Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

„Alterscoolness 70 + - Zwanzig Berliner Ehrenamtliche im Porträt“

Eine biografische Ausstellung mit Fotos, Interviews und Hörstationen von synopsisfilm

Fotos: Copyright Marion Schütt, synopsisfilm

Was tut ein Singpate, was versteht man unter einem Gottesdienstbeauftragten und welche Aufgabe
übernimmt eine Hospizhelferin? In der Ausstellung „Alterscoolness 70 + – Zwanzig Berliner Ehrenamtliche im Porträt“ wird nicht über Ehrenamtliche berichtet, sondern 20 Ehrenamtliche kommen zu Wort und werden ins Bild gesetzt.

Doch was heißt es eigentlich, ehrenamtlich zu arbeiten, was ist die Motivation und was sind die Erfahrungen, die die Einzelnen dabei machen? So höchst unterschiedlich die Motive sein mögen, so prägen sie doch das gesellschaftliche Klima, denn die Kultur des Helfens ist auch ein Gradmesser für den Zustand der Menschlichkeit in einem Land, stellt Tillmann Bendikowski in seinem Buch „Warum wir für andere da sind“ fest (2016).

Dass den Deutschen das gesellschaftliche Engagement immer wichtiger wird, zeigt ein Blick auf die
Statistik. So übte 2014 unter den 40- bis 85-Jährigen fast jeder vierte ein Ehrenamt aus (22,2 Prozent). 1996 war es lediglich jeder zehnte. Damit hat sich die Zahl der engagierten Personen verdoppelt, so der aktuelle Deutsche Alterssurvey 2014 (Deutsches Zentrum für Altersfragen). In Deutschland engagiert sich jeder dritte über 65 bis zu 15 Stunden in der Woche ehrenamtlich. Viele Bereiche des öffentlichen und sozialen Lebens würden ohne die Unterstützung von freiwilligen Helferinnen und Helfern schlicht zusammenbrechen.

Für die Ausstellung interviewten wir 20 Berliner Frauen und Männer im Alter von 70 bis 89 Jahren. Sie
sprechen über ihre Biographie und die Motivation, sich ehrenamtlich in unserer Gesellschaft zu
engagieren. Als Rentner immer nur mit dem Rollkoffer durch die Welt zu reisen, das sei nicht ihr Ziel,
sagt Gudrun R. (70), die im Nachbarschaftszentrum Steinmetzstraße einmal in der Woche eine
Sozialberatung anbietet. Der Singpate Heinz-Jürgen W. (75) ist der Ansicht: „Einfach nichts tun, das
ist kein Leben mehr. Ich kann nur sagen, ich lebe jetzt die schönste Zeit meines Lebens, und das
erfüllt mich total. Das Singen mit Kindern: Das ist genau das, was mir gefehlt hat.“ Ihr Engagement als Seniorenvertreterin in Tempelhof-Schöneberg fasst Karoline D. (75) so zusammen: „Ich kümmere
mich um die, die von der Gesellschaft so gerne geduzt werden,“ sie setzt sich für Ausländer,
Menschen mit Behinderungen und Alte ein. „Das Ehrenamt kostet zwar viel Zeit, Engagement und
Durchsetzungsvermögen, aber es ist keine Einbahnstraße, wo man einfach seine Zeit lässt.“ Karoline
D.s Erfahrung ist, dass das, was man von den Leuten zurückbekommt, viel mehr ist, als das, was man eingesetzt hat.

Die 20 Befragten sind eigenverantwortlich, kompetent und selbstbestimmt in ihrem konkreten
Engagementfeld, aber gleichzeitig auch eingebunden in ihre Arbeitskreise, Nachbarschaftszentren,
Kulturprojekte und soziale Organisationen. Fazit: Die älteren Ehrenamtlichen sind weder Kostgänger
der Gesellschaft, noch Helden des sozialen Berlins, – keep cool – sie haben für sich einen Weg
gefunden, das Ehrenamt als einen wertvollen Teil in ihrem Alltag zu verankern.

Die Ausstellung „Alterscoolness 70 + – Zwanzig Berliner Ehrenamtliche im Porträt“, präsentiert
Porträtfotos, Interviews und Hörstationen von synopsisfilm. Das Projekt entstand nach einer Idee von
synopsisfilm in Zusammenarbeit mit dem Pestalozzi-Fröbel-Haus, dem Paritätischen
Wohlfahrtsverband Berlin, dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg und dem Nachbarschaftsheim
Schöneberg e. V.

Nach dem Auftakt der Ausstellung im Rathaus Schöneberg am Freitag, dem 15. September 2017,
wird sie bis Ende 2018 an unterschiedlichen Orten berlinweit zu sehen sein. Zur Ausstellung erscheint
ein Katalog.

Mehr zur Ausstellung und zur Eröffnung finden Sie hier.

www.synopsisfilm.de

(rs)

Datum, 06 | 09 | 2017