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Unbürokratisch helfen

Erstberatungsstelle des KKH und des Paritätischen unterstützt Geflüchtete

Erstberatung in der Muttersprache. Foto: Kathrin Zauter

Es ist ein schlichter Raum im fünften Stock in der Registrierungsstelle für Flüchtlinge in der Bundesallee 171, am Ende des Flurs der Ausländerbehörde. Kahle Wände, ein paar Tische, auf denen Infomaterial, Kugelschreiber und Stadtpläne zum Mitnehmen liegen, nichts Besonderes. Aber die, die hier reingehen, kommen oft mit einem Lächeln im Gesicht wieder heraus. Denn hier spricht man ihre Sprache, wird zugehört und geholfen. Seit Oktober betreiben der Kurdistan Kultur- und Hilfsverein (KKH e.V.) und der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin gemeinsam eine Erstberatungsstelle für geflüchtete Menschen. Hierher kommen vor allem Geflüchtete aus Syrien. Sie sprechen Kurdisch oder Arabisch, kaum Englisch und noch weniger Deutsch, um die Behördensprache zu verstehen.

Beratung in der Muttersprache
Im Beratungsraum sitzen Roj Younis, Adel Saleh und Nedal Ahmad. Roj ist Sozialarbeiter beim KKH e.V. und kommt zweimal die Woche hierher. Adel und Nedal sind syrische Flüchtlinge, die beim Übersetzen helfen. Ihnen gegenüber ein junger Mann aus Syrien, neben ihm seine Betreuerin. Gerade hat der 17-Jährige von einer Sachbearbeiterin der Behörde eine Aufenthaltsbescheinigung für drei Jahre erhalten. Roj und Adel haben beim Übersetzen geholfen. Ohne sie wäre es für den jungen Mann schwer gewesen zu verstehen, was die Papiere bedeuten, wo er seine Unterschrift leisten muss und wie das mit dem Fingerabdruck geht.

In dem anschließenden Gespräch in der Paritätischen Erstberatungsstelle geht es nun um die Zukunft des 17-Jährigen, die Willkommensklasse und das Deutschsprechen. Roj macht ihm Mut. „Du musst in der 9. und 10. Klasse richtig Gas geben, dann kannst du auch das Abitur schaffen, oder du machst danach eine Ausbildung.“ Damit das Gesagte auch bei dem jungen Geflüchteten ankommt, wird improvisiert, denn nicht alle Berater können alle Sprachen. Roj übersetzt erst vom Deutschen ins Kurdische, Adel dann vom Kurdischen ins Arabische. Die Mine des 17-Jährigen hellt sich auf. Verstanden. Dann bekommt er noch ein paar Infos in die Hand gedrückt, über Vereine und Kontaktmöglichkeiten.

Ehrenamtlich und ohne gesicherten Aufenthalt
So geht das heute einige Male. Beraten werden z.B. eine Frau, die für ihre Kinder einen Kitaplatz sucht, oder zwei Männer, die zum Jobcenter müssen. Roj, Adel und Nedal sind ein gutes Team. Besonders Adel ist froh, dass er hier helfen kann. Der 28-Jährige ist aus dem syrischen Kobane geflohen und wohnt jetzt in der Erstaufnahmeeinrichtung in der Kruppstraße. Dort hat er wenig zu tun, hier fühlt er sich gebraucht. Zweimal in der Woche kommt er in die Bundesallee zum Übersetzen, ehrenamtlich. Sein Engagement könnte zum Beispiel durch den Bundesfreiwilligendienst finanziell anerkannt werden. Dann würde Adel auch eine kleine Aufwandsentschädigung für seine Leistung bekommen können. Aber die dafür nötige Beschäftigungserlaubnis fehlt. Seit fünf Monaten wartet Adel, dass es für ihn weitergeht, er eine Aufenthaltserlaubnis erhält und arbeiten darf. Aber nichts passiert. Das zermürbt ihn. Immer wieder muss er sich Geld borgen. Das, was er hatte, ist längst aufgebraucht.

Roj Younis ist von Anfang an dabei, hat die Beratungsstelle in der Bundesallee mit eingerichtet. Er wird von seinem Arbeitgeber, dem KKH e.V., zweimal in der Woche freigestellt, damit er hier helfen kann. Roj sagt, dass sich die Zusammenarbeit mit der Ausländerbehörde in den vergangenen Monaten verbessert habe, die Hilfe der Übersetzer ist in den benachbarten Büros der Behörde sehr willkommen und wird oft genutzt. Immer wieder stecken Mitarbeite der Ausländerbehörde die Köpfe herein und fragen, ob nicht jemand arabisch oder kurdisch übersetzen kann. Allein in den vergangenen drei Monaten habe es rund 300 Beratungsgespräche gegeben, so Younis.
In den nächsten Tagen wird das kleine Büro mit Hilfe des Paritätischen mit Computern ausgestattet und eine neue Kollegin eingearbeitet.

Geplant ist auch, die Öffnungszeiten der Erstberatungsstelle auszuweiten. Derzeit wird von Montag bis Freitag zwischen 9 und 12 Uhr beraten.

Es ist schon nach 12 Uhr und die Beratungsstelle eigentlich schon geschlossen, als ein leitender Mitarbeiter der Behörde fragt, ob nicht doch noch zwei wartende syrische Familien beraten werden können. Roj, Adel und Nedal nicken. Die drei hängen noch eine halbe Stunde dran. Für sie ist es wichtig zu helfen.

Kathrin Zauter

(Pe)

Datum, 20 | 01 | 2016