bei FrauSuchtZukunft wird erhalten bleiben.

Wir sind sehr froh, ab Anfang 2021 in Berlin-Pankow in neuen Räumen, mit neuem Konzept wieder starten zu können, mit unserem Projekt tiebrA, gefördert aus Mitteln des ESF und einem niedrigschwelligen Arbeitsprojekt, gefördert aus Mitteln der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Wir werden beschäftigungsorientierte Teilhabe und Tagesstruktur für Frauen* mit Sucht- und/oder psychischen Problemen bieten, so wie sie dringend gebraucht wird und schließen damit eine Lücke zum bestehenden Versorgungssystem.

Nach 27 Jahren Café Seidenfaden gilt unser Dank

  • allen Mitarbeiter*innen, für ihr tatkräftiges Engagement
  • den süchtigen Frauen*, für die wir ein guter Arbeitsort waren
  • unseren Gästen und Kund*innen, die uns immer wieder ihr Vertrauen geschenkt haben
  • unseren Unterstützer*innen, insbesondere dem Paritätischen Berlin, Spender*innen und
    Zuwendungsgeber*innen, Kooperationspartner*innen der psychosozialen und Suchthilfeträger Berlins und bundesweit, politischen und fachlichen Wegbegleiter*innen, den Kolleg*innen von
    FrauSuchtZukunft.

Auf Wiedersehen
Das Team Café Seidenfaden

Für Nachfragen steht die Geschäftsführung gern zur Verfügung:
Katharina Sonn, Geschäftsführung k.sonn(at)frausuchtzukunft.de x
Dagmar Rünger, stellv. Geschäftsführung
Friedrichstr. 231 / 10969 Berlin

www.frausuchtzukunft.de
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(pe)

Datum, 24 | 11 | 2020