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Vergessenen Kindern eine Stimme geben

Aufruf zur zehnten bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien vom 10. - 16. Februar 2019

Jahrzehntelang waren sie vergessene Kinder: Schätzungsweise drei Millionen Kinder und Jugendliche wachsen in Deutschland mit Eltern auf, die alkoholkrank oder drogenabhängig sind. Die Bundespolitik hat ihre Leiden und die vielfältigen Gesundheitsrisiken, die diese Kinder lebenslang mit sich tragen, erst spät zur Kenntnis genommen.

Die Hilfen für Kinder von psychisch- und suchtkranken Eltern sind durch einen fraktionsübergreifenden Antrag im Deutschen Bundestag im Juli 2017auf die politische Tagesordnung gesetzt worden. Als erster Schritt entwickelt nun seit März 2018 eine vom Deutschen Bundestag einberufene Arbeitsgruppe Vorschläge, wie die bislang nur spärlich vorhandenen Hilfen für die Kinder „personell und finanziell zu einem strukturellen und flächendeckenden Unterstützungssystem ausgebaut werden“ und wie „erprobte Modelle in die sozialen Regelsysteme überführt und verstetigt werden“ können.

Gegenüber der ursprünglichen Zeitplanung ist ihr Arbeitsprozess durch wiederholte Verzögerungen um ein Jahr im Rückstand. Als zweiten und dritten Schritt sah der Antrag Aufklärungsmaßnahmen zur Enttabuisierung von Sucht und psychischer Erkrankung in der deutschen Gesellschaft und die Verankerung dieser Themen in der Aus- und Weiterbildung aller Berufsgruppen vor, die an der Versorgung von Kindern und deren kranken Eltern beteiligt sind. Diese beiden wichtigen Bausteine des Antrages sind bis jetzt noch nicht ansatzweise realisiert.

Die Initiatoren der Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien fordern die Bundesregierung dazu auf,

  • … die Tätigkeit der Arbeitsgruppe „Kinder psychisch kranker Eltern“ und die zügige Fertigstellung ihres Abschlussberichts durch alle beteiligten Fachministerien zu unterstützen.
  • … die Aufklärungsmaßnahmen zur Enttabuisierung von Sucht und psychischer Erkrankung rasch umzusetzen und dafür Sorge zu tragen, dass diese Themen und die Unterstützung von Kindern aus entsprechend belasteten Familien in die Aus- und Weiterbildung von Pädagog/innen, Psycholog/innen sowie der Sozial- und Gesundheitsberufe integriert werden.
  • … sich zur Schaffung eines regelfinanzierten und flächendeckenden Hilfesystems für die Kinder zu bekennen und die gesetzlichen Grundlagen für dessen Finanzierung zu schaffen. Dazu gehört auch ein vom Elternwillen unabhängiger Rechtsanspruch der Kinder auf Beratung und Hilfe.

Kinder aus Suchtfamilien sind die größte bekannte Risikogruppe für eine eigene Suchterkrankung und lebenslang hochgefährdet für psychische Krankheiten sowie soziale Störungen. Laut dem aktuellen DAK-Kinderreport haben diese Kinder um 32 Prozent erhöhte Gesundheitskosten. Internationale Studien legen nahe, dass die Schädigungen der Kinder in der lebenslangen Perspektive zu Kosten in Milliardenhöhe führen. Das Leid der Kinder ist mit Geld nicht zu ermessen.

Wie in jedem Jahr wird die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus Suchtfamilien die politischen Forderungen mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen unterstreichen. Alle Einrichtungen, Initiativen, Projekte und die Verbände der Sucht-Selbsthilfe sind eingeladen mitzumachen. Die Veranstaltungen sorgen dafür, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, Wissen zu vermitteln, Hoffnung zu verbreiten und betroffenen Familien und den Kindern Wege zu Hilfe und Genesung zu weisen.

Die Fort- und Weiterbildungsangebote im Rahmen der Aktionswoche zielen auf das Bildungs- und Gesundheitssystem sowie die Jugend- und Suchthilfe. Insbesondere Kindergärten, Schulen und weitere Jugendeinrichtungen sind in besonderer Weise geeignet, die Kinder so zu unterstützen, dass sie sich trotz Widrigkeiten relativ gesund entwickeln können.

Alle Informationen zu Veranstaltungen und Anregungen zum Mitmachen finden sich auf der Website www.coa-aktionswoche.de . Kontakt: info(at)coa-aktionswoche.de

Erstmals beteiligt sich auch die Schweiz an der Aktionswoche. Zeitgleich findet in den USA und in Großbritannien die Children of Alcoholics Week statt. Schirmherrin der Aktionswoche ist die Schauspielerin Katrin Sass. 

(vb)

Datum, 16 | 01 | 2019