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Wer bestimmt, was ein Kriterium für Erfolg ist?

Thomas Grahn über die Erfahrungen im Pilotprojekt „Wirkungsorientierung“

Thomas Grahn; Foto: Holger Groß

Wie gut sind unsere internen Abläufe organisiert? Wie ergebnisorientiert sind sie? Das wollte Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin e.V. genauer wissen. Das Pilotprojekt „Wirkungsorientierung“ des Paritätischen Berlin mit Phineo gAG hat die Prozesse der Organisation unter die Lupe genommen. Anne Jeglinski, Leiterin der Geschäftsstelle Bezirke des Paritätischen Berlin, wollte von Thomas Grahn wissen, was es gebracht hat.

Herr Grahn, wo können die Konzepte der Wirkungsorientierung Ihrer Meinung nach eingesetzt werden?
Wenn das Thema „Qualifizierung in der Zusammenarbeit“ im Zentrum steht. Zum Beispiel wenn wir stärker darauf achten, was vom Jugendamt an die betreuende Einrichtung weitergegeben und kommuniziert wird. Das Gleiche gilt für die Zusammenarbeit mit den Eltern.

Ist der Prozess durch die Wirkungsorientierung systematischer und klarer geworden?
Genau, es ging um die Systematisierung, um bestimmte Abläufe von Fallberatungen. Zum Schlüsselprozess der Fallbesprechung wird es demnächst zusätzlich Anregungen geben, wie man vorgehen kann, welche wichtigen Aspekte unbedingt besprochen werden sollten und mit welchen methodischen Mitteln man Wissen vertiefen und anschließend weitergeben kann.

Sie verorten die Wirkungsorientierung als Erweiterung des Qualitätsmanagements.
Ja, deshalb finde ich den Begriff des Wirkungsmanagers schwierig. Meines Erachtens ist Wirkungsmanagement ein Teilaspekt des Qualitätsmanagements. Dazu kommen aber auch externe Einflüsse. Ob Zielgruppen die Angebote akzeptieren, ihr Bewusstsein und ihre Fähigkeiten verändern hängt, hängt nicht von uns allein ab. Da gibt es noch den Einfluss der Eltern: Wenn Kinder im Rahmen einer „Beurlaubung“ ein Wochenende bei den leiblichen Eltern verbringen, die völlig andere pädagogische Werte leben und die Kinder diese Zeit überwiegend vor dem Fernseher oder Computer verbracht haben, stoßen wir an unsere Grenzen.

Bei Faktoren, die zum Gelingen beitragen können, spricht Phineo nicht vom Messen, sondern von analysieren.
Wer allerdings Interesse daran hat, etwas messbar zu machen – und das ist in dieser Logik auch nachvollziehbar – ist der finanzierende Staat. Er argumentiert: Ich habe hier eine bestimmte Menge Geld für soziale Arbeit zur Verfügung, und das bekommen die, die am effektivsten mit dieser schwierigen Klientel arbeiten. Und um zu entscheiden, wer das ist, brauche ich etwas Messbares. Wie aber weist man nach, was wodurch erreicht wurde? Ich würde diese Finanzverantwortlichen gerne fragen, was für sie das Kriterium ist. Ich würde sagen: Schauen Sie sich an, welche Voraussetzungen die Kinder mitbringen. Wenn wir es schaffen, diese Kinder zum Sekundarschulabschluss zu bringen, ist das für alle ein Riesenerfolg. Für die Kinder, die wir betreuen, ist es mitunter schon ein Erfolg, wenn sie wieder regelmäßig und gerne zur Schule gehen.

Sie haben also Zweifel, inwiefern man die Methoden der Wirkungsorientierung extern auf Ihre Zielgruppe anwenden kann, da die Gelingensfaktoren sind sehr schwer zu bestimmen und bei jedem einzelnen Kind anders seien? 
Der Prozess, den wir über diese Auseinandersetzung mit Wirkungsorientierung verbessern können, ist z.B. die Fallreflexion. Wenn ich eine gute Fallreflexion habe, nutzt es dem Kind. Aber die Fallreflexion ist nur ein Baustein von vielen: Eltern, Geschwister, Schule, Freunde, Freizeit, Lehrstelle sind weitere. Für jeden Schlüsselprozess muss man sich mit dem gesamten System auseinandersetzen.

Dieses Interview ist im Rundbrief 1/2018 erschienen.

Die Paritätische Akademie Berlin bietet Weiterbildungskurse zum Thema Wirkungsmanagement an.

www.akademie.org

Datum, 20 | 04 | 2018