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Paritätischer Preis für Frauen mit Behinderungen vergeben

Das sind die PIA-Preisträgerinnen

Die Preisträgerinnen der diejährigen PIA gemeinsam mit Senatorin Elke Breitenbach, Dr. Gabriele Schlimper und Prof. Barbara John

Anlässlich des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember hat der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin das besondere Engagement von Frauen mit Behinderungen gewürdigt und am Vortag zum ersten Mal den Preis PIA verleihen. PIA steht für Paritätischer Preis für Frauen mit Behinderungen in Aktion. 

Der Preis soll die Leistungen von Frauen mit Behinderungen in Berlin sichtbarer machen und sie stärken. Bislang gibt es einen vergleichbaren Preis weder in Berlin noch deutschlandweit. Mit der Verleihung der PIA nimmt der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin eine Vorreiterrolle ein. 

Am 2. Dezember 2018 wurden vier Frauen in der Landesgeschäftsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin mit der PIA, einer kleinen Statue in Anlehnung an die Berliner Buddy Bären, in den Kategorien Gesundheit und Selbsthilfe, Arbeit und Bildung, Menschenrechte und Selbstbestimmung sowie Kunst und Sport ausgezeichnet. Der Preis ist mit je 4.000 Euro dotiert. Das Geld steht für Projekte bereit, die Frauen mit Behinderungen unterstützen. Die PIA ist angelehnt an den internationalen Her Abilities Award. 

Dazu Prof. Barbara John, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Berlin: 

„Wir wollen mit der Verleihung der PIA deutlich machen, dass viele Frauen mit Behinderungen an ganz verschiedenen Stellen gesellschaftliche Aufgaben vorbildlich erfüllen. Dies wird von vielen Menschen aber kaum wahrgenommen. Wir wollen dafür sensibilisieren und die Teilhabe von Frauen mit Behinderungen stärken. Denn nach wie vor sind diese Frauen im Durchschnitt häufiger von Gewalt betroffen als Frauen ohne Behinderung. Sie sind weniger erwerbstätig als beispielsweise Männer mit Behinderung, leben häufiger allein und haben ein hohes Armutsrisiko.“

Das sind die PIA-Preisträgerinnen: Nihal Arslan, Trainerin für Frauenbeauftragte, Marion Gamerschlag, Künstlerin, Birgit Stenger, Erfinderin des Arbeitgebermodells in Berlin und Andrea Schatz, Mitgründerin des Netzwerks behinderter Frauen.

Andrea Schatz (Kategorie Menschenrechte und Selbstbestimmung) 

Aus der Begründung der Jury: 

Andrea Schatz ist Mitgründerin des Allgemeinen Behindertenverbandes in Deutschland (ABiD). Im  Initiativkreis Gleichstellung Behinderter machte sie sich für Gleichstellungsgesetze stark. Sie war Mitinitiatorin eines Kreises behinderter Frauen in Berlin, der sich seit 1992 regelmäßig traf und schließlich die Frauensenatsverwaltung überzeugte, sich für diese Zielgruppe einzusetzen. Andrea Schatz wurde frauenpolitische Referentin in der Senatsverwaltung für Arbeit, Berufliche Bildung und Frauen. Sie engagierte sich lange Jahre als Vorsitzende und im Vorstand des Vereins Netzwerk behinderter Frauen Berlin. Ihrem Engagement ist es auch zu verdanken, dass das Berliner Landesgleichberechtigungsgesetz (LGBG) von 1999 das weltweit erste Gleichstellungsgesetz für behinderte Menschen ist, in dem die Benachteiligung behinderter Frauen thematisiert wird.

Birgit Stenger (Kategorie Gesundheit und Selbsthilfe)

Aus der Begründung der Jury:

Birgit Stenger hat sich in Berlin im Bereich der Assistenz verdient gemacht. Ihr ist zum Beispiel das Arbeitgebermodell innerhalb der Persönlichen Assistenz in Berlin zu verdanken. Seit Jahren unterstützt sie Menschen mit Assistenzbedarf durch die Arbeitsgemeinschaft für selbstbestimmtes Leben schwerstbehinderter Menschen e. V. (ASL). Sie ist eine Persönlichkeit mit Ecken und Kanten, die sich für eine bedarfsgerechte und menschenrechtliche Assistenz kämpferisch engagiert.

Marion Gamerschlag (Kategorie Kunst und Sport)

Aus der Begründung der Jury:

Marion Gamerschlag schenkt mit ihren beeindruckenden künstlerischen Werken anderen Menschen Kraft, sich von Schicksalsschlägen nicht den Lebensmut nehmen zu lassen. Ihre Werke konnte sie bei der Vernissage „Ein wild schlagendes Herz“ im Sommer 2018 in der Galerie Art Cru Berlin einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Beim Malen ist ihr gravierendes Bewegungshandicap keine Beschränkung mehr – sie nutzt diese als Chance, kreativ und künstlerisch aktiv zu sein. Dafür setzt sie viel Willenskraft und Ausdauer ein. Sie kann in diesen künstlerischen Momenten so sein wie sie will und ihre Behinderung rückt in den Hintergrund.

Nihal Arslan (Kategorie Arbeit und Bildung)

Aus der Begründung der Jury:

Nihal Arslan ist Trainerin für Frauenbeauftragte. Als Frau mit Lernschwierigkeiten repräsentiert sie eine oft übersehene Personengruppe und steht zugleich eindrucksvoll für die Wirkung und das Potential von Empowerment. Sie vermittelt authentisch, wie sehr ihr die Themen Prävention von (sexueller) Gewalt und die Stärkung von Frauen mit kognitiver Beeinträchtigung am Herzen liegen. Nihal Arslan stärkt und ermutigt andere Frauen allein schon durch ihr Beispiel. Sie zeigt, dass Frauen mit Lernschwierigkeiten zwar oft unterschätzt werden, aber durchaus das Potential haben, sich über den vorgegebenen, begrenzten und begrenzenden Rahmen etwa einer Werkstatt für Menschen mit Beeinträchtigung hinaus zu entwickeln.

(vb)

Datum, 03 | 12 | 2018