Kiezreporter der Schulstation von Aufwind e.V. - Foto: Stefanie Lehmann Unionhilfswerk - Kindergartengruppe - Foto: Christiane Weidner Eine Breakdanceshow - Foto: Eberhard Auriga Kletterwald - Foto: Nachbarschaftsheim Schöne

Wir wollen nicht Erzieherinnen und Erzieher zweiter Klasse sein!

Das Nachbarschaftsheim Schöneberg fordert eine gleichwertige Behandlung aller Fachkräfte.

Der Berliner Senat will ab November die umstrittene Hauptstadtzulage seinen Angestellten auszahlen. Dagegen regt sich Widerstand, das Nachbarschaftsheim Schöneberg fordert eine gleichwertige Behandlung aller Fachkräfte.

Für Beamte und Landesangestellte soll ab November 2020 die sogenannte Hauptstadtzulage ausgezahlt werden. So sollen zum Beispiel Erzieherinnen und Erzieher der Kita-Eigenbetriebe durch die Hauptstadtzulage 150 Euro mehr pro Monat erhalten. Die Beschäftigten der freien Träger indes sollen leer ausgehen und nicht von dem Senatszuschuss profitieren und das, obwohl die Träger der Wohlfahrtspflege rund 79 Prozent der Kitaplätze in Berlin bereitstellen.

Das Nachbarschaftsheim Schöneberg mit mehr als 1000 Beschäftigten kritisiert die Ungleichbehandlung durch den Senat und fordert, dass die Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern – unabhängig vom Arbeitgeber – gleichermaßen anerkannt und wertgeschätzt wird. Die Hauptstadt darf nicht zu einem Zwei-Klassen-System mit „Lieblingserzieherinnen und -erziehern“ werden.

Sonderbonus erweckt den Anschein, dass Wert der Arbeit nicht derselbe ist

„Wir sind durch die Auszahlung der Hauptstadtzulage in Zukunft deutlich benachteiligt bei der Suche nach neuen Fachkräften“, sagt Karin Höhne, Geschäftsführerin des Nachbarschaftsheim Schöneberg. Mit der umstrittenen Hauptstadtzulage wird sich das Lohngefälle verschärfen – betroffen sind neben den Kitafachkräften auch Fachkräfte in der Ganztagsbetreuung sowie in vielen weiteren Bereichen. „Als Arbeitgeber weiterhin attraktiv zu bleiben wird schwierig, wenn die Regierung das eigene Personal besserstellt“, so Karin Höhne.

Durch den Bonus für Angestellte des Landes wird der Anschein erweckt, dass der Wert der Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher in Berlin nicht derselbe ist, sagt Dagmar Kürschner, Bereichsleitung für Kindertagesstätten im Nachbarschaftsheim Schöneberg. „Das ist ärgerlich, denn unsere Fachkräfte leisten täglich ihren vollen Einsatz.“ Für die Mitarbeitenden sei die Entscheidung des Senats nicht nachvollziehbar, der Sonderbonus führe zu hoher Unzufriedenheit. „Wir vermissen eine nachvollziehbare Begründung, warum die Hauptstadtzulage nur an Angestellte des Landes Berlin ausgezahlt werden soll.“

Das Nachbarschaftsheim Schöneberg betreibt derzeit 25 Kitas und ist für die Ganztagsbetreuung an 13 Grund- und Oberschulen zuständig. Knapp 400 Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas sowie rund 250 Fachkräfte in der Ganztagsbetreuung des Trägers sind für die Bildung und Betreuung von insgesamt rund 4300 Kindern und Jugendlichen zuständig. Die Einrichtungen befinden sich im Berliner Südwesten, in den Bezirken Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Rund 60 angehende Fachkräfte werden aktuell im Nachbarschaftsheim Schöneberg ausgebildet. Das Personal nimmt regelmäßig an Fortbildungen teil.  

Wer Kitaplätze schafft, braucht auch motivierte Fachkräfte

Um weitere Kitaplätze für Berliner Kinder anzubieten, investiert das Nachbarschaftsheim Schöneberg seit Jahren in den Ausbau seiner Einrichtungen sowie in den Neubau von Kindertagesstätten. Es sind vor allem die freien Träger, die neue Kitaplätze in der Hauptstadt schaffen. Sie sind es auch, die in Berlin überwiegend die Ausbildung der angehenden Fachkräfte übernehmen.

Der jüngst veröffentlichte Kindertagesstättenentwicklungsplan der Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sieht bis zum Jahr 2026 die Schaffung von 26.000 Kitaplätzen vor. „Die Auszahlung eines Sonderbonus nur für Angestellte des Landes steht unserem Einsatz im Bereich des Kita-Ausbaus diametral entgegen“, so die Geschäftsführerin. Denn wer neue Kitaplätze schafft, braucht auch motiviertes, qualifiziertes Personal, um den Bildungsauftrag erfolgreich umzusetzen. Das geht aber nicht, wenn der Senat durch die Hauptstadtzulage den Wettbewerb um Fachkräfte verzerrt und das frisch ausgebildete Personal von den freien Trägern durch eine höhere Bezahlung abwirbt.

Berlin, Oktober 2020

(nd)

Datum, 16 | 10 | 2020