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„Was geht ab nach der Haft – Entlassungsvorbereitung auf dem Prüfstand“

Fachtagung und 25-Jahr-Feier des Freie Hilfe e.V. am 1. und 2. Oktober 2015

Im vergangenen Jahr wurden in Berlin etwa 8400 Menschen aus der Haft entlassen. Auch wenn nicht alle Haftentlassenen auf professionelle Unterstützung beim Übergang in die Freiheit angewiesen sind, ist dieser Prozess vor allem nach längeren Haftstrafen und bei Entlassungen aus dem geschlossenen Vollzugs nicht immer reibungslos. Sowohl der vollzugsinterne Sozialdienst als auch Träger der freien Straffälligenhilfe setzen daher bereits während der Inhaftierung die vielfältigsten entlassungsvorbereitenden Hilfsangebote um. Mithilfe frühzeitig einsetzender Beratungs- und Vermittlungsangebote zur Klärung der Wohnsituation, zu versicherungsrechtlichen Ansprüchen, zu einer oftmals vorliegenden Schuldenproblematik, aber auch zu Möglichkeiten der Beschäftigung und Existenzsicherung soll die spätere soziale Wiedereingliederung (ehemals) inhaftierter Menschen gefördert werden.

Teilnehmer der Veranstaltung „Was geht ab nach der Haft – Entlassungsvorbereitung auf dem Prüfstand“ mit Blumensträußen am Tisch

Foto: Freie Hilfe e.V.

Haftentlassung besser vorbereiten

Noch gibt es jedoch Qualitätsunterschiede bei der Entlassungsvorbereitung. Ebenso sind die justizinternen Angebote und vollzugsexterne Reintegrationshilfen nicht in jedem Fall sinnvoll aufeinander abgestimmt. Wie die Vorbereitung der Entlassung straffällig gewordener Menschen zukünftig noch besser gestaltet werden kann, war eine der wichtigsten Fragen, denen der Freie Hilfe Berlin e.V. im Rahmen seiner Fachtagung Anfang Oktober gemeinsam mit über 100 Gästen aus den Bereichen freie Straffälligenhilfe, Justizvollzug, Bewährungshilfe, Politik, Verwaltung und Wissenschaft nachging.

Während der Veranstaltung wurden unter anderem Übergangsmodelle vorgestellt, die in anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt werden. Experten aus Berliner Justizvollzugsanstalten berichteten aus ihrer Praxis und präsentierten das in der Jugendstrafanstalt angesiedelte Beratungszentrum. Hier arbeiten die verschiedensten für die Wiedereingliederung haftentlassener junger Menschen zuständigen Dienste bereits während der Inhaftierung beispielhaft zusammen, damit der Übergang gelingt. Nicht zuletzt wurde die Umsetzung des Resozialisierungsauftrages als gesamtgesellschaftliche Aufgabe diskutiert. Mehrere Workshops boten die Gelegenheit, sich mit Fachleuten zu Themen wie dem ehrenamtlichen Engagement in Gefängnissen, der familienfreundlichen Ausgestaltung des Vollzuges oder auch zu Möglichkeiten und Grenzen einer auf systematischen Vernetzungsstrukturen basierenden Entlassungsvorbereitung auszutauschen.   

25 Jahre Unterstützung für (ehemals) Straffällige

Die Tagung wurde anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Freie Hilfe Berlin e.V. veranstaltet. Der Verein ist berlinweit einer der größten Träger der freien Straffälligenhilfe und bietet seit Jahren stabile und zuverlässige Beratungs- und Betreuungsangebote für inhaftierte und haftentlassene Menschen an. Gegründet im Ostteil Berlins, wo es zum damaligen Zeitpunkt noch keine freie Straffälligenhilfe gab, leistete der Verein Pionierarbeit und war in den neuen Bundesländern einer der ersten Vereine, die sich diesem Aufgabengebiet widmeten. Während seines langjährigen Bestehens realisierte der Freie Hilfe Berlin e.V. innerhalb und außerhalb des Vollzuges zahllose Maßnahmen, mit denen straffällige Menschen unterstützt wurden und werden. Neben der regelmäßigen Arbeit in den Haftanstalten unterhält der Verein eine externe Beratungsstelle und hält die verschiedensten Gruppenangebote vor, wie zum Beispiel Soziale Kompetenztrainings oder Gruppen für inhaftierte Väter. Um den sich verändernden Bedarfen der Klienten gerecht zu werden, werden zugleich immer neue Projekte entwickelt: so soll zukünftig die familienorientierte Arbeit ausgebaut werden.

Bereits seit 1991 ist der Verein Mitglied des Paritätischen Landesverbandes Berlin. Der Verband gratuliert dem Freie Hilfe Berlin e.V. und wünscht allen Mitarbeitenden weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer Vorhaben.

Mehr unter freiehilfe.de

 

Datum, 05 | 11 | 2015