Außenansicht Landesgeschaeftsstelle des PARITAETISCHEN Berlin - Foto: Petra Engel Paritaetischer Berliner Bär für besondere Ehrungen - Foto: Frederic Brueckel Foyer der Landesgeschaeftsstelle - Foto: Petra Engel

239 Millionen Euro gut in die Berliner Kindertagesbetreuung investieren

Presseinformation des Paritätischen Berlin vom 2. Oktober 2019

Franziska Giffey, Michael Müller und Sandra Scheeres unterzeichnen die Vereinbarung zum Gute-Kita-Gesetz, Foto: Torsten Wischnewski-Ruschin

Unterzeichnen die Vereinbarung zum "Gute-Kita-Gesetz" (v.l.n.r.): Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin, und Sandra Scheeres, Senatorin für Bildung, Jugend und Familie, Foto: Torsten Wischnewski-Ruschin

Die Vereinbarung zum sogenannten „Gute-Kita-Gesetz“ (Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität und zur Teilhabe in der Kindertagesbetreuung (KiQuTG)) wurde heute vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller und der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Franziska Giffey, unterschrieben. Der Paritätische Berlin begrüßt, dass Berlin die 239 Millionen Euro vom Bund bis zum Jahr 2022 zur qualitativen Weiterentwicklung der Kindertagesbetreuung einsetzen wird.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin hält es für außerordentlich wichtig, dass nun, nach vielen Jahren der Nichtbeachtung, die Kindertagespflege stärker in den Fokus rückt und die Bedingungen der Tagespflegepersonen deutlich verbessert werden sollen. Der Paritätische hofft, dass die Erkenntnisse aus den Versuchen von Kitaträgern zur besseren Verzahnung von Angeboten der Kindertagespflege von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie endlich aufgegriffen werden.

Der Paritätische Berlin hält insbesondere alle Maßnahmen für sinnvoll, die die Fachkräfte vor Ort inklusive der Kita-Leitungen unterstützen und damit den betreuten Kindern zu Gute kommen. Darunter sind die Verbesserung des Kitaleitungsschlüssels, die Erweiterung der Praxisanleitung und die Stärkung der Fachberatung als Unterstützungssystem zu nennen. Für die Stärkung der Fachberatung hat sich der Paritätische seit Jahren eingesetzt. Daher begrüßen wir, dass an dieser Stelle unsere Vorschläge, die Qualitätsentwicklung und -sicherung in den Kindertagesstätten weiter auszubauen, aufgenommen wurden. Die Fachberatung bietet den Teams in den Kindertagesstätten eine gute Unterstützung in der fortwährenden pädagogischen Arbeit mit den Kindern und Familien.

Fachkräfte zu gewinnen und zu binden sowie Quereinsteigende auszubilden und zu qualifizieren ist für Berlin eine große Herausforderung, um auch künftig in einer wachsenden Stadt den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz zu gewährleisten. Mit der Ausweitung der Praxisanleitung werden den Kindertagesstätten nun mehr Mittel zur Verfügung gestellt, die sie bei der Einarbeitung und guten Anleitung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen und benötigen. Dass jetzt Personen in der berufsbegleitenden Ausbildung Freistellungen für die Anleitung erhalten, ist ein großer Erfolg auch der Bemühungen des Paritätischen Berlin. Damit wird ein Teil der Arbeitsphase aus dem Personalschlüssel herausgenommen.

Die Berliner freien Träger haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass sie sowohl den Kitaausbau als auch den Fachkräfteausbau bewältigen können, daher ist es wenig nachvollziehbar, dass nicht noch weiter in die Personalverbesserung vor Ort in den Kitas investiert wird. Der Paritätische bekräftigt die Erwartung, dass sich der Personalschlüssel in den kommenden Jahren weiter verbessern muss. „Nur verbesserte Betreuungs- und Arbeitsbedingungen im Sinne einer verbesserten Fachkraft-Kind-Relation vor Ort werden uns dauerhaft den notwendigen Zuwachs an Fachkräften gewährleisten und so die zukünftigen Bildungswege der Kinder stärker beeinflussen können“, so Martin Hoyer, stellvertretender Geschäftsführer des Paritätischen Berlin.

Die Errichtung eines Heilpädagogischen  Fachdienstes als niedrigschwelliges Beratungsangebot für Familien mit behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindern als auch der Ausbau von heilpädagogischen Gruppen für schwerstmehrfachbehinderte Kinder wurde vom Paritätischen seit einiger Zeit deutlich gefordert. Dass dies nun durch die Finanzmittel des Bundes abgesichert wird, ist ein deutliches Zeichen, diese Bedarfe anzuerkennen und den Aufwuchs an Plätzen und an Personal entsprechend finanziell abzusichern.

Kritisch und wenig nachvollziehbar für den Paritätischen ist es, dass nach den halbherzigen Maßnahmen und den Umsetzungsschwierigkeiten aus dem Schulbereich die politisch gewollte „Brennpunktzulage“ unbedingt durchgesetzt werden soll. Damit werden nicht die Rahmenbedingungen vor Ort verbessert, keine zusätzlichen Sprachexpertinnen und -experten in den Kindertagesstätten gehalten und die Ausstattung vor Ort, zum Beispiel durch Schalldämmung oder durch Funktionsräume, nicht verbessert.

Die Forderung der Verbände nach einem Brennpunktbudget oder einem Bonusprogramm-Kita setzten sich im Senat leider nicht durch. Durch ein Budget oder Programm hätten die sehr heterogenen Bedarfe vor Ort Berücksichtigung finden können. Die Fachkräfte vor Ort wissen genau, welche unterstützenden Aktivitäten sie für eine gute Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsarbeit in ihren Kindertagesstätten benötigen.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin wird die konkrete Umsetzung der einzelnen Maßnahmen in den kommenden Jahren aufmerksam begleiten. Er fordert darüber hinaus die Bundesministerin Franziska Giffey und die Bundesregierung auf, die Finanzmittel dauerhaft über das Jahr 2022 zur Verfügung zu stellen.

Die Presse-Information finden Sie hier zum Herunterladen.

Und hier können Sie die Stellungnahme des Berliner Kitabündnisses herunterladen.

Kontakt beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin:
Martin Hoyer                   
stellvertretender Geschäftsführer      
Tel. 030 860 01-108             
hoyer(at)paritaet-berlin.de          

Torsten Wischnewski-Ruschin
Referent Kindertagesstätten und Freie Schulen
wischnewski-ruschin(at)paritaet-berlin.de

(rs)

 

 

Datum, 02 | 10 | 2019