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Wirkungsorientierung: Ein Kooperationsprojekt des Paritätischen mit PHINEO gAG

Rück- und Einblick von Dr. Gabriele Schlimper

Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin; Foto: William Glucroft

Soziale Organisationen und Verbände sehen sich immer wieder mit einer Steuerungspolitik konfrontiert, die vor allem ökonomische Anreize favorisiert. Gerade öffentliche Haushalte betrachten soziale Organisationen zunehmend als stetig steigender Kostenfaktor, statt die Wirkung der Arbeit im Blick zu haben. Eine häufige Annahme: Durch mehr Kontrolle im betriebswirtschaftlichen Teil, also durch Inputsteuerung, lasse sich die Fortschreibung der Entgelte für soziale Arbeit eindämmen. 

Ein zu starker Fokus auf ökonomischen Faktoren bremst Fachlichkeit. Befördert werden dadurch im schlimmsten Fall die Expansion der Fallmengen und eine Fortführung von Hilfen statt deren Beendigung! Wenn soziale Arbeit ihre Entscheidungskompetenz und ihre professionelle Autonomie verliert, führt das zu Frustration bei sozialen Trägern – Kosten werden dadurch nicht gesenkt.

Um dieser Entwicklung konstruktiv entgegenzuwirken, entschloss sich der Paritätische Wohlfahrtsverband LV Berlin e.V. im Jahr 2014, ein Pilotprojekt in Kooperation mit dem Analyse- und Beratungshaus PHINEO gAG zu starten. Ziel war, gemeinsame Projekte der Wirkungsorientierung zu entwickeln. Die beteiligten Mitgliedsorganisationen aus dem Bereich Hilfen zur Erziehung (Referat Jugendhilfe) sowie dem Referat Suchthilfe, Gesundheit und HIV/Aids (SGHA) erprobten Wirkungsorientierung auf verschiedenen Ebenen organisationalen Handelns. Dabei wurde die Wirkung sozialer Arbeit und ihr positiver Einfluss auf die Gesellschaft in den Fokus genommen. 

Der Anfang war nicht einfach: Der Ansatz von PHINEO für Wirkungsorientierung und die bestehenden Steuerungslogiken der Träger mussten sinnvoll verknüpft werden. Aber der Wille war groß genug und die Kooperationspartner entwickelten ein Schulungsprogramm, das mit sogenannten Wirkungsdialogen zweimal im Jahr begleitet wurde. Zusätzlich wurden die Träger individuell beraten. Jede teilnehmende Mitgliedsorganisation setzte ein Wirkungsprojekt um – basierend auf den gemeinsam erarbeiteten Arbeitsmaterialien und Ablaufplänen. Entstanden sind aus dieser Pilotphase ein kontextbezogenes Wirkungsmodell und ein Schulungskonzept, mit denen soziale Träger arbeiten können und anhand derer sie ihre gesellschaftliche Wirkung analysieren können. 

Die erste Projektphase liegt nun hinter uns – und gemeinsam mit den Mitgliedern und unserem Kooperationspartner überlegen wir: Was haben wir gelernt und wie können wir es sinnvoll nutzen? Geht das weiter – und wenn ja, wie?

Was sich bereits sagen lässt: Wir können ein Umdenken feststellen – von der reinen Leistungsbeschreibung hin zu der Frage „Wie können wir den gesellschaftlichen Nutzen erreichen, auf den wir hinarbeiten?“ Die teilnehmenden Organisationen haben durch die eigene Reflexion gelernt, sich stärker mit dem Kern ihrer Arbeit auseinanderzusetzen: der Hilfe für bedürftige Zielgruppen angesichts herausfordernder Umweltbedingungen. Das führt auch zu mehr Motivation und perspektivisch hoffentlich zu einer Umgestaltung von Verträgen mit der öffentlichen Hand. 

Wir wollen dazu beitragen, dass das Gelernte fest in den Organisationen verankert wird und dort von Nutzen ist. Wir möchten aber auch, dass möglichst viele Organisationen von dem Gelernten profitieren. Aus diesem Grund haben wir begonnen, die Erfahrungen und Ergebnisse unserer Mitglieder aufzubereiten und der Öffentlichkeit zu präsentieren. 

Im Paritätischen Rundbrief, aber auch auf unserer Webseite werden Sie ab sofort unter der Rubrik „Wirkungsorientierung“ Erfahrungsberichte, Resultate, Eindrücke und Meinungen aus dem Projekt lesen. Wir freuen uns, mit Ihnen dazu in den Austausch zu gehen!

Von Dr. Gabriele Schlimper

(vb)

Datum, 19 | 07 | 2017