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„Wir wollen Anerkennung!“

Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte Berlins fordert Chancengleichheit

Thomas Anders, Foto: LAG WFBM BerlinWir sind der Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte Berlin (LAG WR Berlin).

Wir vertreten knapp 10.000 Beschäftigte aus 17 Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM). Wir sind seit 18 Jahren dabei, die Interessen der Werkstatträte und der Beschäftigten vor dem Land Berlin zu vertreten und uns deutschlandweit mit anderen Werkstatträten auszutauschen.

Unsere Gesellschaft hat sich im Laufe der Jahre definitiv verbessert, aber das bedeutet nicht, dass es ideal ist. Knapp 10.000 Menschen gehen jeden Tag zu ihrer Arbeitsstelle. Die Rede ist von 10.000 Menschen mit Behinderungen, die sich eins wünschen: Anerkennung! Bei Anerkennung fängt es nämlich an.

Eine Berufsschule besuchen

Beschäftigte der WfbMs absolvieren zwei Jahre berufliche Bildung und erhalten dafür ein Zertifikat. Dieses Zertifikat wird nur leider nicht auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt anerkannt. Wie kommt es, dass wir von beruflicher Bildung sprechen, diese aber anscheinend nichts wert zu sein scheint? Es gibt sicherlich viele Antworten auf diese Frage und viele Möglichkeiten darüber zu diskutieren. Es wird sich aber nichts ändern, solange nichts getan wird.

Daher fordern wir den regelmäßigen Besuch einer Berufsschule während der beruflichen Bildung. Wir fordern Chancengleichheit für die Beschäftigten, die sich nach dem Abschluss der beruflichen Bildung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bewerben möchten. Durch den Besuch einer Berufsschule steigt auch die sozial-gesellschaftliche Anerkennung.

Geld aus einer Hand – anrechnungs- und abzugsfrei

Nach Abschluss des Berufsbildungsbereichs wechseln Beschäftigte in den Arbeitsbereich. Trotz einer beachtlichen Arbeitsleistung und Anwesenheit von mehr als 35 Stunden in der Woche bekommen die Beschäftigten aus den WfbMs einen Lohn, der nicht einmal im Ansatz dem Mindestlohn gleicht. Zum Vergleich: Das monatliche Werkstattentgelt, das anteilig auf die Grundsicherung angerechnet wird, beträgt im Bundesdurchschnitt 181,25 Euro. Somit ergibt sich einschließlich der Anrechnung auf die Grundsicherung ein Stundenlohn von 0,89 Euro. Der aktuelle Mindestlohn beträgt 9,19 €. Als Beschäftigte wissen wir, dass  wir in den Werkstätten  in einem geschützten Rahmen arbeiten.

Aber was wir nicht nachvollziehen können ist, dass wir unser Geld aus verschiedenen Töpfen bekommen. Menschen, die jeden Morgen aufstehen und zur Arbeit gehen, wie Millionen andere auch, werden anders behandelt.  

Auch wenn Werkstattbeschäftigte nicht den gleichen Lohn erwarten können, erwarten und fordern wir die gleichen Zahlungsbedingungen. Wir möchten vom unserem Arbeitgeber, der Werkstatt für behinderte Menschen, bezahlt werden. Wir fordern Geld aus einer Hand. Wir möchten keine Teilbeträge aus allen Richtungen erhalten, die es uns erschweren, den Überblick über unser finanzielles Einkommen zu behalten. Wir möchten den Werkstätten die Möglichkeit einräumen, ihren Beschäftigten Urlaubs- oder Weihnachtsgeld zu zahlen, ohne das die Beschäftigten mit Kürzungen vom Amt rechnen müssen. Wir fordern abzugsfreie Sonderzahlungen.

Wir fordern, dass  unsere Werkstattentgelte nicht mehr durch das Amt angerechnet werden. Beschäftigte gehen jeden Tag zur Arbeit und tragen ihren Teil zu unserer Gesellschaft bei.

Gleiche Bedingungen gefordert

Wir wollen keine Spezialbehandlung. Wir wollen gleiche Bedingungen. Gleiche Bedingungen für knapp 10.000 Menschen, die trotz ihrer körperlichen, geistigen und/oder psychischen Beeinträchtigung jeden Tag ihren Teil zur Gesellschaft beitragen. Wir wollen Anerkennung!

Thomas Anders, Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstatträte Berlins

Mehr Informationen zur Landesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen e. V. finden Sie hier: wfbm-berlin.de/aktuelles/

(aw)

Datum, 28 | 01 | 2019