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Vor Ort oder am Telefon? Der Einzelfall entscheidet

Ob direkter Kontakt oder skypen, die Mitarbeiter von tandem BTL unterstützen weiterhin.

Melanie Weiland

Während in Kitas und Schulen Notbetreuung und Homeschooling angesagt sind, unterstützen Einzelfallhelfer der Ambulanten Hilfen der tandem BTL weiterhin direkt vor Ort: Rund 150 Familien mit ihren Kindern mit Behinderung werden kontinuierlich und intensiv betreut, dabei ungefähr 75 Prozent der Familien auch im direkten Kontakt. Zusätzlich bieten die Betreuer telefonische Beratungen an und installieren mit einigen Kindern und Jugendlichen alternative Kommunikationsmöglichkeiten wie zum Beispiel über Skype.

Letztlich ist die Unterstützung der Familien genauso individuell wie vor der Corona-Krise. Für jede Familie muss genau betrachtet werden, wie am besten unterstützt werden kann:
 „Alle Kollegen halten Kontakt zu ihren Klienten und leisten teilweise mehr Arbeit, um die Familien zu entlasten. Sie klären zu Corona auf, nehmen Ängste und versuchen Überforderungssituationen auch im Sinne des Kinderschutzes zu deeskalieren,“ erklärt Melanie Weiland, Bereichsleiterin der Ambulanten Hilfen.
„Wir sehen, dass der Bedarf in den Familien deutlich höher ist. Die Kitas und Schulen sind geschlossen, die Familien sind auf sich gestellt, den schwierigen Alltag zu meistern und ihren Kindern gerecht zu werden. Der Stresspegel steigt. Auch bei hoher Erziehungskompetenz kommen die Eltern schneller an ihre Grenzen“, sagt Chariklia Lehmann, Einzelfallhelferin und Regionalberaterin bei der tandem BTL.

„Manchmal werden die Türen aus Angst vor Ansteckung auch erstmal zu gemacht“, berichtet die Einzelfallhelferin weiter. Dann heißt es, telefonisch Vertrauen zurückgewinnen, zu informieren und zu beraten. „Bei einer alleinerziehenden Mutter führten die Hamsterkäufe und die Leere in den Regalen zu so großer Angst, dass sie spontan alle Termine per SMS abgesagt hat. Ihre beiden Kinder sind fünf Jahre alt, der Sohn zeigt sehr stark herausforderndes Verhalten. Ich habe sie sofort zurückgerufen und nach einem längeren Gespräch hat sie die Hilfe wieder akzeptiert. Jetzt kann sie in Ruhe einkaufen gehen und auch mal etwas mit der Tochter machen, die ja auch Bedürfnisse hat. Mit dem Jungen übe ich gerade spielerisch neue Verhaltensweisen in Zeiten der Pandemie: In die Armbeuge husten und niesen, Hände waschen, Hygiene, Distanzregeln. Um die Mutter gut zu unterstützen und den Jungen angemessen zu fördern haben wir die Taktzahl der Termine sogar erhöht. Wichtig ist, dass wir uns mit den Eltern gut absprechen.“

Das gilt auch für die rund 40 Menschen mit Behinderung, die im Betreuten Einzelwohnen (BEW) unterstützt werden. „Wir begleiten weiterhin zu Ärzten, unterstützen im Haushalt und bei Einkäufen, lesen Briefe vor und erklären ihren Inhalt in leichter Sprache, treffen Absprachen mit Pflegediensten, gesetzlichen Betreuern etc. In Zeiten von Corona natürlich alles unter erschwerten Bedingungen“, berichtet Melanie Weiland.

„Wichtig ist es, Ängste abzubauen und gut zu informieren. Bei einem jungen Erwachsenen im BEW hatten die Eltern, nachdem die Behindertenwerkstatt geschlossen wurde, sich mit dem 18-jährigen Sohn ganz in die Wohnung zurückgezogen,“ erzählt Chariklia Lehmann. „Ich habe dann erstmal recherchiert, welche Parks in Spaziergangnähe sind und dabei auch einen kleinen See entdeckt, zu dem wir jetzt spazieren. Damit die Eltern sich weniger Sorgen machen, habe ich die Strecke fotografisch dokumentiert. So sehen sie, dass wir wenig belebte Wege gegangen sind. Und der junge Mann hat total viel Spaß bei den Spaziergängen.“

Mehr zu den Angeboten von tandem BTL finden Sie unter: www.tandembtl.de

Barbara Brecht-Hadraschek, tandem BTL gGmbH

(nd)

Datum, 15 | 05 | 2020