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Wohnen und Leben für frauenliebende Frauen

RuT entwickelt in Kooperation mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) ein Haus-Projekt

„Wann ist es denn endlich soweit? Warum dauert das so lange? Werde ich auch eine Wohnung in dem Projekt bekommen? Ich brauche sie so dringend, ich komme alleine nicht mehr klar.“ Das sind im Moment die häufigsten Fragen, die uns zu unserem Lesbenwohnprojekt gestellt werden.

Unser Konzept besagt, dass wir Wohnungen zur Miete bauen wollen, kein Eigentum. Die Wohnungen sollen bezahlbar sein. Barrierefrei soll das Haus sein und den Ansprüchen gemeinschaftlichen Wohnens gerecht werden. Viele der Frauen, die dort einziehen wollen, haben wenig Geld. Günstige Wohnungen sind also existentiell. Mit finanziellen Mitteln können sie sich nicht am Aufbau beteiligen. Sie steuern immaterielle Werte bei: großes Engagement und Begeisterung.

Die Planung und Umsetzung dieses anspruchsvollen Projektvorhabens brauchen aber auch eine stabile und kontinuierliche auskömmliche Finanzierung. Die ist bei Lesbenprojekten in der Regel nicht gegeben. Auch für das RuT-Wohnprojekt nicht. Trotzdem beanspruchen wir diesen Ort, diese Art der Teilhabe und lesbischer Sichtbarkeit für uns. Dies aus eigener Kraft zu bewerkstelligen, dauert sehr viel länger als wir alle angenommen hatten.

Nach langen Kämpfen um einen geeigneten Standort und einem für ein soziales Frauen-/Lesbenprojekt erschwinglichen Objekt ist der Aufbau nun auf einem guten Weg. In Sichtweite zum Alexanderplatz wird im Bezirk Mitte in der Berolinastraße in Kooperation mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) ein siebenstöckiges Haus entstehen. Die RuT gGmbH wird einen Generalmietvertrag über 25 Jahre zur kompletten Nutzung des Hauses bekommen.

Idee des Projektes ist es, einen inklusiven Ort zu schaffen, an dem frauenliebende Frauen in einer solidarischen Frauen-/Lesbengemeinschaft wohnen und leben können und bis zu ihrem Lebensende selbstbestimmt und so selbstständig wie möglich bleiben können. Die Angst, im Alter isoliert zu sein, in einer Senioreneinrichtung leben zu müssen, in der lesbische Biografien keinen Platz haben, keine Chance auf ein Zusammentreffen mit lesbischen Freundinnen zu haben, geschweige denn neue Freundschaften mit Lesben schließen zu können, hat viele Besucherinnen und Nutzerinnen von RuT bewegt, sich über Möglichkeiten des Zusammenlebens in solidarischer Gemeinschaft Gedanken zu machen. Damit wurde vor rund zehn Jahren die Idee geboren, ein Wohnprojekt für Lesben ins Leben zu rufen, intergenerativ und inklusiv.

Geplant sind 72 barrierefreie Miet-Wohnungen, davon 50 Prozent geförderte Wohnungen (WBS), vier davon rollstuhlgerecht. In das Projekt integriert sind eine Pflegewohngemeinschaft und Gemeinschaftsräume. Das Beratungs- und Kulturzentrum des Vereins RuT in der Schillerpromenade wird mit einziehen und sich dort vergrößern können.

Ein Kiez-Café und ein Veranstaltungssaal für Kultur- und Bildungsveranstaltungen werden den Bewohnerinnen des Hauses, der Nachbarschaft und der queeren Community zur Verfügung stehen. Eine große Außenfläche wird allen Nutzerinnen und der Nachbarschaft zugänglich sein.

Ziel ist ein lebendiges Zentrum für frauenliebende Frauen und queere Menschen für den Kiez und für Berlin. Sichtbarkeit und Teilhabe von Lesben herzustellen, sind zentrale Anliegen des Projektes. Die Entwicklung des Projektes wurde von Beginn an vom Paritätischen Berlin unterstützt.

Jutta Brambach, Wohnprojekt RuT-Rad und Tat Berlin gGmbH

Informationen über das Wohnprojekt finden Sie auf der Internetseite: www.rut-wohnen.de

(nd)

Datum, 18 | 09 | 2020