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Vom Gastronom zum Pfleger

Stephan Kühn wollte einen krisensicheren Job und wechselte nach 33 Jahren in der Gastronomie in die Pflege.

Über „Oma“, wie Stephan Kühn liebevoll seine Nachbarin nennt, ist der 49-jährige Berliner in die Pflege gekommen. Seit Mai 2020 arbeitet er als Pflegekraft in der Sozialstation Friedenau des Nachbarschaftsheim Schöneberg. Eigentlich ist er gelernter Koch, hat  33 Jahre in der Gastronomie gearbeitet, zuletzt war er als Geschäftsführer eines Restaurants mit 850 Sitzplätzen  für 87 Angestellten zuständig. „Doch dann kam Corona und ich habe nach etwas Krisenfestem gesucht“, sagt Stephan Kühn.

Wieso also nicht in die Pflege? Der Wechsel aus der Gastronomie in die Pflege ergab sich fast von selbst. Seiner Nachbarin hilft er seit Jahren schon. Denn für seine „Oma“ ist er täglich da – er kauft für sie ein, putzt, kocht, beantragt einen Pflegegrad, bringt ihren Alltag in Ordnung und ihr Leben auf Trab. Wenn sie zu sehr über den Verlust ihres Mannes trauert, nimmt Stephan Kühn sie mit in den Garten ihrer Eltern. Ein Tapetenwechsel, der gut tut und sie auf andere Gedanken bringt.

Seine Erfahrungen aus der Gastronomie sieht Stephan Kühn als Vorteil für seinen neuen Job im Nachbarschaftsheim Schöneberg: „Ich schaue mir die Menschen an, ohne sie zu bewerten.“ Im Gastronomiebetrieb hatte er ein Gespür dafür, ob er einen Tisch mit feiernden Damen unterhalten sollte oder lieber zurückhaltend Geschäftsleute beim Business-Lunch versorgte. „Diese Erfahrung lässt sich gut auf die Pflege übertragen."

Stephan Kühn bringt mit seiner empathischen Art viel frischen Wind in die häusliche Pflege und gewinnt dadurch das Vertrauen der von ihm betreuten Kundinnen und Kunden. Er packt an, hat aufbauende Worte dabei und motiviert, wo es nötig ist. Im Gegenzug erhält er viele ehrliche Worte und vor allem viel Dankbarkeit. „Viele Menschen haben sich ihren Lebensabend oft anders vorgestellt. Da sitzt man plötzlich im Rollstuhl oder ist nach dem Tod des Partners einsam. Dann hilft manchmal Reden, ehrliches Reden. Und Zuhören. Oder ein Witz. Aber das geht natürlich nicht immer und nicht bei jedem. Aber das kann man rausfinden", erzählt er lächelnd.  Mit seiner Offenheit gewinnt er im täglichen Dienst auf vielerlei Ebenen: das Vertrauen der Klienten, den eigenen Spaß an der Arbeit sowie ehrliche Worte und viel Dankbarkeit.

Dass der Beruf nicht für jeden gemacht ist, weiß auch Stephan Kühn. Aber das sei nun mal wie in jedem anderen Job auch – „man informiert sich, probiert Dinge aus und am Ende weiß man, ob es das Richtige ist oder nicht“. Besonders wichtig ist ihm der Austausch mit Menschen. "Junger Mann, genießen Sie ihr Leben! Reisen Sie! Im Alter machen sie das sowieso nicht mehr." Sätze, die er von seinen Klienten mitnimmt.

Für Stephan Kühn scheint der Branchenwechsel zu passen: Neben seiner Tätigkeit als Hauspfleger bei der Sozialstation Friedenau hat er im Oktober 2020 ein Fernstudium zum Fachwirt im Sozialen Gesundheitswesen begonnen und kann sich vorstellen, sich in diesem Berufsfeld weiter zu bewegen – und in der Pflege etwas zu bewegen.

Informationen zum Nachbarschaftsheim Schöneberg finden Sie hier.

Text: Eva Schmid, Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V.

(nd)

Datum, 15 | 01 | 2021