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Vom sozialen Experiment zum erfolgreichen Theaterbetrieb

Nicole Hummel vom Leitungsteam Theater Thikwa im Interview

Spielszene im Theater Thikwa; Foto: David BaltzerThikwa kommt aus dem Hebräischen und heißt: Hoffnung. Und Thikwa ist ein künstlerisches Experiment mit behinderten und nichtbehinderten Künstlern. Es ist ein gelungenes soziales Experiment. Allen Thikwa-Produktionen gemeinsam ist die Suche nach einer Ästhetik, die sowohl die besondere Unterschiedlichkeit der teilnehmenden Personen als auch deren Gemeinsamkeiten zum Ausdruck bringt.

Alle Inszenierungen werden von Schauspielenden mit und ohne Behinderungen gemeinsam erarbeitet und auf die Bühne gebracht. Für die einzelnen Produktionen werden jeweils externe Künstlerinnen und Künstler engagiert. Das Theater hat sich einen festen und weithin anerkannten Platz in der Theaterszene erarbeitet. In all den Jahren kooperiert es mit anderen Theatergruppen. Die Darsteller werden für diverse Filmproduktionen und Produktionen von anderen Theatern engagiert. Bei der Produktion „Cheer Out Loud!“ spielen Max Edgar Freitag und Rachel Rosen vom Thikwa als Gäste mit.

Das Theater Thikwa hat sich vom sozialen Experiment zum anerkannten Theater entwickelt. Wie würdet Ihr euren Weg beschreiben?

Nicole Hummel: Am Anfang waren wir ja noch ein Modellprojekt und die Performerinnen und Performer kamen von ihrer jeweiligen Arbeit abends in die Probe. Durch die Kooperation mit der Nordberliner Werkgemeinschaft konnten feste Arbeitsplätze im Rahmen der Werkstatt- und Theaterarbeit hergestellt werden. Ein wichtiger Schritt in Richtung professionelle Theaterarbeit, die wir heute seit 27 Jahren betreiben.


In der Produktion „Cheer Out Loud!“ spielen Darstellende  aus eurem Ensemble mit, und wir haben das Glück, durch euch beraten zu werden. Was macht für euch den Reiz an dieser Kooperation aus?

Nicole Hummel: Der Reiz besteht darin, dass uns sehr daran gelegen ist, Thikwa-Performende auch an anderen Theatern arbeiten zu lassen, damit sich ihr Erfahrungsfeld ständig erweitert. Und natürlich ist es in unserem Interesse, dass sich immer mehr Theater einer inklusiven oder mixed-abled Arbeitsweise in ihren jeweiligen Neuproduktionen selbstverständlicher öffnen. In der Kooperation mit dem GRIPS hat sich das als gelungen und beidseitig inspirierend erwiesen, was uns sehr freut.


Ihr seid es gewohnt, mit heterogenen Gruppen zu arbeiten. Wenn jemand zum ersten Mal eine Gruppe divers aufstellen und öffnen möchte, ob im Theater oder in der Schule, was würdet Ihr raten?

Nicole Hummel: Dieselben Voraussetzungen, wie beim Eröffnen jeder anderen Gruppe, würde ich sagen. Es sollten ausreichend lange Probenzeiten vorausgedacht und eingeplant werden, und Assistenzbedarfe im Vorfeld geklärt werden. Ansonsten sind Kreativität, Eigenimpuls und Kommunikationsbereitschaft gefragt. Von allen.


Das Interview führte Ute Volknant, Dramaturgin im Grips Theater


Mehr zum Theater Thikwa finden Sie hier:

www.thikwa.de

(aw)

Datum, 24 | 04 | 2019